Muzej Drvorezbarstva: Holzschnitzmuseum Konjic - Konjic
© Photo by Adis Kulin via Google Maps
Ziel

Muzej Drvorezbarstva: Holzschnitzmuseum Konjic

Konjic, Bosnia-and-herzegovina

Das lebendige Erbe der Holzschnitzerei von Konjic

In der Varda-Straße in Konjic feiert das Holzschnitzmuseum (Muzej drvorezbarstva) den Rang der Stadt als wichtigstes Schnitzzentrum von Bosnien und Herzegowina. Gegründet von der Familie Nikšić, öffnete das Haus am 12. Juni 2019 seine Türen, direkt neben der Möbelwerkstatt und dem Showroom von Zanat. Neben der Alten Steinbrücke (Stara Ćuprija) aus dem 17. Jahrhundert und dem unterirdischen Kommandobunker aus dem Kalten Krieg (ARK D-0) zählt das Museum zu den prägenden Kulturdenkmälern der Stadt.

Das Haus wurde geschaffen, um die überlieferte Handwerkstechnik zu dokumentieren und lebendig zu halten. Im Dezember 2017 erlangte diese Kunst weltweite Anerkennung durch die Aufnahme in die Repräsentative UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit. 2022 folgte internationales Renommee: Das Museum gewann sowohl den Živa-Preis für das beste slawische Museum des Forums slawischer Kulturen als auch den Luigi-Micheletti-Preis der Europäischen Museumsakademie.

Parametrische Architektur und Innenräume

Das Innere gestaltete der Architekt Emir Salkić vom Büro normal arhitektura. Mittels parametrischer Holzbauweise schuf er einen räumlichen Holztunnel, der wie ein von geometrischen Paneelen gesäumtes Wurmloch wirkt.

Hinter dieser architektonischen Geste verbinden sich mehrere Zonen fließend miteinander. Neben den Räumen der Dauerausstellung beherbergt das Gebäude eine „Ideenfabrik“ für Design und Produktentwicklung, einen Showroom für moderne Möbel und einen Gedenkbereich für den Meisterhandwerker Besim Nikšić (1953 bis 2024).

Historischer Wandel und Überleben

Unter der österreichisch-ungarischen Verwaltung im späten 19. Jahrhundert entwickelte sich das Schnitzen in Konjic zu einem organisierten Gewerbe. Frühe Bekanntheit brachte unter anderem der deutsche Reiseschriftsteller Heinrich Renner, dessen Berichte das Interesse auf die kunstvoll verzierten Brauttruhen (sehare) der Stadt lenkten. Das Handwerk wurde rasch institutionalisiert, mit Fachschulen in Sarajevo 1879 und in Konjic 1881. Die lokalen Kunsthandwerker erreichten bald internationales Publikum: Ilija Arapović stellte seine Arbeiten 1896 auf der Millenniumsausstellung in Budapest vor. Pionier Abdulah Gane Nikšić bahnte Wege in europäische Märkte, und sein ältester Sohn ließ 1919 schließlich den ersten unabhängigen Familienbetrieb eintragen.

Vor dem Zweiten Weltkrieg florierten in Konjic über 30 Schnitzwerkstätten. Doch die sozialistische Verstaatlichung und das Verbot privater Betriebe zwangen fast alle zur Aufgabe. Nur zwei Familienlinien hielten ununterbrochen durch: die Nikšićs und die Mulićs. Sie überstanden die Ära nicht zuletzt dank prestigeträchtiger Staatsaufträge und fertigten kunstvolle Prunkkassetten und Möbel für den jugoslawischen Präsidenten Josip Broz Tito. Jahrzehnte später schuf die Mulić-Werkstatt den liturgischen Zeremonialsessel für den Sarajevo-Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1997. 2015 gründeten Orhan und Adem Nikšić die Marke Zanat und schlugen damit die Brücke vom traditionellen Schnitzeisen zu modernem, internationalem Design.

Sammlungen und traditionelle Handwerkskunst

Das Museum bewahrt historische Möbel, antikes Spezialwerkzeug und Originaldokumente von der osmanischen Epoche bis heute. Das älteste Ausstellungsstück ist eine Mitgiftkiste aus dem 19. Jahrhundert, die in der Familie Nikšić über vier Generationen von Mutter zu Tochter weitergegeben wurde. Ein weiterer Blickfang ist eine kreisförmige Installation aus rund 200 traditionellen dreibeinigen Schemeln (hoklice). Auf jedem einzelnen prangt der Name eines Kunsthandwerkers, der die Tradition weitertrug.

In der museumseigenen Werkstatt kannst du den Meistern live bei der Arbeit zusehen. Mit Beitel und Holzklüpfel bearbeiten sie Rohholz von Walnuss, Ahorn, Eiche und Kirsche. Dabei unterscheiden die Kunsthandwerker aus Konjic traditionell vier Grundstile: bosanska (bosnisch), carigradska (Konstantinopler Stil), orijentalna (arabesk) und duborez (Tiefrelief).

FAQ

Wann wurde das Holzschnitzmuseum in Konjic eröffnet?

Das Museum wurde von der Familie Nikšić gegründet und öffnete am 12. Juni 2019 für das Publikum.

Welche internationalen Auszeichnungen hat das Museum erhalten?

2022 gewann das Museum sowohl den Živa-Preis für das beste slawische Museum als auch den Luigi-Micheletti-Preis der Europäischen Museumsakademie.

Was sind die vier traditionellen Motive der Holzschnitzkunst von Konjic?

Die Schnitzer von Konjic unterteilen ihre Motive in bosanska (bosnisch), carigradska (Konstantinopler Stil), orijentalna (arabesk) und duborez (Tiefrelief).

Was ist die Schemel-Gedenkinstallation im Museum?

Das Museum beherbergt einen kreisförmigen Gedenkraum aus rund 200 traditionellen dreibeinigen Schemeln (hoklice), in die jeweils der Name eines lokalen Schnitzers eingraviert ist, der zum Fortbestehen dieses Handwerks beigetragen hat.

More places in Konjic