
St. Peter und Turm: Münchens älteste Pfarrei
Ursprünge auf dem Petersbergl
St. Peter, von den Münchnern liebevoll Alter Peter genannt, ist die älteste urkundlich erwähnte römisch-katholische Pfarrkirche der Stadt. Auf dem Petersbergl thronend, einer natürlichen Moräne südöstlich des Marienplatzes, markiert sie das historische Herz der bayerischen Landeshauptstadt. Die Legende besagte lange, Benediktinermönche aus dem Kloster Tegernsee hätten hier schon im 8. Jahrhundert eine Siedlung gegründet. Doch archäologische Grabungen unter der Kirche räumten mit dem Mythos auf. Zum Vorschein kam stattdessen ein Steinbau samt Zollstation aus dem frühen 12. Jahrhundert.
Als Herzog Heinrich der Löwe den regionalen Salzhandel über die Isar umleitete und damit den Augsburger Schied von 1158 heraufbeschwor, war St. Peter die einzige Pfarrkirche der noch jungen Marktsiedlung. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Gotteshaus 1225/1226 anlässlich eines Pastoralbesuchs von Herzog Ludwig I. als ecclesia sancti Petri Muonichen.
Jahrhunderte architektonischen Wandels
Bevor hier ein gotischer Neubau entstand und 1294 geweiht wurde, stand an dieser Stelle eine romanische Kirche des späten 12. Jahrhunderts. Doch das Unglück ließ nicht lange auf sich warten: Beim verheerenden Münchner Stadtbrand vom 14. Februar 1327 wurde St. Peter schwer beschädigt. Kaiser Ludwig der Bayer ließ die Kirche daraufhin grundlegend neu errichten. 1368 wurde sie als dreischiffige gotische Hallenkirche mit von Patriziern gestifteten Seitenkapellen neu geweiht.
Im frühen 17. Jahrhundert wichen die gotischen Zwillingsspitzen von St. Peter einem einzelnen Mittelturm mit Renaissance-Laterne. Im 18. Jahrhundert folgte eine dramatische Umgestaltung im Stil des Barock und Rokoko, gekrönt von monumentalen Deckenfresken, die Johann Baptist Zimmermann zwischen 1753 und 1756 schuf. Den Hochaltar entwarf zwischen 1730 und 1734 ein Künstlerteam um Nikolaus Gottfried Stuber, Johann Georg Greiff und Egid Quirin Asam.
Die alliierten Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg legten das Gotteshaus fast völlig in Trümmer. Nur knapp dem endgültigen Abriss entgangen, wurde die Kirche zwischen 1946 und 1954 schrittweise wiederaufgebaut. Die akribische Restaurierung des Innenraums zog sich noch bis ins Jahr 2000 hin.
Der 91 Meter hohe Turm
Mit seinen 91 Metern prägt der Turm von St. Peter die Silhouette der Altstadt bis heute. Auf 56 Metern Höhe liegt eine Aussichtsplattform im Freien, die du über 306 Holz- und Steinstufen erreichst, vorbei an den historischen Glockenstühlen. Oben auf der schmalen Galerie eröffnet sich dir ein 360-Grad-Panorama über Münchens rote Ziegeldächer bis hin zu den bayerischen Alpen. An der Spitze des Turmhelms trotzt ein fast vier Meter hohes Wetterkreuz den heftigen Alpenwinden: Es wurde bewusst quer zur vorherrschenden Westwindrichtung montiert.
Bis heute ist St. Peter eine aktive Pfarrkirche der Erzdiözese München und Freising. Neben neugierigen Besuchern füllen tägliche Gottesdienste, Beichten und Chorkonzerte das Gotteshaus mit Leben.
Reliquien und Kuriositäten
Hinter den Kirchenmauern verbergen sich einige historische Kuriositäten aus verschiedenen Epochen der Münchner Stadtgeschichte:
- Die Papsttiara des heiligen Petrus: Auf dem Hochaltar thront eine spätgotische Holzfigur des heiligen Petrus, geschnitzt um 1492 von Erasmus Grasser. Die Statue trägt eine vergoldete Papsttiara, die beim Tod des amtierenden Papstes abgenommen wird und während der gesamten Sedisvakanz unberührt bleibt, bis ein Nachfolger gewählt ist.
- Heilige Munditia: In einem verglasten Seitenaltar ruht das mit Juwelen und Gold verzierte Skelett der heiligen Munditia, einer Katakombenheiligen aus Rom, die 1675 nach München überführt wurde. In ihrer Hand hält sie ein kleines Glasfläschchen, das getrocknetes Märtyrerblut enthalten soll. Sie gilt als Schutzpatronin der unverheirateten Frauen.
- Die Arme-Sünder-Glocke: Diese kurz nach dem Brand von 1327 gegossene Glocke hängt im Turmfuß hinter einem vergitterten Außenfenster. Früher wurde sie geläutet, wenn auf dem benachbarten Marktplatz Hinrichtungen vollstreckt wurden.
- Kanonenkugel von 1796: In der äußeren Fensterbank der Chorapsis steckt eine eiserne Kanonenkugel, die österreichische Truppen im Ersten Koalitionskrieg vom Gasteig aus abfeuerten. Sie schlug mitten im Gottesdienst in die Kirche ein, forderte glücklicherweise keine Opfer und wurde später fest ins Mauerwerk einzementiert.
FAQ
Wie viele Stufen führen zur Aussichtsplattform des Turms von St. Peter?
Auf die offene Aussichtsplattform in 56 Metern Höhe gelangst du über 306 Holz- und Steinstufen durch das Innere des Turms.
Warum wird der Statue des heiligen Petrus die Tiara abgenommen?
Der Tradition nach wird der 1492 von Erasmus Grasser geschnitzten Petrusfigur auf dem Hochaltar beim Tod des amtierenden Papstes die vergoldete Tiara abgenommen. Während der Sedisvakanz bleibt sie ab, bis ein neuer Papst gewählt ist.
Was hat es mit der Arme-Sünder-Glocke von St. Peter auf sich?
Die Arme-Sünder-Glocke, gegossen nach dem Brand von 1327, hängt hinter einem vergitterten Fenster im Turmfuß und wurde früher geläutet, wenn auf dem Marienplatz Hinrichtungen stattfanden.




