Torre degli Ercolani: Ascolis mittelalterlicher Wohnturm - Ascoli-piceno
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Torre degli Ercolani: Ascolis mittelalterlicher Wohnturm

Ascoli-piceno, Italy

Architektur und Travertinbauweise

An der Kreuzung von Via dei Soderini und Rua Guiderocchi in Ascoli Piceno steht die Torre degli Ercolani, ein mittelalterlicher Adelsturm (torre gentilizia) aus dem späten 12. oder 13. Jahrhundert. Auf quadratischem Grundriss ragt er gut 34 bis 35 Meter empor, gemauert aus behauenen Quadern des dunklen lokalen Travertins (travertino brunito). Um die Stabilität zu erhöhen, verjüngt sich das Mauerwerk nach oben hin ganz leicht. Rund um das Eingangsportal im Erdgeschoss wurden antike Steinblöcke aus der Römerzeit wiederverwendet.

Im Inneren gliedert sich der Turm vertikal in drei Ebenen, die jeweils von einem Tonnengewölbe aus Stein überspannt werden. Auch die Außenmauern zeigen noch heute charakteristische Details: Über der kleinen Pforte an der Via dei Soderini sitzt ein gemeißelter Dreiecksgiebel mit einem waagerechten Schlitz. Rein statisch dient er als typisch romanischer Entlastungsbogen, doch die lokale Überlieferung deutet die Form gern als alchemistisches Symbol für die Luft. Weiter oben am Turmschaft verraten vorkragende Konsolsteine (denti di pietra) und Balkenlöcher, wo einst hölzerne Wehrerker (bertesche) und Laufstege befestigt waren. So konnten sich die Verteidiger im Ernstfall hoch über den Gassen von Anwesen zu Anwesen bewegen.

Das Palatium-Turris und die Erdbebenstatik

Die Torre degli Ercolani schließt unmittelbar an den zeitgenössischen Palazzetto Longobardo an. Zusammen bilden sie das einzige erhaltene und baulich vollständige palatium-turris (Palast-Turm-Ensemble) in ganz Ascoli Piceno. Der Name des Wohnhauses führt allerdings in die Irre: „Palazzetto Longobardo“ ist eine historische Fehlbezeichnung. Das Gebäude entstand lange nach der frühmittelalterlichen Langobardenzeit und ist ein Werk der stadtstaatlichen Romanik.

Obwohl Turm und Wohntrakt auf den ersten Blick wie ein einziger Koloss wirken, haben mittelalterliche Baumeister sie als zwei statisch völlig unabhängige Baukörper konstruiert. Turm und Palast wiesen grundverschiedene Massen, Höhen und Eigenschwingungen auf. Eine starre Verbindung hätte bei Erdbeben verheerende Schäden angerichtet. Dank der baulichen Fuge konnten beide Bauten bei Erdstößen frei mitschwingen, ohne sich gegenseitig aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Überleben in der Stadt der Türme

Der Komplex entstand im Zeitalter der freien Kommunen, als einflussreiche Geschlechter wehrhafte Festungen bauten, um ihren Reichtum zur Schau zu stellen und die blutigen Fehden der Stadt zu überleben. Er diente der Adelsfamilie Ercolani als befestigter Stammsitz. Ascoli war damals als „Stadt der hundert Türme“ berühmt, und Schätzungen zufolge prägten einst bis zu zweihundert dieser Bauwerke die Silhouette.

Dieses dichte Panorama änderte sich 1242 radikal, als Kaiser Friedrich II. die Stadt einnahm. Die kaiserlichen Truppen machten kurzen Prozess und schleiften oder stutzten Ascolis private Wehrtürme systematisch. Der Überlieferung nach fielen damals 91 Adelstürme. Die Torre degli Ercolani überstand die Säuberung unversehrt, während fast alle anderen geköpft, abgerissen oder später in Wohnhäuser und Glockentürme verbaut wurden.

Ein Monument im heutigen Stadtbild

Im mittelalterlichen Viertel auf dem Weg zur Porta Solestà und zum Tronto ist die Torre degli Ercolani bis heute ein markantes Wahrzeichen. Von innen lässt sich der Turm bei regulären Besuchen nicht besichtigen, seine eindrucksvolle Architektur erschließt sich vor allem vom Straßenpflaster der Via dei Soderini und der Rua Guiderocchi aus. Der angrenzende städtische Palazzetto Longobardo diente der Gemeinde lange Zeit als Jugendherberge (Ostello della Gioventù).

FAQ

Kann man das Innere der Torre degli Ercolani besichtigen?

Nein, das Innere des Turms ist für reguläre Touristenbesuche geschlossen. Du kannst die Architektur jedoch wunderbar von den umliegenden Gassen aus betrachten, insbesondere von der Via dei Soderini und der Rua Guiderocchi.

Wie überstand der Turm die Erdbeben der Region?

Der Turm wurde statisch völlig unabhängig vom angrenzenden Palazzetto Longobardo konstruiert. Statt starr miteinander verbunden zu sein, blieben die beiden Baukörper getrennt. So konnten ihre unterschiedlichen Massen und Höhen bei Erdbeben unabhängig voneinander schwingen, ohne sich gegenseitig mitzureißen.

Warum heißt das angrenzende Wohnhaus Palazzetto Longobardo?

Der Name ist ein historischer Irrtum. Das Gebäude stammt aus dem späten 12. oder 13. Jahrhundert und vertritt die romanische Architektur der italienischen Kommunen, nicht die Bauweise der frühmittelalterlichen Langobarden.

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