Guide: Universitätsbibliothek und Bibliotheksturm - Leuven
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Guide: Universitätsbibliothek und Bibliotheksturm

Leuven, Belgium

Ein Monument der Widerstandskraft

Am Monseigneur Ladeuzeplein, dem größten Platz von Leuven, prägt die Universitätsbibliothek der KU Leuven die Identität der Stadt wie kaum ein anderes Gebäude. Entworfen vom US-Architekten Whitney Warren im Stil der flämischen Neorenaissance, besticht das Bauwerk durch kunstvoll behauene Steingiebel, Bogengänge und eine rote Backsteinfassade. Zwischen 1921 und 1928 errichtet, dient das Gebäude als zentrale Bibliothek für Geisteswissenschaften und das kulturelle Erbe der Universität. Sein Herzstück ist der prachtvolle, eichengetäfelte Lesesaal.

Zwei Tragödien und ein Neuanfang

Die ursprüngliche Bibliothek, die in den mittelalterlichen Tuchhallen untergebracht war, wurde im August 1914 von deutschen Truppen zerstört, wobei bis zu 300.000 historische Bände verloren gingen. Finanziert durch gewaltige Spenden aus den USA, initiiert von Persönlichkeiten wie Herbert Hoover, entstand in den 1920er-Jahren ein Neubau. Als Dank für diese Unterstützung wurden die Namen und Wappen amerikanischer Universitäten und Stiftungen direkt in den Fassadenstein gemeißelt. Im Mai 1940, während des Zweiten Weltkriegs, wurde die Bibliothek erneut beschossen und brannte nieder. Von fast 900.000 Bänden überstanden gerade einmal rund 15.000 das Inferno. Nach dem Krieg baute man das Gebäude originalgetreu nach Warrens Plänen wieder auf. Heute ruht eine Handvoll verkohlter Bücher und seltener Manuskripte, die beide Katastrophen überstanden haben, geschützt in Vitrinen, liebevoll „Schneewittchen“ (Sneeuwwitjes) genannt.

Turm und Glockenspiel

Der monumentale Glockenturm ragt rund 80 Meter über den Platz und beherbergt ein gewaltiges Carillon mit 63 Glocken. Als mächtiges Fundament dient die sieben Tonnen schwere Bassglocke „Liberty Bell“, deren tiefer Klang die vollen Stunden schlägt. Bei den wöchentlichen Live-Konzerten perlen kunstvolle Melodien über die Stadt. Im Turm selbst führen fünf Ausstellungsebenen hinauf zu einer offenen Galerie, die einen 360-Grad-Panoramablick über Leuvens gotische Türme und rote Ziegeldächer eröffnet.

Architektonischer Zündstoff und moderne Akzente

Die Geschichte der Bibliothek ist reich an Kontroversen. Ursprünglich wollte Architekt Whitney Warren die Balustrade mit einer lateinischen Inschrift krönen, die den Brand von 1914 dem „deutschen Furor“ anlastete. Rektor Paulin Ladeuze legte sein Veto ein, um die akademischen Beziehungen der Nachkriegszeit nicht zu gefährden. Die Folge waren erbitterte Rechtsstreits, wütende Studentenproteste und Vandalismus. Jahrzehnte später erhielt der historische Ort ein modernes Gegenstück: Direkt vor der Fassade ragt Jan Fabres Skulptur „Totem“ aus dem Jahr 2004 empor, eine 23 Meter hohe Stahlnadel, auf der ein 2,7 Meter großer, schillernder Prachtkäfer aufgespießt ist.

FAQ

Was ist die große Skulptur vor der Universitätsbibliothek in Leuven?

Die Skulptur ist das 2004 geschaffene Kunstwerk „Totem“ von Jan Fabre. Sie besteht aus einer 23 Meter hohen Stahlnadel, auf der ein 2,7 Meter großer, schillernder Prachtkäfer aufgespießt ist.

Was sind die „Schneewittchen“ in der Bibliothek?

Die „Schneewittchen“ (Sneeuwwitjes) sind eine kleine Sammlung seltener Manuskripte und verkohlter Bücher, die die verheerenden Bibliotheksbrände von 1914 und 1940 überstanden haben und heute in geschützten Vitrinen aufbewahrt werden.

Warum sind die Namen amerikanischer Universitäten in die Außenfassade gemeißelt?

Die eingemeißelten Namen und Wappen erinnern an die enormen Spendensummen aus den USA, maßgeblich organisiert von Herbert Hoover, mit denen der Wiederaufbau der Bibliothek zwischen 1921 und 1928 finanziert wurde.

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