
Palazzo Carignano: Turins barockes Meisterwerk
Stell dich vor die kühn geschwungene Backsteinfassade des Palazzo Carignano und bestaune eines der spektakulärsten Meisterwerke des italienischen Barocks aus dem 17. Jahrhundert. 1679 von Emanuele Filiberto von Savoyen-Carignan in Auftrag gegeben, entwarf der Barockarchitekt Guarino Guarini diesen außergewöhnlichen Bau. Heute gehört der Palast zum UNESCO-Welterbe, ist ein fester Höhepunkt jeder historischen Route durch Turin und liegt unmittelbar neben dem Museo Egizio.
Ein architektonisches Doppelgesicht
Der Palast ist ein echtes Unikat mit zwei völlig gegensätzlichen Fassaden. Die von Guarini gestaltete Westfassade zur Piazza Carignano begeistert durch warmen, unverputzten Terrakotta-Backstein. Die gemauerten Bahnen wirken beinahe flüssig, formen wellenartige Schwünge und erzeugen faszinierende Schattenspiele.
Das gewölbte Atrium markiert den abrupten Übergang von dieser sinnlichen Terrakotta-Welt des 17. Jahrhunderts in eine völlig andere Epoche: Die Ostfassade zur Piazza Carlo Alberto präsentiert sich mit den strengen Proportionen des 19. Jahrhunderts, wuchtigen Pilastern und weißem Stein, entworfen von Domenico Ferri und Giuseppe Bollati und 1871 vollendet.
Die Wiege des vereinten Italiens
Der Palazzo Carignano nimmt in der Geschichte Italiens einen zentralen Platz ein. Hier kamen 1798 König Carlo Alberto und 1820 Vittorio Emanuele II. zur Welt, der spätere erste König des vereinten Italiens.
1848 wandelte man den zentralen elliptischen Ballsaal in das Subalpine Parlament um, und am 17. März 1861 wurde in diesen Mauern offiziell das Königreich Italien ausgerufen. Um dem wachsenden Nationalparlament Raum zu geben, entstand im 19. Jahrhundert der Ostflügel. Doch bevor der monumentale Plenarsaal dauerhaft genutzt werden konnte, zog die Hauptstadt bereits nach Florenz und kurz darauf nach Rom weiter.
Museen und historische Säle
Im ersten Stock, dem Piano Nobile, befindet sich das Museo Nazionale del Risorgimento Italiano. Hier kannst du den originalen Sitzungssaal des Subalpinen Parlaments von 1848 bewundern, direkt neben der prunkvollen, letztlich nie genutzten Abgeordnetenkammer des italienischen Königreichs.
Auch die fürstlichen Gemächer der Savoyen-Carignan im Erdgeschoss sind als Museum zugänglich. Hier erwarten dich opulente, vergoldete Holzvertäfelungen des 17. Jahrhunderts, Spiegelsäle und kunstvolle Fresken von Stefano Maria Legnani.
Versteckte historische Details
Über den Fenstern des ersten Stocks verbirgt die Barockfassade ein überraschendes Detail: Auf den Ziergiebeln prangen kunstvolle Reliefs indigener Amerikaner mit vollem Federschmuck. Sie erinnern an das Regiment Carignan-Salières, eine Militäreinheit der Familie Carignan, die in den 1660er-Jahren in Neufrankreich gegen die Irokesen-Konföderation kämpfte.
Ebenfalls historisch bedeutsam: 1749 erblickte hier Marie-Louise von Savoyen, die Princesse de Lamballe, das Licht der Welt, die spätere engste Vertraute der französischen Königin Marie Antoinette.
FAQ
Welche Museen befinden sich im Palazzo Carignano?
Der Palast beherbergt zwei Hauptmuseen. Im ersten Stock liegt das Museo Nazionale del Risorgimento Italiano mit dem originalen Saal des Subalpinen Parlaments von 1848. Im Erdgeschoss kannst du die Gemächer der Fürsten von Carignan mit ihren vergoldeten Räumen und Fresken aus dem 17. Jahrhundert besichtigen.
Warum hat der Palast zwei verschiedene Fassaden?
Der Palast wurde im Laufe der Zeit erweitert, wodurch zwei völlig unterschiedliche Stile Rücken an Rücken aufeinandertreffen. Die Westfassade ist ein barocker Entwurf von Guarino Guarini aus dem 17. Jahrhundert mit geschwungenen roten Backsteinen. Die Ostfassade aus weißem Stein ist eine streng klassizistische Erweiterung, die 1871 für das vergrößerte Nationalparlament vollendet wurde.
Warum befinden sich Reliefs indigener Amerikaner am Gebäude?
Die verzierten Fenstergiebel der Barockfassade zeigen Reliefs von Köpfen indigener Amerikaner zur Erinnerung an das Regiment Carignan-Salières. Diese Militäreinheit der Familie Carignan kämpfte in den 1660er-Jahren in Neufrankreich gegen die Irokesen-Konföderation.



