
La Casa Medievale: Das Goldschmiedehaus von Cividale
Ursprung und Architektur
Die Casa Medievale steht in der Stretta Tomasino Cerchiari 2, mitten im historischen Handwerkerviertel Borgo Brossana in Cividale del Friuli. Das dreistöckige Gebäude stammt aus der Mitte bis zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts und entstand zur Zeit des Patriarchats von Aquileia, als die Stadt als regionales Zentrum für Metallhandwerk und Münzprägung florierte.
Das Wohnhaus wurde direkt auf den steinernen Resten eines gekappten mittelalterlichen Wehrturms errichtet (torre mozzata). Diese zusammengesetzte Baugeschichte zeigt sich an der rechten Außenwand, wo ein starker Kontrast ins Auge fällt: Das massive, fugenlos gefügte Quadermauerwerk des einstigen Turmsockels weicht nach oben hin einem Mischmauerwerk aus groben Steinblöcken, Ziegeln und Flusskieseln, aus denen die Wohnetagen bestehen.
Die mittelalterliche Goldschmiedewerkstatt
Traditionell als Casa dell’Orefice bekannt, ist der Bau eine seltene erhaltene Profanwerkstatt des Spätmittelalters. Als integrierte Wohn- und Gewerbeeinheit konzipiert, folgte der Grundriss einer praktischen Logik: Im Erdgeschoss befanden sich die Werkstatt des Handwerkers und eine offene Verkaufstheke zur Straße hin. Die oberen Stockwerke dienten als Wohn- und Schreibstuben.
Während die meisten Türen und Fenster der Fassade in späteren Jahrhunderten verändert wurden, blieb eine Öffnung unberührt: Im ersten Stock hat sich ein einzelnes mittelalterliches Miniaturfenster in seiner ursprünglichen Form erhalten. Der örtlichen Handwerkstradition nach wurde diese Öffnung ausschließlich dafür geschaffen, gezielt Tageslicht auf das Kontorpult des Meisters zu werfen.
Spolien im Innenraum und lokale Legenden
Im Inneren des Hauses reicht das historische Recycling weit über die Grundmauern hinaus. Ein frühmittelalterliches Steinrelieffragment, ursprünglich Teil eines antiken Gesimses oder Pfeilers, wurde geborgen und als Spolie direkt in das Mauerwerk im Innenraum integriert.
Im Volksmund heißt das Gebäude auch Casa del Mille und gilt vielen in Cividale seit jeher als das älteste Haus der Stadt. Bauhistoriker und Archäologen sind sich jedoch einig, dass das eigentliche Wohnhaus aus dem 14. Jahrhundert stammt und lediglich der wiederverwendete Sockel des Wehrturms aus einer früheren Epoche herrührt.
Heutige Rolle als Denkmal
Nahe dem Fluss Natisone, an der Fußgängerachse zwischen Piazza del Duomo, Stretta della Giudaica, dem Komplex von Santa Maria in Valle und dem Langobardischen Tempel, bildet die Casa Medievale einen architektonischen Fixpunkt im Borgo Brossana. Bis weit in die Neuzeit hinein als Goldschmiede genutzt, befindet sich das Anwesen heute in städtischer Obhut der Comune di Cividale del Friuli. In den Sommermonaten öffnet es als Ausstellungs- und Kulturort, der historischem Handwerk und dem Wohnalltag des 14. Jahrhunderts gewidmet ist.
FAQ
Warum wird das Gebäude im Volksmund Casa del Mille genannt?
Auch wenn die lokale Tradition es als Casa del Mille und ältestes Haus von Cividale bezeichnet: Archäologische und bauhistorische Untersuchungen zeigen, dass das Wohnhaus aus dem 14. Jahrhundert stammt. Nur der wiederverwendete steinerne Wehrturm darunter geht auf eine frühere Epoche zurück.
Was war die ursprüngliche Funktion der Casa Medievale?
Erbaut im 14. Jahrhundert während der Epoche des Patriarchats von Aquileia, diente das Gebäude als kombiniertes Wohn- und Werkstatthaus, überliefert als Goldschmiedeatelier. Im Erdgeschoss befanden sich Verkaufstheke und Werkstatt, während die oberen Etagen als Schreib- und Wohnräume genutzt wurden.
Was ist das Besondere an dem Miniaturfenster im ersten Stock?
Während die meisten Fassadenöffnungen in späteren Jahrhunderten vergrößert oder verändert wurden, blieb ein einzelnes mittelalterliches Miniaturfenster im ersten Stock unberührt erhalten. Der örtlichen Handwerkstradition nach wurde es eigens geschaffen, um Licht auf das Kontorpult des Meisters zu werfen.




