
Laubengasse: Merans mittelalterliche Arkadenstraße
Das historische Rückgrat von Meran
Die Laubengasse, auf Italienisch Via dei Portici genannt, zieht sich auf rund 400 Metern durch das mittelalterliche Meran. Sie gilt als längste durchgehende Lauben-Einkaufsstraße des historischen Tirol und fungiert als urbane Lebensader, die den Pfarrplatz samt Stadtpfarrkirche St. Nikolaus im Osten mit dem Kornplatz im Westen verbindet. Parallel zur Passer verlaufend, schlägt sie die Brücke vom mittelalterlichen Handelszentrum direkt ins mondäne Kur- und Promenadenviertel des 19. Jahrhunderts.
Ursprünge und mittelalterliche Stadtplanung
Ihre Wurzeln reichen ins 13. Jahrhundert zurück: Graf Meinhard II. von Tirol-Görz baute Meran damals zum Verwaltungszentrum und Sitz der gräflichen Münze aus. Um dem Handel Schwung zu verleihen, verlegte Meinhard II. die regionalen Marktrechte, darunter den traditionsreichen Pfingstmarkt, von Schloss Tirol hinab auf den Talboden. Im Stadtarchiv taucht die Gasse 1322 erstmals urkundlich auf.
Damit möglichst viele Kaufleute ein Plätzchen unter den schützenden Arkaden ergatterten, wurden die Parzellen extrem schmal zugeschnitten, gerade einmal rund vier Schritt breit. Zur Straße hin gaben sich die Häuser kompakt, fraßen sich dahinter aber bis zu 50 Meter tief in den Baublock hinein. Um Licht und Luft in diese extremen Schlauchbauten zu bringen, integrierten die Baumeister offene Lichthöfe im Zentrum, die mehrstöckige Werkstätten, Lagerräume und Wohnquartiere erhellten.
Zweiteilung und Bewahrung durch Niedergang
Die Laubengasse ist in zwei gegenüberliegende Fronten geteilt: die Berglauben im Norden Richtung Küchelberg und die Wasserlauben im Süden mit Blick zur Passer. Im 14. und 15. Jahrhundert verordneten städtische Satzungen zeitweise sogar eine strikte Trennung des Handels nach Herkunft: Deutsche und italienische Kaufleute mussten auf getrennten Straßenseiten feilbieten.
Dass die Gasse heute noch so unverfälscht dasteht, verdankt sie einer politischen Wende im Jahr 1420. Herzog Friedrich IV. verlegte die Tiroler Residenz kurzerhand von Meran nach Innsbruck. Der Verlust des Hauptstadttitels brachte einen wirtschaftlichen Dämpfer, der die Laubengasse vor großflächigen Umbauten der frühen Neuzeit bewahrte und ihren mittelalterlichen Grundriss intakt ließ. Mehr als sechs Jahrhunderte blieb der Arkadengang vollkommen ungebrochen, bis 1913 die Sparkassenstraße und die Galileistraße mitten durch die Flucht geschlagen wurden.
Heutiger Charakter und architektonische Schichten
Heute ist die Laubengasse Merans wichtigste Flaniermeile, gesäumt von Boutiquen, Läden, Feinkostgeschäften, Bäckereien und Cafés. Das Pflaster steigt von Westen nach Osten sanft an, unterbrochen von historischen Steinbrunnen, die von Frühjahr bis Herbst frisches Trinkwasser spenden. Wenn du von den offenen Plätzen unter die tonnengewölbten Arkaden trittst, fallen Licht und Temperatur spürbar ab. Begleitet vom Echo deiner Schritte auf dem Pflaster mischt sich hier der Duft von geräuchertem Speck und Bergkäse mit dem Aroma von frischem Espresso.
Architektonisch liegen die Epochen hier Schicht auf Schicht. Bei der Hausnummer 78 überrascht das Haus Mahlknecht mit einer floralen Jugendstilfassade aus dem frühen 20. Jahrhundert. Ein Stück weiter, in der Nummer 163, zeigt Kunst Meran im restaurierten Haus Sparkasse Ausstellungen für zeitgenössische Kunst und Architektur. Und nahe der Kreuzung zur Galileistraße prallen die Zeiten schließlich frontal aufeinander: Mittelalterliche Erker und gotische Bögen treffen dort direkt auf die monumentale Travertinfassade des rationalistischen Rathauses, entworfen von Ettore Sottsass senior und erbaut zwischen 1929 und 1932.
FAQ
Wie lang ist die Laubengasse in Meran?
Die Laubengasse ist rund 400 Meter lang und damit die längste durchgehende Lauben-Einkaufsstraße des historischen Tirol.
Warum sind die Bürgerhäuser in der Laubengasse so tief?
Die mittelalterlichen Parzellen wurden mit gerade einmal vier Schritt breiten Fassaden angelegt, um möglichst vielen Läden Platz unter den Lauben zu bieten. Dafür reichten sie bis zu 50 Meter tief nach hinten, wo offene Lichthöfe für Tageslicht und frische Luft sorgten.
Was sind die Berglauben und die Wasserlauben?
Es sind die beiden Laubengänge, die die Gasse säumen: die Berglauben auf der Nordseite mit Blick zum Küchelberg und die Wasserlauben auf der Südseite zur Passer hin.
Warum blieb die mittelalterliche Architektur der Laubengasse erhalten?
Als Herzog Friedrich IV. die Tiroler Residenz 1420 nach Innsbruck verlegte, verfiel Meran in einen wirtschaftlichen Dornröschenschlaf. Größere Umbauten blieben aus, wodurch der Grundriss aus dem 13. Jahrhundert intakt blieb.




