
Place d'Albertas: Der Barockplatz von Aix-en-Provence
An der Rue Espariat, gleich nördlich des Cours Mirabeau, liegt die Place d'Albertas, eines der berühmtesten Beispiele für die Stadtplanung des 18. Jahrhunderts in Aix-en-Provence. Zwischen 1742 und 1746 erbaut, bringt dieser kompakte, halb geschlossene Platz strenge barocke und Régence-Symmetrie in das dichte, verwinkelte Gassengewirr der Altstadt.
Ein adliger Logenplatz
Die Wurzeln des Platzes liegen im maßlosen Ehrgeiz der Familie d'Albertas. Die Adelsdynastie war im 14. Jahrhundert aus Alba im Piemont in die Provence eingewandert und hatte sich im provenzalischen Parlament und der Rechnungskammer ganz nach oben gearbeitet. 1724 heuerte Henri-Reynaud d'Albertas den Architekten Laurent Vallon an, um das herrschaftliche Familienpalais, das Hôtel d'Albertas in der Rue Espariat 10, umzubauen.
Zwischen 1735 und 1741 kaufte Henri-Reynaud kurzerhand einen ganzen Häuserblock aus dem Mittelalter und der Renaissance direkt gegenüber seinem Anwesen auf und ließ ihn dem Erdboden gleichmachen, nur um freie Sicht aus seinen Fenstern zu haben. Nach Henri-Reynauds Tod erkannte sein Sohn Jean-Baptiste das Potenzial dieser Schneise als architektonische Kulisse. Statt eine bloße Baulücke zu hinterlassen, beauftragte Jean-Baptiste den Architekten Georges Vallon, den Sohn von Laurent Vallon, den Platz mit drei einheitlichen Pavillons einzufassen.
Inspiriert von klassischen Pariser Königsplätzen wie der Place Vendôme oder der Place des Victoires wandelte das Projekt das royale Konzept in ein intimes, privates Ensemble um. Statt eines offenen öffentlichen Platzes mit Königsdenkmal in der Mitte entstand mit der Place d'Albertas ein prunkvoller privater Vorhof, der einzig dazu diente, den Eingang des Palais d'Albertas gebührend in Szene zu setzen. Die baugleichen Stadtpalais des Ensembles vermietete man anschließend an betuchte Bürger.
Jean-Baptiste d'Albertas brachte es später zum Ersten Präsidenten des Parlaments der Provence. Sein Leben endete jäh im Juli 1790 während des revolutionären Föderationsfests, als er auf seinem Landsitz in Gémenos ermordet wurde.
Barocke Harmonie und Calade-Pflaster
Geprägt wird der Platz von drei durchgehenden, symmetrischen Fassaden aus warmem provenzalischem Kalkstein. Mit ihren Kolossalordnungen, giebelgekrönten Fenstern und kunstvollen Schmiedeeisenbalkonen tauchen die Gebäude den Platz im Sonnenlicht der Provence in warmes Gold.
In der Platzmitte plätschert ein Brunnen auf einer traditionellen Calade, einem typischen Pflaster aus runden Flusskieseln und Kopfsteinen. Der Brunnen besteht aus einem unteren Steinbecken von 1860 oder 1862, gekrönt von einer gusseisernen Schale in Kelchform. Statt aus dem Atelier eines königlichen Hofbildhauers stammt diese Schale aus den Händen von Lehrlingen. Sie wurde 1912 von Schülern des Campus Aix-en-Provence der École Nationale Supérieure d'Arts et Métiers gegossen.
Akustik und unterirdische Geheimnisse
Neben der optischen Symmetrie wirkt das dreiseitig geschlossene Ensemble wie ein Resonanzkörper im Stil eines Amphitheaters. Die Kalksteinwände schirmen den Straßenlärm der nahen Einkaufsstraßen ab, fangen das Plätschern des Brunnens ein und verstärken es, ein Magnet für Straßenmusiker und Akustik-Acts.
Den historischen Wert des Ensembles erkannten die Denkmalschützer schon früh. Fassade und Dach des Hôtel d'Albertas wurden bereits 1926 unter Schutz gestellt, der gesamte Platz samt Fassaden, Dächern, Brunnen und Pflasterung folgte am 21. Juli 2000 als vollwertiges Denkmal.
2023 startete die Stadt eine umfassende Restaurierungskampagne, um die historische Bausubstanz zu sichern, die Brunnenschale von 1912 auf ein geschlossenes Kreislaufsystem umzustellen und das historische Calade-Pflaster wiederherzustellen. Bei den archäologischen Grabungen und Tiefbauarbeiten in den Jahren 2023 und 2024 stießen die Arbeiter unter dem Pflaster auf intakte Gewölbekeller. Es waren die unterirdischen Überreste jener Häuser, die in den 1730er-Jahren weichen mussten, um dem Marquis seine grandiose Aussicht zu bescheren.
FAQ
Wer hat die Place d'Albertas entworfen und erbaut?
Die Place d'Albertas wurde von Jean-Baptiste d'Albertas in Auftrag gegeben und zwischen 1742 und 1746 vom Architekten Georges Vallon entworfen. Damit führten beide ein städtebauliches Projekt fort, das ihre Väter, Henri-Reynaud d'Albertas und der Architekt Laurent Vallon, begonnen hatten.
Was ist das Besondere am Brunnen in der Platzmitte?
Der Brunnen besteht aus einem Steinbecken von 1860 oder 1862 und einer kunstvollen gusseisernen Schale, die 1912 von angehenden Ingenieuren der örtlichen École Nationale Supérieure d'Arts et Métiers gegossen wurde.
Was wurde bei den jüngsten Restaurierungsarbeiten unter der Place d'Albertas entdeckt?
Bei den städtischen und archäologischen Restaurierungsarbeiten am Pflaster zwischen 2023 und 2024 stießen Arbeiter auf intakte Gewölbekeller. Sie gehörten zu den Häusern aus dem Mittelalter und der Renaissance, die in den 1730er-Jahren abgerissen worden waren, um Platz für das Ensemble zu schaffen.




