
Dom St. Stephan: Passaus barockes Meisterwerk
Ein verheerender Brand im 17. Jahrhundert hinterließ auf der Anhöhe der Passauer Altstadthalbinsel nur ein gotisches Gerippe. Italienische Meister machten aus diesen Überresten den Dom St. Stephan, ein Monumentalbauwerk, das heute die Silhouette dort dominiert, wo Donau, Inn und Ilz zusammenfließen. Direkt an der fürstbischöflichen Residenz schlägt der Dom die Brücke zwischen dem historischen Machtzentrum und den geschäftigen Ufergassen, bis heute der Sitz des katholischen Bischofs von Passau.
Wiederaufbau im Hochbarock
Bischofskirchen standen hier schon um 720 bis 730 nach Christus. In den Jahren 1280 und 1407 folgten romanische und gotische Erweiterungen. Doch 1662 legte ein katastrophaler Stadtbrand die gotische Kathedrale in Schutt und Asche, nur der Ostchor und die Vierung überstanden die Flammen halbwegs unbeschadet. Statt die Ruine komplett abzureißen, beauftragten die Fürstbischöfe den italienischen Architekten Carlo Lurago damit, zwischen 1668 und 1693 ein hochbarockes Langhaus über den gotischen Grundmauern zu errichten.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Üppige Stuckarbeiten von Giovanni Battista Carlone treffen auf Deckenfresken von Carpoforo Tencalla. Mit rund 100 Metern Länge gilt das Gotteshaus als größter barocker Kircheninnenraum nördlich der Alpen. Außen bestimmen zwei rund 68 Meter hohe Türme mit ihren markanten achteckigen Hauben das Bild, die allerdings erst im späten 19. Jahrhundert vollendet wurden.
Die gigantische Domorgel
Im Dom St. Stephan erklingt eine der größten Pfeifenorgeln Europas. Das gewaltige Instrument verfügt über 17.974 Pfeifen, 233 Register und fünf eigenständige Teilorgeln. Bei den regelmäßigen Orgelkonzerten bricht sich der Klang an den Deckenwölbungen und flutet das hohe Langhaus aus allen Richtungen, ein akustisches Raumerlebnis der ganz besonderen Art.
Eine dieser fünf Teilorgeln, die sogenannte Fernorgel, versteckt sich komplett im Dachboden. Ihre Töne dringen ausschließlich durch eine einzige Deckenöffnung, das Heiliggeist-Loch, hinab in den Kirchenraum.
Versteckte Kuriositäten und lebendiges Erbe
Trotz der überwältigenden Barockpracht im Inneren zeigt die Fassade des Doms ein faszinierendes architektonisches Doppelgesicht. Vom benachbarten Residenzplatz aus siehst du, wie sich gotische Strebepfeiler und das spätgotische Stephanstürmchen nahtlos an das barocke Langhaus schmiegen.
Heute ist der Dom St. Stephan ein lebendiger Ort des Glaubens mit regelmäßigen Gottesdiensten und feierlichen Zeremonien. Zugleich zieht er Kulturbegeisterte aus aller Welt an. Während der beliebten Orgelkonzerte sind Besichtigungen vorübergehend eingeschränkt. Auch das traditionelle Steinmetzhandwerk ist hier quicklebendig: Die eigene Dombauhütte kümmert sich unermüdlich um den Erhalt der Substanz. 2020 wurde diese jahrhundertealte Handwerkstradition offiziell zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe ernannt.
FAQ
Wer hat den Dom St. Stephan in Passau entworfen?
Das hochbarocke Langhaus wurde zwischen 1668 und 1693 vom italienischen Architekten Carlo Lurago entworfen. Der Innenraum besticht durch prachtvolle Stuckaturen von Giovanni Battista Carlone und Deckenfresken von Carpoforo Tencalla.
Wie viele Pfeifen hat die Orgel im Passauer Dom?
Die Passauer Domorgel verfügt über 17.974 Pfeifen, 233 Register und fünf eigenständige Teilorgeln. Damit zählt sie zu den größten Pfeifenorgeln Europas.
Dürfen Touristen den Dom St. Stephan während der Konzerte besichtigen?
Während der regelmäßigen Orgelkonzerte im Dom sind touristische Besichtigungen vorübergehend nicht möglich.



