
Prokurative (Platz der Republik) in Split: Geschichte und Guide
Offiziell heißt er Trg Republike (Platz der Republik), doch die Einheimischen nennen ihn schlicht Prokurative. Dieser prächtige Neorenaissance-Platz liegt unmittelbar westlich des Diokletianpalastes, direkt am Übergang zur Uferpromenade Riva. An drei Seiten, im Norden, Westen und Osten, fassen ihn durchgehende zweigeschossige Arkadenflügel ein, während er sich nach Süden hin weit zur Adria öffnet. Hier fängt er die sanfte Brise des Hafens ein und schenkt dir einen herrlichen Blick aufs offene Meer.
Als unverhohlenes Vorbild dienten die Procuratie am Markusplatz in Venedig. Die Prokurative steht für den bürgerlichen Modernisierungsschub und das Wachstum Splits im 19. Jahrhundert unter österreichisch-ungarischer Herrschaft. Sie markiert den architektonischen Aufbruch aus dem engen römisch-mittelalterlichen Gefüge des Palastes hinaus in Richtung des Marjan-Hügels.
Ursprünge und Bürgermeister Antonio Bajamonti
Treibende Kraft hinter dem Platz war Dr. Antonio Bajamonti, ein einflussreicher Splitter Bürgermeister des 19. Jahrhunderts. Alles begann auf einer Brachfläche, die damals als Marmont-Wiese bekannt war, mit der Eröffnung des privat finanzierten Teatro Bajamonti im Dezember 1859. Entworfen vom venezianischen Architekten Giovanni Battista Meduna, bildete das Theater das städtebauliche Herzstück des Projekts. Bis im Mai 1882 ein verheerendes Feuer das Gebäude vernichtete. In seiner ursprünglichen Pracht wurde es nie wieder aufgebaut.
Doch der Verlust des Theaters bremste Bajamontis Vision eines klassischen, venezianisch anmutenden Stadtplatzes keineswegs. Meduna hatte auch die westlichen Kolonnaden entworfen, die zwischen 1863 und 1867 entstanden. Jahrzehnte später, im Jahr 1905, spendierte man diesem Westflügel noch Zementmaskerons und verzierte Friese.




Rundgang durch Split mit Audio und Quiz: Diokletianspalast
2 Stunden10 StationenAudioguideStarte an jedem Tag, in deinem TempoTicket auf dem Handy · 30 Tage RückerstattungArchitektur und ungleiche Flügel
Aus der Ferne wirkt die Prokurative vollkommen symmetrisch. Doch schau genauer hin: Die beiden gegenüberliegenden Flügel passen eigentlich gar nicht zusammen. Der Westflügel aus den 1860er-Jahren trumpft mit Reliefs und Fratzengesichtern, sogenannten Maskerons, unter den oberen Fenstern auf. Die östlichen Kolonnaden hingegen, die Jahrzehnte später in zwei Etappen (1909–1911 und 1927–1928) errichtet wurden, verzichten völlig auf diesen feinen Bauschmuck.
Diese Unstimmigkeit brachte eine charmante Legende hervor: Angeblich packte den venezianischen Architekten mitten in der Arbeit das Heimweh nach Venedig so heftig, dass er die Baustelle Knall auf Fall verließ und heimsegelte. Die nüchterne Wahrheit ist natürlich weit weniger romantisch: Die Unterschiede entstanden schlicht durch zeitlich versetzte Bauphasen.
Den ganzen Tag über werfen die endlosen Loggien und Steinsäulen scharfe geometrische Schatten auf das weite Pflaster, besonders stimmungsvoll im tief stehenden Licht des späten Nachmittags.
Der verlorene Bajamontuša-Brunnen
1880 ließ Bürgermeister Bajamonti an der Riva, direkt am Südzugang des Platzes, die Monumentalna Fontana errichten, im Volksmund schlicht „Bajamontuša“ genannt. Das Monument feierte die Wiederinbetriebnahme des antiken Diokletian-Aquädukts, der endlich wieder frisches Trinkwasser aus dem Fluss Jadro in die Stadt leitete.
Der Brunnen prägte das Stadtbild bis ins Jahr 1947, als die jugoslawischen Nachkriegsbehörden ihn kurzerhand mit Dynamit sprengten. Sie sahen in ihm ein ideologisches Symbol italienischer Dominanz. Auch wenn der Brunnen verloren ist: Einige gerettete Steinköpfe haben überlebt und sind heute im Stadtmuseum von Split zu sehen.
Heutige Nutzung und Festivals
Heute ist die Prokurative eine weitläufige Fußgängerzone und eine der wichtigsten Freiluftbühnen von Split. Unter den überdachten Arkaden im Erdgeschoss reihen sich Cafés und Restauranttische aneinander, darunter auch das Restaurant Bajamonti. Ein herrlicher Ort, um dem Trubel auf der Riva für einen Moment zu entkommen.
In den Sommermonaten verwandelt sich der Platz in eine große Konzertarena. Dann finden hier wichtige kulturelle Höhepunkte statt, von Aufführungen des Splitter Sommerfestivals bis zum traditionsreichen Festival zabavne glazbe Split.
FAQ
Warum sehen die beiden Flügel der Prokurative unterschiedlich aus?
Der ältere Westflügel, 1867 fertiggestellt und 1905 nochmals überarbeitet, besitzt dekorative Friese und Fratzengesichter (Maskerons) unter den oberen Fenstern. Der Ostflügel entstand erst Jahrzehnte später, zwischen 1909 und 1928, und musste ohne diesen kunstvollen Bauschmuck auskommen.
Was diente als Vorbild für den Platz der Republik in Split?
Pate standen die Procuratie am Markusplatz in Venedig. Mitentworfen hat den Platz der venezianische Architekt Giovanni Battista Meduna. Anders als sein geschlossenes venezianisches Vorbild öffnet sich die Prokurative jedoch direkt zur Adria.
Was geschah mit dem historischen Brunnen am Eingang des Platzes?
Die 1880 errichtete Monumentalna Fontana (im Volksmund „Bajamontuša“) feierte die Rückkehr des frischen Trinkwassers über Diokletians restaurierten Aquädukt. 1947 wurde sie von den jugoslawischen Behörden gesprengt. Einige erhaltene Steinköpfe des Brunnens kannst du heute im Stadtmuseum von Split sehen.