
Kirche St. Margareta von Antiochia in Vernazza
Ein Wahrzeichen am Wasser in Vernazza
Auf einem Felsvorsprung direkt über dem Wasser ragt die Kirche St. Margareta von Antiochia (Chiesa di Santa Margherita d'Antiochia) empor und beherrscht die Uferfront der Piazza Guglielmo Marconi. Zusammen mit dem Castello Doria und dem Wachturm Belforte auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht bildet sie den markanten Blickfang im Hafen von Vernazza. Zugleich ist sie der architektonische Schlusspunkt für alle, die vom Bahnhof des Dorfes hinunter ans Meer spazieren.
Ursprünge und mittelalterliche Architektur
Erste urkundliche Erwähnungen stammen aus dem Jahr 1318, als die Kirche einem Priester namens Leonardo übertragen wurde. Bauliche Spuren deuten jedoch darauf hin, dass ihre Fundamente bereits zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert auf den Resten einer früheren romanischen Kapelle errichtet wurden. Der ligurisch-gotische Bau wird historisch den Meistern von Antelami (Magistri Antelami) zugeschrieben.
Erbaut aus dunklem Stein von der nahen Punta Mesco, folgt das Gebäude dem Grundriss einer dreischiffigen Basilika. Ihr auffälligstes äußeres Merkmal ist der 40 Meter hohe achteckige Glockenturm, der von einer spitzbogigen Kuppel gekrönt wird und weit über das Hafenbecken blickt.
Jahrhunderte des architektonischen Wandels
Im Lauf der Jahrhunderte wurde das Bauwerk immer wieder stark verändert. Im 16. und 17. Jahrhundert verlängerte man das Kirchenschiff um zwei Joche nach Westen, ein Eingriff, der die ursprüngliche mittelalterliche Fassade komplett tilgte. 1750 stockte man den Glockenturm auf und verpasste dem Innenraum barocke Gewölbe und Stuckarbeiten.
Zwischen 1964 und 1970 befreite eine umfassende Restaurierung das Bauwerk von diesen barocken Überformungen und legte das ursprüngliche Natursteinmauerwerk, die gotischen Spitzbogenarkaden und den offenen Dachstuhl wieder frei. Jahrzehnte später, am 25. Oktober 2011, versank Vernazza bei einer verheerenden Sturzflut unter mehr als vier Metern Schlamm und Geröll. Doch das massive Felsfundament der Kirche hielt den Wassermassen stand. So konnte das Gebäude gesäubert, instand gesetzt und als Mittelpunkt des Wiederaufbaus wieder für die Gemeinde geöffnet werden.
Ungewöhnlicher Grundriss und heilige Reliquien
Anders als bei traditionellen christlichen Kirchen, die man durch ein Westportal mit Blick zum Altar betritt, ist diese Anlage spiegelverkehrt ausgerichtet. Man betritt die Kirche durch ein Portal in der östlichen Apsis zur Piazza hin, eine Raumaufteilung, die nach dem Verlust der ursprünglichen Fassade im 19. Jahrhundert festgeschrieben wurde. Im Inneren blicken schmale Rundbogenfenster direkt auf das Mittelmeer. Bei Flut und starker Brandung hallt das Brechen der Wellen am Felsen unüberhörbar durch das Kirchenschiff.
Im Innenraum finden sich mehrere beachtliche Kunstwerke, darunter ein barocker Hochaltar von 1750, eine Prozessionstruhe aus dem 18. Jahrhundert und ein hölzernes Kruzifix, das dem genuesischen Bildhauer Anton Maria Maragliano zugeschrieben wird.
Die Legende der heiligen Margareta
Eine örtliche Überlieferung verbindet die spektakuläre Lage am Meer mit einem Wunder. Der Legende nach wurde einst ein kleines Holzkästchen mit einem Fingerknochen der heiligen Margareta an den Strand gespült. Die Dorfbewohner bauten daraufhin im Viertel Isolotto eine Kapelle für die Reliquie, doch ein schwerer Sturm zerstörte das Gebäude und riss das Kästchen zurück ins Meer. Als die Reliquie ein zweites Mal an den Felsen des Hafens angespült wurde, deuteten die Einheimischen dies als Zeichen, ihre Pfarrkirche für immer direkt an der Brandung zu erbauen.
Heute ist die Kirche das aktive Zentrum einer Pfarrei im römisch-katholischen Bistum La Spezia-Sarzana-Brugnato. Sie steht täglich für Gebet und Gottesdienste offen, dient als Kulisse für Hochzeiten und bildet den Mittelpunkt der Feierlichkeiten zum Patronatsfest der heiligen Margareta am 20. Juli.
FAQ
Warum liegt der Eingang der Kirche in der Apsis?
Im 16. und 17. Jahrhundert wurde die Kirche um zwei Joche nach Westen erweitert, wodurch die ursprüngliche mittelalterliche Fassade zerstört wurde. Im 19. Jahrhundert richtete man schließlich einen Eingang an der östlichen Apsisseite zur Piazza Guglielmo Marconi ein.
Wie überstand die Kirche die Sturzflut von 2011?
Bei der Flut vom 25. Oktober 2011, die Vernazza unter vier Metern Schlamm begrub, hielt das massive Felsfundament der Kirche dem Druck stand. So konnte sie gereinigt, restauriert und zum Symbol für den Wiederaufbau des Ortes werden.
Welche Legende erklärt die Lage der Kirche direkt am Meer?
Einer lokalen Legende nach wurde ein Kästchen mit einem Fingerknochen der heiligen Margareta zweimal an Land gespült. Nachdem eine erste Kapelle durch einen Sturm zerstört worden war, kehrte die Reliquie an die Felsen des Hafens zurück. Die Dorfbewohner sahen darin ein Zeichen, die Kirche direkt über dem Wasser zu errichten.




