St.-Nikolai-Kirche: Quedlinburgs höchstes Wahrzeichen - Quedlinburg
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St.-Nikolai-Kirche: Quedlinburgs höchstes Wahrzeichen

Quedlinburg, Germany

Ein Wahrzeichen der Neustadt

Die beiden Türme und die markante gotische Fassade der St.-Nikolai-Kirche prägen den Neustädter Kirchhof. Mit stolzen 72 Metern Höhe ist sie das höchste und größte Gotteshaus Quedlinburgs. Ein eindrucksvolles architektonisches Gegengewicht zur Marktkirche St. Benedikti in der Altstadt und der Stiftskirche auf dem Schlossberg.

Baugeschichte im Wandel

Um 1200 als romanische Basilika begonnen und 1222 erstmals urkundlich erwähnt, wuchs der Bau im 14. und 15. Jahrhundert zu einer gotischen dreischiffigen Hallenkirche heran. Bis heute hat sie sich ihre frühgotische Westfassade bewahrt. Historische Aufzeichnungen verraten ein bauliches Meisterstück: Das wuchtige Mauerwerk ruht auf einem ausgeklügelten Fundament aus Holzpfählen und Erlenholzblöcken, die tief in den morastigen Untergrund gerammt wurden.

Über die Jahrhunderte trotzte die Kirche mancher Katastrophe. Schwere Schäden nach dem Orkan Quimburga 1972 brachten sie ins Wanken, 1996 folgte ein Schwelbrand und 2013 Risse in den Gewölberippen. Erst eine umfassende statische Sanierung zwischen 2019 und 2021 brachte den Bau wieder dauerhaft ins Lot.

Berühmte Persönlichkeiten und Geschichte

St. Nikolai entstand im 13. Jahrhundert für die wachsende Kaufmanns- und Handwerkersiedlung der Neustadt. 1540 wurde die Kirche evangelisch, nachdem Äbtissin Anna II. von Stolberg die Reformation eingeführt hatte.

Gleich mehrere bekannte Persönlichkeiten prägten die Gemeinde. Der Theologe Johann Arndt wirkte hier von 1590 bis 1599 als Pfarrer. Später, zwischen 1737 und 1759, übernahm Johann Christian Erxleben das Pfarramt. Seine Ehefrau Dorothea Christiane Erxleben schrieb 1754 Geschichte: Sie promovierte als erste Frau in Deutschland in der Medizin.

Schätze und Legenden

Im lichtdurchfluteten, hoch aufragenden Innenraum fallen sofort der prachtvolle Barockaltar von Jobst Heinrich Lessen aus dem Jahr 1712 und die Kanzel von 1731 ins Auge. Im Südturm hängt zudem Quedlinburgs älteste Glocke von 1333, verziert mit seltenen, fein in das Metall geritzten mittelalterlichen Figurenzeichnungen.

Außen am Nordturm fällt ein asymmetrischer kleiner Barockaufbau auf: das Saigertürmchen, in dem das Schlagwerk der Turmuhr untergebracht ist.

Auch um Sagen ist das Gemäuer nicht verlegen. Der Legende nach finanzierte ein einfacher Schäfer den mittelalterlichen Bau, nachdem er einen Goldschatz gefunden hatte. Hoch oben an der Außenwand des Turms erinnert eine barocke Steinfigur des Schäfers samt Hund an diese Erzählung.

Die Gemeinde heute

Heute ist St. Nikolai eine lebendige Pfarrkirche der Evangelischen Kirchengemeinde Quedlinburg. Als einziges Gotteshaus der Stadt besitzt sie eine Heizung, sodass hier das ganze Jahr über Gottesdienste stattfinden können. Die Kirche steht Besuchern offen und bietet zudem eine stimmungsvolle Kulisse für den jährlichen Quedlinburger Musiksommer.

FAQ

Warum steht an der St.-Nikolai-Kirche die Statue eines Schäfers?

Einer Sage nach fand ein einfacher Schäfer einen vergrabenen Goldschatz und finanzierte damit den Bau der mittelalterlichen Kirche. Als Erinnerung an diese Geschichte wacht hoch oben an der Turmfassade eine barocke Steinfigur des Schäfers mit seinem Hund.

Was ist das Saigertürmchen?

Das Saigertürmchen ist ein kleiner, asymmetrischer Barockaufbau an der Haube des Nordturms. Es wurde eigens gebaut, um das Schlagwerk der Turmuhr aufzunehmen.

Wer war Dorothea Christiane Erxleben?

Sie war die Ehefrau von Johann Christian Erxleben, der von 1737 bis 1759 Pfarrer an St. Nikolai war. Berühmtheit erlangte sie, weil sie 1754 als erste Frau in Deutschland den Doktortitel in der Medizin erwarb.

Finden in der St.-Nikolai-Kirche noch regelmäßige Gottesdienste statt?

Ja, sie ist eine aktive Pfarrkirche der Evangelischen Kirchengemeinde Quedlinburg. Als einzige Kirche der Stadt verfügt sie über eine Heizung, wodurch hier das ganze Jahr über problemlos Gottesdienste gefeiert werden können.

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