
Pjaca: Splits historischer Volksplatz und sein Rathaus
Wie Splits bürgerliches Herz entstand
Direkt vor der Westmauer des Diokletianpalasts, gleich hinter dem historischen Eisentor, liegt der Narodni trg. Die Einheimischen nennen ihn schlicht Pjaca, abgeleitet vom italienischen Wort für Platz. Dieser Ort markiert Splits mittelalterlichen Ausbruch aus dem engen römischen Korsett: Als die Stadt im 13. und 14. Jahrhundert aus allen Nähten platzte, verlagerte sich das bürgerliche Leben nach Westen, in die sogenannte „Neustadt“.
Schritt für Schritt lief die Pjaca dem römischen Peristyl den Rang als wichtigstes Zentrum für Handel und Stadtleben ab. Ursprünglich hieß sie Sankt-Lorenz-Platz, benannt nach einer mittelalterlichen Kirche, die einst mitten auf dem Pflaster stand. Die Pjaca spiegelte den Wandel der Stadt wider: weg von römischer Kaiserherrschaft, hin zu bürgerlicher Selbstverwaltung.




Rundgang durch Split mit Audio und Quiz: Diokletianspalast
2 Stunden10 StationenAudioguideStarte an jedem Tag, in deinem TempoTicket auf dem Handy · 30 Tage RückerstattungVon venezianischer Herrschaft zum gotischen Alten Rathaus
Als die Venezianer Split 1420 eroberten, krempelten sie das Stadtbild gründlich um. Die Republik ließ die mittelalterliche Kirche im Zentrum kurzerhand abreißen, um an der Nordseite des Platzes einen repräsentativen Verwaltungskomplex hochzuziehen. Zu diesem Ensemble gehörten der Rektorenpalast, Amtsstuben und eine offene Arkadenloggia, von der aus Erlasse verkündet und in der die städtischen Eichmaße verwahrt wurden.
Um 1821, mittlerweile unter österreichischer Verwaltung, war der in die Jahre gekommene venezianische Komplex baufällig und wurde weitgehend abgerissen. Nur die gotische Loggia aus dem 15. Jahrhundert entging der Spitzhacke und blieb als Altes Rathaus (Stara gradska vijećnica) erhalten. Heute besticht das Gebäude durch gotische Maßwerkdetails über den Erdgeschossarkaden und dient als städtische Galerie für wechselnde Kunst- und Geschichtsausstellungen.
Die architektonischen Wahrzeichen des Platzes
Rund um die Pjaca lässt sich eine Architekturgeschichte über mehrere Jahrhunderte ablesen. Ein mittelalterlicher Uhrturm schmiegt sich an ein noch älteres romanisches Turmhaus. Berühmt ist der Turm für sein seltenes 24-Stunden-Zifferblatt mit römischen Ziffern: Sein einziger Zeiger braucht tatsächlich einen ganzen Tag und eine ganze Nacht für eine einzige Umdrehung.
Direkt neben dem Uhrturm steht der spätromanische Ciprianis-Palast aus dem 14. Jahrhundert. Seine Fassade zieren kunstvolle Steinmetzarbeiten, darunter eine Darstellung des heiligen Antonius des Großen aus dem Jahr 1394 neben einem Relief, auf dem Adam den verbotenen Apfel von Eva entgegennimmt. Den Platz säumen außerdem der Renaissance-Palast Karepić aus dem 16. Jahrhundert, der Cambi-Palast und der Jugendstil-Palast Nakić aus dem Jahr 1902.
Am Rand des Platzes liegt die Buchhandlung Morpurgo, 1860 vom jüdischen Intellektuellen Vid Morpurgo gegründet. Er prägte nicht nur das geistige, sondern auch das wirtschaftliche Leben Splits und begründete unter anderem eine Destillerie mit, aus der später die bekannte Spirituosenmarke Stock hervorging. Mitten auf dem Platz steht der Štandarac, ein steinerner Fahnenmast-Sockel und Brennpunkt der jüngeren Stadtgeschichte: Jahrelang stritt man vor Gericht über die Inschrift zum Datum der Befreiung Splits von der Besatzung der Achsenmächte im Jahr 1944.
Atmosphäre und städtisches Leben
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert schlug hier das intellektuelle Herz der dalmatinischen nationalen Wiedergeburt: Politiker und Schriftsteller trafen sich im Gradska kavana und den umliegenden Kaffeehäusern zum Disput.
Heute ist der Platz eine lebendige Flaniermeile, die den Diokletianpalast mit der Marmontova-Straße, dem Fischmarkt und der westlichen Uferpromenade verbindet. Glatt polierter, heller Kalkstein pflastert den Raum und wirft das helle mediterrane Sonnenlicht auf die verwitterten Steinfassaden zurück. Die Terrassen der Straßencafés und die kleinen Läden führen die jahrhundertealte Tradition der Pjaca als Splits wichtigster Treffpunkt nahtlos fort.
FAQ
Was macht den Uhrturm an der Pjaca so besonders?
Der Uhrturm besitzt ein seltenes 24-Stunden-Zifferblatt mit römischen Ziffern, auf dem sein einziger Zeiger volle 24 Stunden für eine einzige Umdrehung braucht.
Welche Geschichte steckt hinter dem Alten Rathaus an der Pjaca?
Ursprünglich im 15. Jahrhundert als gotische Loggia eines venezianischen Verwaltungskomplexes erbaut, war es der einzige Teil des Ensembles, den die österreichischen Behörden 1821 vor dem Abriss verschonten. Heute dient das Gebäude als städtische Ausstellungsgalerie.
Welche historischen Paläste säumen die Pjaca?
An dem Platz stehen mehrere bemerkenswerte Adelssitze, darunter der romanische Ciprianis-Palast aus dem 14. Jahrhundert, der Renaissance-Palast Karepić aus dem 16. Jahrhundert, der Cambi-Palast und der Jugendstil-Palast Nakić aus dem Jahr 1902.

