Peterskirche in Leuven: Geschichte und Meisterwerke - Leuven
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Peterskirche in Leuven: Geschichte und Meisterwerke

Leuven, Belgium

Am Schnittpunkt von Grote Markt und Rector De Somerplein bildet die Peterskirche das architektonische und spirituelle Herz der historischen Altstadt von Leuven. Direkt gegenüber dem gotischen Rathaus zieht dieses Wahrzeichen der brabantischen Gotik aus dem 15. Jahrhundert mit seiner markanten Fassade und dem unvollendeten Glockenturm sofort alle Blicke auf sich. Im Inneren dieses wiederholt von der Geschichte gebeutelten Baus überdauerte ein 500 Jahre altes Meisterwerk früher Perspektive, und es hängt noch heute genau an dem Ort, für den es einst geschaffen wurde.

Brabantische Gotik und der unvollendete Belfried

Der Bau dieses monumentalen gotischen Bauwerks begann um 1425 und ersetzte nach und nach frühere Holz- und romanische Kirchen. Renommierte Baumeister wie Sulpitius van Vorst, Jan II. Keldermans und Matheus de Layens entwarfen den weitläufigen Komplex. Unter dem heutigen Chorraum ist die ursprüngliche romanische Krypta bis heute erhalten.

1505 entwarf der Architekt Joost Matsys einen kühnen Plan: Eine Fassade mit drei Türmen, die stolze 170 Meter in den Himmel ragen sollten. Doch Leuvens weicher, instabiler Untergrund und akuter Geldmangel stoppten die Bauarbeiten 1541. Nach mehreren Einstürzen zwischen 1570 und 1604 blieb nichts anderes übrig, als die Türme auf ihre heutigen Stümpfe zurückzubauen. Heute gehört dieser unvollendete Turmkomplex samt Belfried zum UNESCO-Welterbe. Wie schwindelerregend Matsys' Vision tatsächlich gedacht war, zeigt ein detailgetreues Steinmodell seiner 170-Meter-Fassade im südlichen Querschiff.

Dieric Bouts und das Letzte Abendmahl

Berühmt ist die Peterskirche vor allem für das Sakramentsretabel, besser bekannt als Das Letzte Abendmahl. Zwischen 1464 und 1468 vom flämischen Meister Dieric Bouts gemalt, gehört es zu den seltenen Meisterwerken seiner Epoche, die noch immer genau an dem Ort hängen, für den die Bruderschaft des Heiligen Sakraments sie einst in Auftrag gab. Der Originalvertrag vom 15. März 1464 sowie die abschließende Quittung liegen bis heute im Stadtarchiv.

Das Gemälde ist eine Meisterleistung früher nordeuropäischer Zentralperspektive, deren Fluchtpunkt exakt über dem Kopf Christi liegt. Durch gemalte offene gotische Fenster gibt Bouts den Blick auf das Straßenleben im Leuven des 15. Jahrhunderts frei und erweckt die Illusion, das biblische Geschehen spiele sich mitten in einem zeitgenössischen flämischen Patrizierhaus ab. Im Lauf der Jahrhunderte wurden die Bildtafeln getrennt, an deutsche Museen verkauft, 1919 durch den Versailler Vertrag zurückgegeben, 1942 von den Nationalsozialisten geraubt und schließlich wiedergefunden.

Kriegswirren und moderne Restaurierung

In beiden Weltkriegen wurde das Gebäude schwer gezeichnet. Es überstand einen verheerenden Dachbrand im August 1914 ebenso wie die alliierten Bombardierungen von 1944. Heute dient die Kirche gleichzeitig als lebendige römisch-katholische Pfarrkirche und als Museumsraum. Nach einer aufwendigen Restaurierung, die 2020 abgeschlossen wurde, wird sie in Kooperation mit dem Museum M Leuven betrieben.

Im Chor und Chorumgang befindet sich die M-Schatzkammer von St. Peter. Hier trifft Geschichte auf digitale Vermittlung: Besucher können neben klassischen Exponaten auch Mixed-Reality-Touren mit HoloLens und Tablets erleben.

Verborgene Kuriositäten und historische Schätze

Neben dem Letzten Abendmahl birgt die Kirche weitere bedeutende Kunstwerke, darunter Bouts' Marter des heiligen Erasmus und das Edelheere-Triptychon von 1443. Ein weiteres Highlight ist die Holzskulptur Sedes Sapientiae (Sitz der Weisheit) von 1442: Maria mit dem Jesuskind dient bis heute als offizielles Siegel und Logo der Katholieke Universiteit Leuven (KU Leuven).

An der Außenfassade über dem südlichen Querhauseingang wacht ein vergoldeter Jacquemart. Diese 1998 installierte mechanische Uhrenfigur schlägt zu jeder vollen Stunde mit ihrem Hammer gegen eine Außenglocke und gibt dem geschäftigen Treiben auf dem Grote Markt einen verlässlichen Takt vor.

FAQ

Warum hat die Peterskirche unvollendete Türme?

1505 wurde für die Kirche eine dreitürmige Fassade mit einer Höhe von 170 Metern entworfen. Wegen des instabilen Bodens und knapper Kassen wurden die Bauarbeiten 1541 eingestellt. Nach mehreren Einstürzen stutzte man die Türme auf ihre heutigen Stümpfe, die inzwischen zum UNESCO-Welterbe gehören.

Was ist das berühmteste Gemälde in der Peterskirche?

Die Kirche beherbergt Dieric Bouts' Meisterwerk aus dem 15. Jahrhundert, Das Letzte Abendmahl. Es ist eines der seltenen Werke der flämischen Primitiven, das noch heute an genau dem Ort in der Kirche zu sehen ist, für den es 1464 in Auftrag gegeben wurde.

Wie ist die Peterskirche mit der KU Leuven verbunden?

In der Kirche befindet sich eine Holzskulptur aus dem Jahr 1442, die Sedes Sapientiae (Sitz der Weisheit). Diese Statue von Maria mit dem Jesuskind dient als offizielles Siegel und Logo der Katholieke Universiteit Leuven (KU Leuven).

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