
Šišman-Ibrahim-Pascha-Moschee in Počitelj
Osmanische Ursprünge und Architektur
Erbaut in den Jahren 1562–1563 (970 nach islamischer Zeitrechnung) im Auftrag von Hadži-Alija, dem Sohn von Musa, gilt die Hadži-Alija-Moschee, oft auch Šišman-Ibrahim-Pascha-Moschee genannt, als Paradebeispiel klassischer osmanischer Provinzialarchitektur. Errichtet aus dem warm schimmernden Kalkstein des Neretva-Tals, besticht das Bauwerk durch einen quadratischen Betsaal unter einer stein- und bleigedeckten Hauptkuppel, einen eleganten Säulengang unter drei kleineren Kuppeln und ein einzelnes, schlankes Steinminarett.
Rund ein Jahrhundert nach ihrer Errichtung, um 1664, finanzierte der osmanische Wesir Šišman Ibrahim Pascha umfassende Instandsetzungen und stiftete großzügig für den gesamten Komplex. Dank seiner weitreichenden Förderung blieb sein Name untrennbar mit dem Ort verbunden, weshalb die Moschee bis heute unter beiden Namen bekannt ist.
Das urbane Herz von Počitelj
Auf halber Höhe im natürlichen Karstamphitheater von Počitelj schmiegt sich die Moschee wie ein architektonisches Scharnier in die historische Kulisse. Ihre Lage am Hang verbindet den unteren Ortseingang an der Neretva samt der benachbarten Medrese (Koranschule) mit den gestuften Pfaden, die hinauf zum Haus der Gavrankapetanović, dem Uhrturm und der Festung auf dem Bergsporn führen.
Schon im 16. Jahrhundert war die Moschee der Motor für das Wachstum der Siedlung. Um sie herum entstand ein vollständiges städtisches und religiöses Ensemble samt Hamam (Badehaus), Han (Karawanserei) und Uhrturm. Heute bildet sie das Herzstück des historischen Stadtkerns von Počitelj, der als Nationaldenkmal Bosnien und Herzegowinas geschützt ist und auf der Tentativliste des UNESCO-Welterbes geführt wird.
Zerstörung und Wiederaufbau
Im Bosnienkrieg erlitt die Moschee 1993 verheerende Schäden, als kroatische Truppen (HVO) sie massiv beschossen und sprengten. Die Wucht der Detonation riss das Minarett nieder, ließ die Hauptkuppel einstürzen und zerstörte die Arkadenbögen des Portikus.
Zwischen 2002 und 2005 gab ein umfassendes Wiederaufbauprojekt dem Wahrzeichen seine historische Gestalt zurück. Mit Unterstützung der UNESCO und des Aga Khan Trust for Culture nutzten Restauratoren historische Archivunterlagen und traditionelle Steinmetztechniken, um die Kalksteinmauern, Kuppeln und das Minarett originalgetreu neu erstehen zu lassen.
Das Innere und die Gedenkstätte im Freien
Der kubische Betsaal unter der Steinkuppel wurde einst so ausgeklügelt konstruiert, dass er die Stimme des Vorbeters bei religiösen Zeremonien auf natürliche Weise verstärkt. Mehrere Reihen übereinander angeordneter Bogenfenster leiten weiches Tageslicht ins Innere und bringen die restaurierten floralen Wandmalereien sowie die hölzernen Emporen zur Geltung.
Draußen, auf der offenen Steinterrasse direkt vor der Moschee, erinnert eine Freiluft-Gedenkstätte an die jüngste Vergangenheit. Sie versammelt behauene Originalsteinfragmente und geborgene Trümmerteile aus der Zerstörung von 1993, um das kriegerische Schicksal des Denkmals dauerhaft im Gedächtnis zu behalten.
Besuch der Moschee
Das Gebäude ist bis heute ein aktives Gotteshaus, in dem sich die örtliche muslimische Gemeinde zu den täglichen Gebeten und zum Freitagsgebet versammelt. Außerhalb der Gebetszeiten bist du als Besucher herzlich eingeladen, das Innere zu erkunden. Bitte achte auf angemessene, bedeckende Kleidung; eine kleine Spende vor Ort ist üblich.
FAQ
Warum hat die Moschee zwei verschiedene Namen?
Die Moschee wurde 1562–1563 von Hadži-Alija, dem Sohn von Musa, gestiftet. Mitte des 17. Jahrhunderts finanzierte der osmanische Wesir Šišman Ibrahim Pascha umfassende Restaurierungen und Stiftungen für den Komplex, weshalb heute die Namen beider Förderer gleichrangig nebeneinander verwendet werden.
Was geschah mit der Moschee während des Krieges 1993?
Im Bosnienkrieg 1993 wurde die Moschee von kroatischen Kräften (HVO) beschossen und gesprengt, was das Minarett, die Hauptkuppel und die Arkadenbögen völlig zerstörte. Zwischen 2002 und 2005 wurde sie mit traditionellen Steinmetztechniken originalgetreu wiederaufgebaut.
Was hat es mit den Steinresten auf der Außenterrasse auf sich?
Auf dem offenen Steinplateau vor der Moschee sind behauene Steinfragmente und Gebäudereste versammelt, die nach der Zerstörung von 1993 geborgen wurden. Sie bilden heute eine dauerhafte Freiluft-Gedenkstätte.
Kann man die Moschee besichtigen?
Ja, außerhalb der täglichen Gebete und des Freitagsgebets kannst du das Innere betreten. Bitte achte auf angemessene, bedeckende Kleidung; eine kleine Spende vor Ort ist üblich.




