
Solestà-Brücke: augusteische Ingenieurskunst in Ascoli
Ein augusteisches Meisterwerk aus picenischem Travertin
Erbaut um 25 v. Chr. unter Kaiser Augustus, überspannt die Solestà-Brücke (Ponte di Solestà) die tiefe Tronto-Schlucht am nördlichen Stadtrand von Ascoli Piceno. Sie sollte die römische Stadt Asculum an das regionale Wegenetz nach Fermo und an Abzweigungen der Via Salaria anbinden. Bis heute gilt das Bauwerk als eine der besterhaltenen einbogigen Brücken der Antike. Als sie fertiggestellt wurde, gehörte ihr Rundbogen mit einer Spannweite von 22,20 Metern zu den kühnsten und weitesten Konstruktionen der römischen Welt.
Errichtet wurde sie als Trockenmauerwerk (opus quadratum), fugenlos und ganz ohne Mörtel aus lokalem picenischem Travertin gefügt. Es ist derselbe helle Kalkstein, der auch die großen Monumente im Herzen Ascolis prägt, allen voran die Piazza del Popolo. Rund 25 Meter ragt das Bauwerk über das Flussbett auf. Bei einer Gesamtlänge von 62 Metern und einer Breite von 6,50 Metern bot die Fahrbahn mit stattlichen 5,50 Metern selbst antikem Karrenverkehr reichlich Raum.
Mittelalterliche Wehranlagen und historische Wandlungen
In über zwei Jahrtausenden im Dauereinsatz hat die Brücke Schicht um Schicht Regionalgeschichte angesetzt. Schon frühe Reparaturen der Römerzeit betrieben pragmatisches Recycling und verbauten klassische Fragmente, darunter Teile dorischer Friese, direkt im Mauerwerk. 1230 ließ Podestà Fildesmilio da Mogliano den Flussübergang militärisch befestigen: Er errichtete die Porta Solestà, ein wehrhaftes Torgebäude aus wiederverwendeten römischen Travertinquadern. 1450 wurden über dem Tor die Wappen angebracht, die an ein Bündnis und einen Friedensschluss zwischen Ascoli und Fermo erinnern.
Zwischen 1929 und 1938 wurde das Bauwerk anlässlich der Zweitausendjahrfeier des Augustus unter Leitung des Ingenieurs G. Viccei grundlegend saniert. Um Erschütterungen und schwere moderne Lasten abzufedern, höhlte man das ursprüngliche lose Füllmauerwerk (emplekton) aus und ersetzte es im Kern durch ein tragendes Stahlbetonskelett. Nach dem Sturz des faschistischen Regimes am 25. Juli 1943 wurden die faschistische Jahreszählung und das Liktorenbündel vom Gedenkstein aus dem Jahr 1938 entfernt und durch das Stadtwappen von Ascoli ersetzt.
Die hohle Innenkammer
Anders als die meisten antiken Brückenbauten verbirgt die Solestà-Brücke in ihrem Inneren einen eigens konstruierten Inspektionsgang. Bei städtischen Veranstaltungen oder nach Voranmeldung kannst du hier direkt unter dem Travertinpflaster hindurchgehen. Tief im Brückenbauch liegt die Unterseite der originalen römischen Quader frei zutage, flankiert von freigelegter Straßenschichtung und uralten Wagenspuren (carreggiate), die sich tief in die Pflastersteine gegraben haben.
Urbane Kulisse und lebendige Traditionen
Die Brücke bildet das historische Nordtor von Ascoli Piceno und bildet das Gegenstück zu den südlichen Übergängen über den Castellano. Wer hinübergeht, erlebt einen schlagartigen Wechsel der Sinne: Aus den hallenden, steingesäumten Gassen der Altstadt trittst du unvermittelt hinaus über die Tronto-Schlucht, wo dir frischer Wind und das Rauschen des Wassers entgegenschlagen.
Der Name Solestà geht der lokalen Überlieferung nach auf zwei antike Ursprünge zurück: entweder auf Solis Statio, was auf einen Tempel oder ein Fest zu Ehren des Sonnengottes Sol verweist, oder auf Sullae Statio in Erinnerung an den römischen Diktator Sulla. Heute dient die Brücke als lebendige Fußgängerader zwischen dem historischen Zentrum und den Vierteln Borgo Solestà und Porta Cappuccina. Zudem ist sie Namensgeberin und geografischer Anker für das Sestiere Porta Solestà bei den alljährlichen Quintana-Turnieren der Stadt.
FAQ
Wann wurde die Solestà-Brücke erbaut und welche Maße hat sie?
Die Brücke wurde um 25 v. Chr. in der augusteischen Epoche erbaut. Sie hat eine Gesamtlänge von 62 Metern, ragt rund 25 Meter über den Tronto auf und besitzt einen einzigen Rundbogen mit einer Spannweite von 22,20 Metern.
Kann man das Innere der Solestà-Brücke besichtigen?
Ja. Unter der Fahrbahn verbirgt sich ein Inspektionsgang, der bei bestimmten städtischen Anlässen oder nach Voranmeldung zugänglich ist. Von dort aus lassen sich die Unterseite der antiken römischen Straße und gut erhaltene historische Wagenspuren betrachten.
Was ist die Porta Solestà?
Die Porta Solestà ist ein befestigtes mittelalterliches Torgebäude am Brückenkopf, das 1230 von Podestà Fildesmilio da Mogliano aus wiederverwendeten römischen Travertinblöcken errichtet wurde. Über dem Tor prangen Wappen aus dem Jahr 1450, die an einen Friedensvertrag zwischen Ascoli und Fermo erinnern.
Woher stammt der Name Solestà?
Der lokalen Überlieferung nach geht der Name entweder auf „Solis Statio“ zurück, was auf ein heidnisches Fest oder einen verschollenen Sonnentempel hinweist, oder auf „Sullae Statio“ in Anspielung auf den römischen Diktator Sulla.




