
Peristyl: das Herz des Diokletianpalasts in Split
Architektur und kaiserliche Ursprünge
Erbaut zwischen etwa 295 und 305 n. Chr., bildet das Peristyl einen abgesenkten, rechteckigen Innenhof unter freiem Himmel und das monumentale Herzstück des Diokletianpalasts in Split. An der Ost- und Westseite von korinthischen Säulenarkaden gesäumt, war der Hof als architektonische Machtdemonstration konzipiert. Rote Granitsäulen aus Ägypten wurden gezielt in die Kolonnaden integriert, um eine direkte visuelle Verbindung zum kaiserlichen Purpur herzustellen, der Symbolfarbe römischer Herrscher.
Die Südseite des Platzes wird vom Protyron dominiert, einem zeremoniellen Portikus mit Dreiecksgiebel und markantem syrischem Bogen. Genau unter diesem Bogen zeigte sich Diokletian Würdenträgern, Leibwächtern und Palastbewohnern, inszeniert als irdische Verkörperung des Gottes Jupiter. Das Protyron öffnete sich direkt in das runde, überkuppelte Vestibül und die dahinter liegenden privaten Gemächer des Kaisers.




Rundgang durch Split mit Audio und Quiz: Diokletianspalast
2 Stunden10 StationenAudioguideStarte an jedem Tag, in deinem TempoTicket auf dem Handy · 30 Tage RückerstattungMittelalterlicher Wandel und benachbarte Monumente
Als im 7. Jahrhundert Geflüchtete aus dem nahen Salona eintrafen, wandelte sich der verlassene Palast in eine bewohnte Siedlung. Wohnhäuser rückten den antiken Kolonnaden ungeniert auf den Leib. Im Laufe des Mittelalters verlagerte sich das städtische Leben nach Westen auf den Volksplatz (Pjaca). Das Peristyl entwickelte sich daraufhin zum religiösen Zentrum rund um Diokletians einstiges achteckiges Mausoleum, das an der Ostseite zur Kathedrale des Heiligen Domnius umgewidmet worden war.
Neben der östlichen Kolonnade wacht eine rund 3.500 Jahre alte Sphinx aus schwarzem Granit, die aus der Regierungszeit von Pharao Thutmosis III. stammt. Die Skulptur mit einer Opferschale zwischen den Vorderpfoten ist eine der wenigen ägyptischen Sphinxe der Anlage, die der frühchristlichen Zerstörung heidnischer Symbole entging. Gegenüber, an der Westseite, schmiegen sich gotische und Renaissance-Paläste des Adels direkt in die römischen Bögen, darunter die Paläste Grisogono, Cipci und Skočibušić. Hier wurden antike Säulen kurzerhand durchtrennt, um banale Wohnhausfenster einzusetzen. Nach Westen zweigt die schmale Gasse Kraj Svetog Ivana ab und führt direkt zum Jupitertempel.
Das Rote Peristyl von 1968
Am Morgen des 11. Januar 1968 wurde das Peristyl zum Schauplatz einer legendären Aktion der kroatischen Konzeptkunst. Die Einwohner Splits trauten ihren Augen kaum: Über Nacht waren die uralten Kalksteinplatten des Platzes knallrot bemalt worden. Das lose Kollektiv junger Künstler hinter der heimlichen Aktion versetzte die Behörden in helle Aufregung, die sofort Ermittlungen wegen Vandalismus und ideologischer Provokation einleiteten. Heute gilt der Vorfall unter dem Namen „Rotes Peristyl“ als bedeutender Meilenstein der kroatischen Urban Art und Konzeptkunst.
Heutiges Leben, Akustik und Events
Heute ist das Peristyl die zentrale Fußgängerkreuzung von Split. Wo der antike Cardo in Nord-Süd-Richtung auf den decumanus trifft, verbindet der Platz die unterirdischen Palastkeller mit dem hoch aufragenden Glockenturm der Kathedrale und den Wegen zur Uferpromenade Riva.
Der Hof besitzt eine bemerkenswerte Akustik: Das dichte Kalksteinpflaster und die steilen Steinfassaden werfen den Schall zurück, statt ihn zu schlucken. Diese natürliche Verstärkung trägt Gesang und Akustikgitarren mühelos durch den gesamten Hof. Das Café Lvxor macht sich genau das zunutze: Auf den umliegenden Steinstufen werden Kissen ausgelegt, und von April bis Oktober gibt es jeden Abend kostenlose Akustikkonzerte. Zudem dient das Peristyl während des jährlichen Sommerfestivals von Split als Freilichtbühne für Theater und Oper, und nicht selten trifft man hier auf Darsteller in römischer Legionärsrüstung.
FAQ
Wann wurde das Peristyl erbaut?
Das Peristyl wurde zwischen etwa 295 und 305 n. Chr. als zentraler Zeremonienhof des Palasts des römischen Kaisers Diokletian erbaut.
Welche Geschichte steckt hinter der Sphinx im Peristyl?
Die Sphinx aus schwarzem Granit stammt aus der Regierungszeit von Pharao Thutmosis III. vor rund 3.500 Jahren. Von Diokletian aus Ägypten herbeigeschafft, hält sie eine Opferschale zwischen den Pfoten und überstand die frühchristliche Zerstörung heidnischer Bildnisse unbeschadet.
Warum klingt akustische Musik im Peristyl so klar?
Das harte, dichte Kalksteinpflaster und die hohen Steinwände werfen Schallwellen zurück, anstatt sie zu absorbieren. So entsteht eine natürliche Verstärkung für unverstärkte Instrumente und Stimmen.
Was war die Aktion „Rotes Peristyl“ von 1968?
Am 11. Januar 1968 strich eine Gruppe junger Künstler das Steinpflaster des Hofes über Nacht knallrot an. Von den Behörden zunächst als Vandalismus verfolgt, gilt die Aktion heute als historischer Meilenstein der kroatischen Konzeptkunst.


