Stiftskirche St. Servatius: Quedlinburgs königliche Kirche - Quedlinburg
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Stiftskirche St. Servatius: Quedlinburgs königliche Kirche

Quedlinburg, Germany

Hoch über einem Meer aus roten Ziegeldächern thront die Stiftskirche St. Servatius als optischer und historischer Ankerpunkt von Quedlinburg. Vom Schlossberg aus überblickt der wuchtige romanische Bau die Stadt und birgt in seinen Mauern neun Jahrhunderte weiblicher Herrschaft, ein leeres Königsgrab und die Spuren eines dreisten Kunstraubs.

Ein Meisterwerk der Hochromanik

Prominent auf dem sandsteinernen Schlossberg gelegen, gilt die Stiftskirche St. Servatius als herausragendes Meisterwerk der Hochromanik. Der heutige Bau entstand im Wesentlichen zwischen 1070 und 1129 als Ersatz für frühere ottonische Bauten, die einem Brand zum Opfer gefallen waren. Die Kirche folgt dem klassischen basilikalen Grundriss mit einer flachen Holzdecke über dem Hauptschiff und kunstvoll behauenen Kapitellen. Die markanten neoromanischen Westtürme kamen erst bei Restaurierungen im 19. Jahrhundert hinzu. Heute ist sie ein zentraler Bestandteil des UNESCO-Welterbes Quedlinburg, das 1994 anerkannt wurde.

Neun Jahrhunderte weibliche Herrschaft

Im frühen 10. Jahrhundert ließ König Heinrich I. auf dem Schlossberg eine befestigte Pfalz nebst Kapelle errichten. Nach seinem Tod im Jahr 936 gründete seine Witwe, Königin Mathilde, an diesem Ort ein kaiserliches Damenstift. Fast 900 Jahre lang genossen die Äbtissinnen des Stifts Reichsunmittelbarkeit, wodurch sie die Stadt und ihre weitläufigen Ländereien völlig unabhängig und unter dem direkten Schutz des Kaisers regierten. Diese bemerkenswerte Ära weiblicher Regentschaft endete erst mit der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Die Krypta und das leere Königsgrab

Unter dem Kirchenschiff liegt die schummrige Krypta, deren Gewölbe stimmungsvoll ausgeleuchtet sind und uralte, mit geometrischen Mustern und Tiermotiven verzierte Steinmetzarbeiten zur Geltung bringen. Hier ruhen unter Grabplatten zahlreiche adelige Äbtissinnen sowie im intakten Steinsarkophag die 968 verstorbene Königin Mathilde. Doch moderne Ausgrabungen brachten ein echtes historisches Rätsel ans Licht: Die benachbarte Grabkammer von König Heinrich I. war vollkommen leer, was bis heute Spekulationen über den tatsächlichen Verbleib seiner Gebeine anheizt.

Der Domschatz und der texanische Kunstraub

In den historischen Nebenräumen und der Krypta beherbergt die Kirche die weltberühmte Ausstellung des Quedlinburger Domschatzes. Hier liegen unbezahlbare Schätze des Mittelalters, darunter ein geknüpfter Wollteppich aus der Zeit um 1200, der als ältester erhaltener Knüpfteppich der europäischen Geschichte gilt. Ebenfalls zu sehen ist ein spätantikes Alabastergefäß, das die mittelalterliche Legende kurzerhand zu einem der Krüge erklärte, aus denen Jesus bei der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein verwandelt haben soll.

Der Domschatz wurde allerdings auch Schauplatz eines berüchtigten Nachkriegskrimis: 1945 entwendete der US-Soldat Joe Tom Meador mehrere unschätzbar wertvolle Stücke, darunter das Samuhel-Evangeliar aus dem 9. Jahrhundert, und schickte sie schlicht per Feldpost nach Texas. Jahrzehntelang blieben die Beutestücke verschollen, bis sie schließlich aufgespürt und Anfang der 1990er-Jahre feierlich nach Quedlinburg zurückgebracht wurden.

Ein düsteres Kapitel im 20. Jahrhundert

In der NS-Zeit wurde das Gotteshaus drastisch vereinnahmt. Zwischen 1936 und 1945 rissen Heinrich Himmler und die SS das Gebäude an sich, entfernten alle christlichen Symbole und versuchten, den geschichtsträchtigen Ort in eine nationalsozialistische Weihestätte für König Heinrich I. umzuwandeln. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrten das normale Gemeindeleben und der christliche Gottesdienst zurück.

Die Stiftskirche heute

Heute ist die Stiftskirche St. Servatius Denkmal und zugleich lebendige evangelische Pfarrkirche mit regelmäßigen Gottesdiensten. Dank ihrer herausragenden Akustik dient sie zudem als Hauptspielstätte für den jährlichen Quedlinburger Musiksommer, sodass diese uralten Mauern auch weiterhin voller Leben erklingen.

FAQ

Wer liegt in der Krypta der Stiftskirche St. Servatius begraben?

In der Krypta befinden sich der intakte Steinsarkophag von Königin Mathilde (gest. 968) sowie die Grabplatten zahlreicher adeliger Äbtissinnen. Obwohl König Heinrich I. ursprünglich dort beigesetzt wurde, brachten moderne Ausgrabungen ans Licht, dass seine angrenzende Grabkammer vollkommen leer ist.

Welche Schätze birgt der Quedlinburger Domschatz?

Der Domschatz beherbergt unbezahlbare mittelalterliche Stücke, darunter einen geknüpften Wollteppich aus der Zeit um 1200, der als ältester Knüpfteppich Europas gilt, das Samuhel-Evangeliar aus dem 9. Jahrhundert sowie ein Alabastergefäß, das laut Legende ein Wasserkrug von der biblischen Hochzeit zu Kana sein soll.

Was geschah mit der Kirche während der NS-Zeit?

Von 1936 bis 1945 übernahmen Heinrich Himmler und die SS die Kirche. Sie entfernten die christlichen Symbole und wandelten das Bauwerk vorübergehend in eine nationalsozialistische Weihestätte für König Heinrich I. um, bis nach dem Zweiten Weltkrieg wieder christliche Gottesdienste gefeiert werden konnten.

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