
Kujundžiluk: Mostars historischer Basar
Osmanische Ursprünge und Zunfttraditionen
Kujundžiluk ist eine osmanische Marktstraße aus der Mitte des 16. Jahrhunderts am Ostufer der Neretva in Mostar. Sie entstand zeitgleich mit dem Bau der steinernen Stari Most (Alte Brücke) im Jahr 1566 und entwickelte sich rasch zum wichtigsten Handels- und Handwerkszentrum der gesamten Region Herzegowina.
Der Name der Gasse geht auf das osmanisch-türkische Wort kuyumcu (im Bosnischen kujundžija) zurück, was Goldschmied oder Juwelier bedeutet. In den ersten Jahrzehnten machten sich hier vor allem Edelmetallhandwerker einen Namen, die auf feines Silberfiligran und kunstvolle Gürtelschnallen für Bräute (pafte) spezialisiert waren. Zünfte (esnafi) regelten das Handwerk streng. Historische Dokumente aus dem Jahr 1631 belegen angesehene Meister wie den Goldschmied Hadži Osman auf dem Markt. In seiner Blütezeit im 17. und 18. Jahrhundert beherbergte Kujundžiluk mehr als 500 Werkstätten und Läden.
Architektur und Wiederaufbau
Das architektonische Bild von Kujundžiluk ist von traditionellem Steinmauerwerk und historischen Gassen geprägt. Die Fußgängerzone ist mit kaldrma gepflastert, jenem Rundsteinpflaster aus glatten Steinen, die direkt aus dem Flussbett der Neretva gesammelt wurden. Gesäumt wird die Gasse von Reihen flacher, einräumiger Steinwerkstätten (dućani), charakteristisch mit ihren traditionellen Holzläden und Dächern aus Kalksteinplatten.
Der Basar hat mehrere Zyklen aus Zerstörung und Wiederaufbau durchlebt. Im Jahr 1861 verwüstete ein Großbrand fast das gesamte Gewerbeviertel, woraufhin die Fassaden aus Stein und Holz umfassend rekonstruiert wurden. Mehr als ein Jahrhundert später erlitt die Gasse während des Krieges in Bosnien und Herzegowina von 1992 bis 1995 schwere Schäden durch Artilleriebeschuss. Unter internationaler Aufsicht und koordiniert durch die UNESCO wurden die historischen Werkstätten und das Pflaster wieder instand gesetzt und 2004 gemeinsam mit der rekonstruierten Alten Brücke wiedereröffnet. Seit 2005 steht der Basar als Teil des Gebiets um die Alte Brücke in der Altstadt von Mostar auf der Liste des UNESCO-Welterbes.
Handwerkskunst heute und das Treiben auf dem Basar
Heute verbindet Kujundžiluk als lebendiger Basar den wehrhaften Tara-Turm mit der Koski-Mehmed-Pascha-Moschee und dem Marktviertel Mala Tepa im Norden. Hatten anfangs die Goldschmiede den Ruf der Gasse begründet, wurden nach und nach Kupferschmiede (kazandžije) zum prägenden Gewerbe, da der Bedarf an Kochgeschirr und Kaffeegeräten aus Metall wuchs.
Aus den offenen Werkstätten ertönt noch immer das metallische Hämmern und Meißeln auf Kupferblechen. Hier fertigen Kunsthandwerker traditionelle, handgetriebene Mokkakannen (džezve), Serviertabletts, Keramik, gewebte Teppiche (ćilimi) und Mosaikglaslampen. Kleine Cafés (kafane) zwischen den Ständen servieren frisch gerösteten bosnischen Kaffee, und das höfliche Feilschen (cjenkanje) gehört beim Kauf handgefertigter Stücke nach wie vor zum guten Ton.
Kriegserbe im neuen Gewand
Neben den traditionellen Kupfer- und Silberarbeiten gibt es auf dem Markt eine ganz besondere Form von Grabenkunst, die nach dem Krieg von 1992 bis 1995 entstand. Kunsthandwerker sammeln verschossene Messingkartuschen und Patronenhülsen aus der Zeit der Belagerung und formen daraus dekorative Gebrauchsgegenstände. In das polierte Messing gravieren sie filigrane Blumenmotive oder das Abbild der Stari Most und verwandeln so militärische Überbleibsel in Stifte und kleine Vasen.
FAQ
Was bedeutet der Name Kujundžiluk?
Der Name geht auf das osmanisch-türkische Wort „kuyumcu“ zurück, was Goldschmied oder Juwelier bedeutet. Historisch war die Gasse für ihre Gold- und Silberschmiede bekannt, die kunstvolle Brautgürtelschnallen anfertigten, bevor das Kupferschmiedehandwerk die Führung übernahm.
Wo liegt Kujundžiluk in Mostar?
Der Basar liegt am Ostufer der Neretva und zieht sich vom Fuß der Alten Brücke und dem Tara-Turm nach Norden in Richtung des Markts Mala Tepa und der Koski-Mehmed-Pascha-Moschee.
Welches traditionelle Handwerk findet man auf dem Basar?
Die Gasse ist berühmt für handgetriebene Kupferwaren wie Mokkakannen (*džezve*) und Tabletts, filigranen Silberschmuck, gewebte Kelims, Mosaikglaslampen sowie dekorative Stifte und Vasen, die aus alten Patronenhülsen aus Messing gefertigt werden.
Ist Feilschen in Kujundžiluk üblich?
Ja, ein höfliches Feilschen, vor Ort *cjenkanje* genannt, ist hier absolut üblich und gehört zum guten Ton, besonders beim Kauf von handgravierten Metallarbeiten und Textilien.




