
Chiesa di San Francesco in Ascoli Piceno
Romanisch-gotische Fundamente an der römischen Kreuzung
Die Chiesa di San Francesco bildet den nördlichen Rahmen der Piazza del Popolo in Ascoli Piceno, genau an der antiken Kreuzung des römischen Cardo (Via del Trivio) und des Decumanus (Corso Mazzini). Erbaut aus hellem, lokalem Travertin, geht die Kirche der Überlieferung nach auf eine Predigt von Franz von Assisi im Jahr 1215 zurück. Mitte des 13. Jahrhunderts begannen die Bauarbeiten, 1371 folgte die Weihe, während die Kreuzgewölbe und die zentrale Kuppel erst im 16. Jahrhundert vollendet wurden.
Während die langgestreckte Südwand der Kirche die Piazza del Popolo säumt, liegt der westliche Haupteingang an der Via del Trivio. An der östlichen Außenfassade ragen sieben polygonale Apsiden empor, flankiert von zwei schlanken, sechseckigen Glockentürmen. Das Ergebnis ist eine der markantesten romanisch-gotischen Silhouetten ganz Mittelitaliens.
Die Loggia dei Mercanti und statische Kunstgriffe
Direkt an die Südflanke der Kirche schmiegt sich die Loggia dei Mercanti, ein eleganter fünfjochiger Renaissance-Portikus auf korinthischen Säulen. Die örtliche Wollweberzunft (Corporazione dei Lanai) gab ihn als überdachte Handelsbörse in Auftrag. Die Bauarbeiten begannen 1508 unter Bernardino di Pietro da Carona und wurden 1513 von Francesco Rubei da Villagona vollendet.
Das schwere Gewicht der Kreuzgewölbe forderte jedoch schon 1519 seinen Tribut und machte das Gebäude instabil. Um die Loggia zu sichern, zogen Steinmetze und Baumeister niedrige Brüstungsmauern zwischen den Säulensockeln ein und verankerten massive Zugstangen aus Eisen direkt im Travertin der Kirchenwand. Die dekorativen Schwalbenschwanzzinnen aus Backstein an der Dachkante sorgten schließlich dafür, dass sich der Bau auch optisch harmonisch in den Platz einfügt.
Historische Portale und Kuriositäten
An der Fassade von San Francesco lassen sich einige bemerkenswerte Details entdecken. Über dem gotischen Seitenportal zur Piazza del Popolo thront ein Monument aus dem Jahr 1510 mit einer sitzenden Statue von Papst Julius II. Der Stadtrat von Ascoli gab die Skulptur aus Dankbarkeit in Auftrag, nachdem der Papst eingegriffen und die tyrannische Familie Guiderocchi aus der Stadt verbannt hatte.
Direkt an der Kirchenmauer zur Piazza hin steht eine klassische Travertin-Ädikula, die 1639 von Silvio Giosafatti errichtet wurde. Einst diente der kleine Schrein als letzte düstere Station für zum Tode Verurteilte, die hier ein letztes Gebet sprachen, bevor sie über die Via Ancaria zum Galgen geführt wurden.
Am Westportal an der Via del Trivio wird der Eingang von schlanken Travertinsäulen gerahmt, die als klingende Säulen (colonne musicali) bekannt sind. Schlägt man an den Stein oder reibt daran, erzeugen sie tatsächlich Töne. Über die Jahrhunderte haben unzählige Kirchgänger die Resonanz mit ihren Schlüsseln getestet und dabei deutliche Rillen im Stein hinterlassen.
Städtische Maße und das heutige Treiben
Wie eng geistliches Leben und weltlicher Handel verwoben waren, zeigt auch die Außenwand unter der Loggia dei Mercanti. Dort ist eine offizielle städtische Steintafel vom 3. Oktober 1568 eingelassen. Sie zeigt eingemeißelte Schablonen für standardisierte Baumaterialien wie Dachziegel und Backsteine sowie ein 63 Zentimeter langes Längenmaß namens Brazolaro. Das Ganze sollte Betrug auf dem Markt verhindern, bei Zuwiderhandlung drohte eine saftige Strafe von 10 Scudi.
Heute ist die Chiesa di San Francesco noch immer eine aktive Kirche und ein monumentales Wahrzeichen. Die Loggia dei Mercanti dient Flaneuren als überdachte Verbindung zwischen Corso Mazzini und Piazza del Popolo, während im angrenzenden Großen Kreuzgang (Chiostro Maggiore) der tägliche Gemüsemarkt stattfindet, von den Einheimischen liebevoll Piazza della Verdura genannt.
FAQ
Was hat es mit den klingenden Säulen der Chiesa di San Francesco auf sich?
Die klingenden Säulen sind schlanke Travertinsäulen am Westeingang an der Via del Trivio, die klare Töne von sich geben, wenn man daran reibt oder klopft. Weil Generationen von Neugierigen mit Schlüsseln daran gerieben haben, sind bis heute deutliche Rillen im Stein zu sehen.
Was ist die Loggia dei Mercanti?
Die Loggia dei Mercanti ist ein fünfjochiger Renaissance-Portikus, der zwischen 1508 und 1513 direkt an die Südflanke der Kirche angebaut wurde. Die örtliche Wollweberzunft gab ihn einst als überdachte Handelsbörse in Auftrag.
Was hat es mit der Steintafel unter der Loggia dei Mercanti auf sich?
Die in Travertin gemeißelte Tafel vom 3. Oktober 1568 zeigt städtische Standardmaße für Backsteine und Dachziegel sowie ein 63 Zentimeter langes Längenmaß namens Brazolaro. Sie sollte Betrug beim Handel verhindern, unter Androhung einer Geldstrafe.




