
Duomo di San Nicolò: Merans gotisches Wahrzeichen
Ein architektonischer Anker in Meran
Die Stadtpfarrkirche St. Nikolaus, auf Italienisch Duomo di San Nicolò genannt, steht am Pfarrplatz am östlichen Ende der Laubengasse. Sie ist dem Heiligen Nikolaus von Myra geweiht und markiert die geografische Schwelle zwischen Merans mittelalterlichem Handelszentrum und dem historischen Wohnviertel Steinach. Zusammen mit der Landesfürstlichen Burg und dem Kurhaus gehört die Kirche zu den wichtigsten Wahrzeichen der Stadt, die deren Entwicklung von einem tirolerischen Verwaltungssitz zum alpinen Kurort nachzeichnen.
Spätgotische Architektur und Glockenturm
Die heutige Kirche ist eine spätgotische dreischiffige Hallenkirche mit filigranem Netzrippengewölbe an der Decke und einer gotischen Rose an der Westfassade. An den südlichen Chor schließt sich der Glockenturm an, der mit einer Höhe von 78 bis 83 Metern zu den höchsten Kirchtürmen Südtirols zählt. 1545 erhielt der Turm ein mechanisches Uhrwerk, und um 1618 wurde er mit einer achteckigen Laterne sowie einer welschen Haube gekrönt.
Direkt unter dem massiven Sockel des Glockenturms verläuft ein überdachter öffentlicher Durchgang, der sogenannte Turmdurchgang. Dieser gewölbte Durchgang bewahrt Rippengewölbe aus dem 14. Jahrhundert, die auf verzierten Konsolen ruhen, sowie erhaltene Fragmente mittelalterlicher Wandmalereien, die Meister Wenzel zugeschrieben werden.
Das kolossale Christophorusfresko
Zu den auffälligsten Elementen der Außenfassade gehört ein kolossales Fresko an der Südwand, das den heiligen Christophorus mit dem Christuskind zeigt. Das ursprüngliche spätgotische Gemälde ist zwischen 6 und 10 Meter hoch und stammt aus der Zeit um 1490. 1896 wurde es von dem Künstler Alfons Siber anhand der noch erhaltenen Spuren des mittelalterlichen Originals restauriert und übermalt.
Dem mittelalterlichen Volksglauben zufolge schützte der Anblick des heiligen Christophorus Reisende und Pilger für den Rest des Tages vor dem plötzlichen Tod ohne Sterbesakramente, der sogenannten mors improvisa. Die Kirche gab die riesige Darstellung ganz bewusst an der Außenfassade entlang wichtiger Handelswege in Auftrag, damit vorbeiziehende Kaufleute den Heiligen sehen konnten, ohne das Gotteshaus betreten zu müssen.
Epitaphe und die Barbarakapelle
Das Außenmauerwerk rund um den Platz und den Hinterhof fungiert als Freilichtlapidarium. Entlang der Mauern sind Marmor-, Sandstein- und Bronzeepitaphe aus dem 15. bis 18. Jahrhundert erhalten, darunter ein kunstvolles Bronzerelief von Alexander Colin aus dem Jahr 1586, die nach der Räumung des mittelalterlichen Friedhofs dort verblieben.
Direkt hinter dem Kirchenchor steht die achteckige Barbarakapelle, die 1450 geweiht wurde. Das zweistöckige Gebäude erfüllte verschiedene Zwecke: Das gewölbte Untergeschoss diente historisch als städtisches Beinhaus, während das Obergeschoss als Friedhofskapelle genutzt wurde.
Jahrhunderte Tiroler Geschichte
Erstmals 1266 als Seelsorgekapelle der Mutterpfarrei Dorf Tirol urkundlich erwähnt, wurde die Kirche ab etwa 1302 umfassend im gotischen Stil erweitert, um Merans wachsendem Status als Residenzstadt der Grafschaft Tirol gerecht zu werden. Das fertige Gebäude wurde 1465 geweiht, blieb jedoch kirchlich von Dorf Tirol abhängig, bis es 1657 den Status einer eigenständigen Pfarrei erhielt.
In den folgenden Jahrhunderten gab es zahlreiche Änderungen, darunter den Einbau eines Hochaltars durch Jakob Pirchstaller in den Jahren 1786 bis 1788. Zwischen 1882 und 1898 leitete der Wiener Architekt Friedrich von Schmidt eine umfassende Regotisierung und Restaurierung. Eine moderne Konservierungs- und Restaurierungskampagne folgte zwischen 1993 und 2000.
Besichtigung und Gottesdienste
Der Duomo di San Nicolò ist nach wie vor eine aktive römisch-katholische Pfarrkirche. Sie ist das ganze Jahr über täglich für Besucher geöffnet, in der Regel von 8:00 oder 8:30 Uhr bis 17:30 oder 19:00 Uhr. Regelmäßige deutschsprachige Gottesdienste finden wochentags um 9:00 Uhr, samstags um 9:00 und 18:00 Uhr sowie sonntags um 9:00, 11:00 und 19:00 Uhr statt.
FAQ
Was stellt das große Gemälde an der Außenwand des Duomo di San Nicolò dar?
An der Südwand prangt ein 6 bis 10 Meter hohes Fresko, das den heiligen Christophorus mit dem Christuskind zeigt. Das Werk stammt aus der Zeit um 1490 und wurde 1896 von Alfons Siber übermalt. Es wurde im Außenbereich platziert, damit vorbeiziehende Reisende den Heiligen sehen und den traditionellen Schutz vor dem plötzlichen Tod ohne Sterbesakramente erhalten konnten.
Wie hoch ist der Glockenturm der Kirche?
Der Glockenturm ist 78 bis 83 Meter hoch und damit einer der höchsten Kirchtürme im Tiroler Raum. 1545 wurde er mit einem mechanischen Uhrwerk ausgestattet, und um 1618 erhielt er seine achteckige Laterne samt Kuppel.
Welche Kapelle befindet sich hinter dem Chor?
Hinter dem Chor steht die achteckige Barbarakapelle, die 1450 geweiht wurde. Ihr Untergeschoss diente ursprünglich als städtisches Beinhaus, während das Obergeschoss als Friedhofskapelle genutzt wurde.
Entdecken Sie Merano wie nie zuvor
Tauchen Sie ein in die verborgenen Geschichten und geheimen Orte Merano mit den interaktiven Touren von Ciceru.
Tour erkunden
Audioguide
Quiz
Karten
Allein
Paare
Gruppen & Familien

© Photo by Juergen Ramm via Google Maps · Google Places



