Fachwerkmuseum Quedlinburg: Mittelalterliche Holzbaukunst - Quedlinburg
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Fachwerkmuseum Quedlinburg: Mittelalterliche Holzbaukunst

Quedlinburg, Germany

Das ultimative Architektur-Exponat

Das Fachwerkmuseum in Quedlinburg lässt dich tief in das mittelalterliche Zimmerhandwerk eintauchen, wobei das wichtigste Ausstellungsstück das Gebäude selbst ist. Um 1346 erbaut, zeigt das Haus in der Wordgasse 3 die älteste erhaltene Form regionaler Holzbaukunst. Anders als die stockwerkweise gezimmerten Bauten der späteren Renaissance und des Barock basiert dieses mittelalterliche Stadthaus auf einer viel älteren Technik: dem Hochständerbau.

Historische Baumeister nannten diese Ständerbauweise oft „Schwankhaus“. Durch die bauliche Flexibilität konnte das Holzgerüst Wind und Erschütterungen abfedern, ohne dass es zu Rissen kam, wie sie bei starrem Mauerwerk typisch sind.

Mittelalterliche Handwerkskunst ganz ohne Nägel

Die Bauweise zeugt von außergewöhnlicher Handwerkskunst des 14. Jahrhunderts. Durchgehende, sechs Meter lange Holzständer reichen ohne Unterbrechung vom Steinsockel bis zur Dachtraufe. Das gesamte Tragwerk wurde komplett ohne Nägel aus Metall errichtet. Stattdessen sind die Deckenbalken direkt durch die vertikalen Ständer geführt und mit Zapfenverbindungen sowie Holznägeln sicher verankert.

Die Gefache zwischen den Ständern bestehen aus klassischem Flechtwerk: mit Weidenruten umflochtene Stakhölzer, verputzt mit Strohlehm und geweißt mit Kalk. Bis heute sind rund 65 Prozent des ursprünglichen mittelalterlichen Nadelholzgerüsts vollständig erhalten.

Jahrhunderte des Wohnens

Ursprünglich als Wohnhaus erbaut, bietet das Gebäude rund 48 Quadratmeter Fläche auf zwei Etagen. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde es an veränderte Wohnansprüche angepasst und bemerkenswerterweise noch bis 1965 privat bewohnt. Nach jahrelangem Verfall restaurierte die städtische Denkmalpflege das Bauwerk zwischen 1966 und 1969 umfassend.

Im Inneren ist das intime spätmittelalterliche Raumgefühl erhalten geblieben. Das Obergeschoss besticht durch niedrige Decken von gerade einmal gut zwei Metern, sichtbaren Lehmputz und enge Kammern, die historische Wohnverhältnisse greifbar machen. Wegen der steilen Treppen und beengten Räume ist das Gebäude nicht rollstuhlgerecht.

Quedlinburgs Fachwerkerbe

Das Museum öffnet saisonal von April bis Oktober und zeigt historische Zimmermannswerkzeuge, Modelle von Holzverbindungen und Dokumentationen zur regionalen Denkmalpflege. Es liegt im Herzen von Quedlinburg, einer Stadt mit über 2.000 Fachwerkhäusern, die 1994 zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde.

Auch wenn die Wordgasse 3 oft als ältestes freistehendes Fachwerkhaus Quedlinburgs bezeichnet wird, hat die Dendrochronologie im Stadtgebiet noch ältere Hölzer nachgewiesen, etwa ein Obergeschoss von 1301 im nahen Höllenhof. Dennoch bleibt das Fachwerkmuseum ein unverzichtbares Denkmal, um Europas mittelalterliche Baugeschichte zu verstehen.

FAQ

Wann wurde das Fachwerkmuseum in Quedlinburg erbaut?

Dendrochronologische Untersuchungen datieren den Bau des Hauses in der Wordgasse 3 auf die Zeit um 1346. Damit ist es ein außergewöhnliches, erhaltenes Zeugnis der Ständerbauweise des 14. Jahrhunderts.

Mit welchen Bautechniken wurde das Haus errichtet?

Das Haus basiert auf durchgehenden Holzständern, die vom Sockel bis zum Dach reichen. Die Konstruktion hält vollkommen ohne Metallnägel und setzt ganz auf traditionelle Zapfenverbindungen und Holznägel.

Ist das Fachwerkmuseum rollstuhlgerecht?

Nein, das Museum ist aufgrund seiner authentischen historischen Bausubstanz nicht rollstuhlgerecht. Dazu gehören steile Treppen, enge Räume und niedrige Decken mit einer Höhe von gerade einmal gut zwei Metern.

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