Windmühlen von Oia: Santorinis historische Caldera-Türme
Historische Wächter über der Caldera
Auf dem nordwestlichen Felsvorsprung von Oia, hoch über der Bucht von Ammoudi, thronen zwei weiß getünchte Zylindertürme. Sie erinnern unübersehbar an Santorinis vorindustrielle Tage, als sie noch Teil eines Netzes aus etwa 60 bis 70 Windmühlen waren, die sich über die gesamte Insel verteilten.
Du findest die Windmühlen am westlichen Ende von Oias Flaniermeile Nikolaou Nomikou, gleich hinter dem Kirchplatz der Panagia Platsani, den herrschaftlichen Kapitänshäusern und den Ruinen der byzantinischen Burg Agios Nikolaos.
Kykladische Ingenieurskunst und Segelmechanik
Die beiden Bauten verkörpern den klassischen kykladischen Typus der Xetrocharis-Turmmühle. Gemauert aus lokalem Vulkangestein und Kalkmörtel, sitzt auf jedem Turm eine kegelförmige Holzhaube. Im Inneren trieb ursprünglich eine horizontale Welle das Mahlwerk an, verbunden mit 8 bis 12 sternförmig angeordneten Holzholmen.
Statt starrer Flügel kamen hier dreieckige Segeltücher zum Einsatz, die an den Holzsprossen aufgespannt waren. Die Müller rafften oder setzten das Tuch von Hand, um das Drehtempo zu steuern und das empfindliche Holzgetriebe vor tückischen Böen zu schützen. Wenn der Meltemi mit voller Wucht blies, wurden die Segel eng gerefft; bei sanfter Brise spannte man sie voll aus. Noch heute pfeift der ungebremste Ägäiswind durch die freiliegenden Holzholme der Türme.
Landwirtschaft und Schiffsproviant
Erbaut zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert, in der späten venezianischen und osmanischen Epoche, waren die Mühlen unverzichtbare Wirtschaftszentren für Santorini. Oft von Klöstern, wohlhabenden Großgrundbesitzern oder Kapitänsdynastien in Auftrag gegeben, wurden die Anlagen an professionelle Müller verpachtet. Die arbeiteten, wann immer der Wind blies.
Gemahlen wurden Grundnahrungsmittel wie Weizen und Gerste, aber auch Lathyrus clymenum, die einheimische gelbe Platterbse (besser bekannt als Fava von Santorini), die auf dem trockenen Vulkanboden perfekt gedeiht. Ein Großteil des Mehls wanderte direkt in den Ofen und wurde zu Paximadia gebacken, jenem steinharten, doppelt gebackenen Schiffszwieback, der die Besatzungen der Handelsschiffe monatelang ernährte. Da das Mahlen vollkommen vom Wetter abhing, harrten die Bauern oft tagelang mit ihren Kornsäcken aus. So wurden die Mühlenterrassen zu lebendigen Treffpunkten, auf denen man den neuesten Klatsch austauschte und über das Seewetter fachsimpelte.
Erdbeben, Verfall und neues Leben
Mit dem Aufkommen motorisierter Mühlen im frühen 20. Jahrhundert wurden die Windmühlen nach und nach überflüssig. Das endgültige Aus kam am 9. Juli 1956: Ein verheerendes Erdbeben zerstörte die Infrastruktur der Insel und führte dazu, dass viele Menschen Oia verließen.
Als die Insel später wieder auflebte, wurden auch die steinernen Türme gesichert und neu genutzt. Heute beherbergen ihre Innenräume private Residenzen und luxuriöse Boutique-Suiten, während die offene Terrasse an ihrem Fuß als beliebter Aussichtspunkt hoch über der Caldera dient.
FAQ
Welche Art von Windmühlen steht in Oia?
Es handelt sich um zylindrische Turmmühlen des kykladischen Xetrocharis-Typs, erbaut aus lokalem Vulkangestein, Kalkmörtel und gekrönt von kegelförmigen Holzhauben.
Was wurde in den Windmühlen ursprünglich gemahlen?
Sie mahlten Weizen, Gerste und eine einheimische gelbe Platterbse, bekannt als Fava (Lathyrus clymenum), aus denen Mehl und lange haltbarer Schiffszwieback hergestellt wurden.
Wie regulierten die Müller das Drehtempo der Segel?
Die Müller spannten dreieckige Segeltücher über 8 bis 12 Holzholme und refften oder setzten sie von Hand, um bei starkem Wind das empfindliche Holzgetriebe im Inneren zu schützen.
Warum stellten die Windmühlen ihren Betrieb ein?
Motorbetriebene Mühlen machten sie im frühen 20. Jahrhundert nach und nach überflüssig, und nach dem schweren Erdbeben vom 9. Juli 1956 wurde der Mahlbetrieb endgültig eingestellt.
