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Schifffahrtsmuseum Santorin: Geschichte und Ausstellungen

Oia, Greece

Oias Ruhm beruht vor allem auf den schneeweißen Höhlenhäusern an den Klippen, doch das Schifffahrtsmuseum Santorin (Ναυτικό Μουσείο Σαντορίνης) rückt jene wohlhabenden Kapitäne ins Licht, die die Siedlung einst finanzierten. Mitten im Dorf Oia zeichnet das Museum die bedeutende Seefahrtsgeschichte der Kykladen nach.

In einem neoklassizistischen Kapitänshaus

Die Sammlung befindet sich im Birbilis-Herrenhaus, einer zweistöckigen, neoklassizistischen Kapitänsresidenz aus dem 19. Jahrhundert. Das Gebäude macht die historische Klassengesellschaft von Oia mit Händen greifbar: Wohlhabende Reeder und Kapitäne bauten prachtvolle, freistehende Anwesen oben auf dem Bergkamm, während die einfachen Seeleute und Mannschaften in den Höhlenwohnungen hausten, die direkt unter ihnen in die Klippen der Caldera geschlagen waren.

Das Innere des Museums bildet einen spürbaren Kontrast zu den sonnendurchfluteten weißen Marmorgassen draußen. Kühle Räume mit hohen Decken, polierten Holzböden und dickem Natursteinmauerwerk schaffen eine andächtige Stille für die maritimen Exponate.

Das Erbe der kykladischen Seefahrt

Bevor Oia zur weltweiten Touristenikone wurde, lag hier im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert eine der bedeutendsten Handelsflotten Griechenlands vor Anker. Die Schiffe aus Santorin kreuzten durch das gesamte östliche Mittelmeer und das Schwarze Meer und verbanden Häfen von Alexandria bis nach Odessa und Südrussland.

Diese Handelsschiffe transportierten die lebenswichtigen Exportgüter der Region. Allen voran den Vinsanto, Santorins süßen Vulkanwein, der in großen Mengen ins Russische Kaiserreich verschifft wurde, wo er als Messwein für die orthodoxe Kommunion diente. Zudem transportierten die Flotten Santorinerde, ein vulkanisches Gesteinsmehl, das als hydraulischer Mörtel geschätzt wurde. Die Kapitäne brachten Tausende Tonnen dieser heimischen Vulkanerde nach Ägypten, wo sie den wasserfesten Puzzolanzement lieferte, der für die Befestigung der Ufer und Docks des Suezkanals unverzichtbar war.

Artefakte und verborgene Kuriositäten

In den Glasvitrinen des Museums finden sich nautische Instrumente aus dem 19. und 20. Jahrhundert, darunter Sextanten, Kompasse und Loggen zur Geschwindigkeitsmessung. Die Sammlung zeigt glänzende Navigationsinstrumente aus Messing, Seekisten aus dunklem Holz, bemalte Galionsfiguren und filigrane Schiffsmodelle historischer Segler.

Das Archiv des Museums birgt seltene historische Dokumente, von offiziellen Logbüchern und Frachtverträgen bis hin zu Mitgiftverträgen für Seeleute. Ein weiteres überraschendes Detail aus den Archiven betrifft Santorins berühmte Kirschtomate, die traditionell ohne Bewässerung auskommt. Ursprünglich brachten Kapitäne aus Oia die Tomatenpflanze aus Ägypten mit auf die Insel. In der Vulkanasche fand sie ideale Bedingungen, gedieh prächtig und begründete von Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts eine florierende lokale Konservenindustrie für Tomatenmark.

Entstehung und Restaurierung

Die Sammlung geht auf den Privatbesitz von Kapitän Antonios D. Dakoronias im Jahr 1951 zurück und wurde 1956 offiziell als Museum gegründet. Nach dem verheerenden Erdbeben von 1956 musste der frühe Museumsbetrieb vorerst eingestellt werden. Über Jahrzehnte hinweg retteten und bewahrten Kapitän Dakoronias und einheimische Reeder unzählige Artefakte.

1988 vermachte Dina A. Manolessou-Birbili der Stiftung das Birbilis-Herrenhaus. Mit Unterstützung der Reeder Nikolaos und Dimitrios L. Nomikos aufwendig restauriert, öffnete es 1992 offiziell für die Öffentlichkeit. Nach einer umfassenden Modernisierung des Gebäudes und der Ausstellung empfängt das Museum seit 2022 seine Gäste mit zeitgemäßer Beleuchtung und frischem Konzept.

Praktische Hinweise für deinen Besuch

Das Schifffahrtsmuseum Santorin ist saisonal geöffnet. Der Eintritt ist regulär kostenpflichtig, für Studierende gibt es Ermäßigungen. Die Öffnungszeiten sind geteilt von 10:00 bis 14:00 Uhr sowie von 17:00 bis 20:00 Uhr. Dienstags bleibt das Museum geschlossen.

FAQ

Wo befindet sich das Schifffahrtsmuseum Santorin?

Das Museum liegt in Oia und ist im neoklassizistischen Birbilis-Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert untergebracht, das ursprünglich der Wohnsitz eines Kapitäns war.

Welche Exponate gibt es im Museum zu sehen?

Zu den Exponaten gehören geschnitzte Galionsfiguren aus Holz, maßstabsgetreue Schiffsmodelle, nautische Instrumente wie Sextanten und Kompasse, Seekisten, Marineuniformen und seltene Archivdokumente wie historische Mitgiftverträge von Seeleuten.

Wie sind die Öffnungszeiten des Schifffahrtsmuseums Santorin?

Das Museum ist saisonal geöffnet und hat geteilte Öffnungszeiten von 10:00 bis 14:00 Uhr sowie von 17:00 bis 20:00 Uhr. Dienstags ist Ruhetag.

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