
Palazzo dei Priori: Viterbos historischer Bürgerpalast
Bürgersitz an der Piazza del Plebiscito
An der Piazza del Plebiscito (historisch als Piazza del Comune bekannt) bildet der Palazzo dei Priori seit Jahrhunderten das administrative Herz von Viterbo. Strategisch platziert zwischen dem mittelalterlichen Viertel San Pellegrino und der Geschäftsstraße Corso Italia, verkörpert der Palast das bürgerliche Gegengewicht zum päpstlichen Machtzentrum im Palazzo dei Papi.
Die Schauseite des Renaissancepalastes wird von einem offenen Portikus im Erdgeschoss geprägt, dessen neun Rundbögen auf eleganten Säulen ruhen. Über die Via Filippo Ascenzi hinweg schlägt ein Bogen in luftiger Höhe die Brücke zum benachbarten Palazzo del Podestà samt seinem markanten Stadtturm. An der Fassade prangt die gemeißelte Heraldik von Papst Sixtus IV. della Rovere, eine Eiche unter der päpstlichen Tiara. Der Name des Kirchenoberhaupts ist bis heute unübersehbar in die äußeren Fensterarchitrave und die inneren Türstürze eingemeißelt.
Vom Papstsitz zum Rathaus
Seinen Ursprung nahm das Areal um 1264, als der öffentliche Platz erweitert wurde und Teile des Friedhofs von Sant’Angelo weichen mussten. Der Bau des heutigen Palastes begann um 1460 unter Papst Pius II., der das Gebäude als offizielle Residenz für den Statthalter des Patrimonium Petri in Tuszien vorsah.
Unter Papst Sixtus IV. mussten Viterbos bürgerliche Stadtoberen, die Prioren, ihren bisherigen Sitz räumen und in diesen Komplex umziehen. Ab 1510 wurde das Gebäude dann auch offiziell zur dauerhaften Zentrale der Prioren, was seine Rolle als administratives Herzstück der städtischen Selbstverwaltung endgültig festigte.
Innenhof und Brunnen aus Peperino
Hinter der Palastfassade öffnet sich ein hochgelegener Innenhof samt Garten, gesäumt von Bänken aus dunkelgrauem Peperino-Gestein, einer 1632 vollendeten Bogenloggia und liegenden etruskischen Sarkophagdeckeln. Von der Brüstung aus eröffnet sich ein weiter Blick über das Valle Faul.
Mitten im Hof plätschert ein kunstvoller Brunnen aus Peperino, der ab 1624 nach Entwürfen entstand, die dem Maler Filippo Caparozzi zugeschrieben werden. Auf der Brunnensäule klettern gemeißelte Löwen an einer Palme empor. Dieses Wappenmotiv erinnert an das Jahr 1172, als Viterbo die rivalisierende Nachbarstadt Ferento unterwarf und deren traditionelles Palmenemblem prompt in das eigene Löwenwappen aufnahm.
Die prachtvollen Fresken des Piano Nobile
Das Piano Nobile gliedert sich in eine Reihe reich ausgestalteter Säle, darunter die Sala Regia, die Sala del Consiglio (auch bekannt als Sala d’Ercole), die Sala della Madonna, die Sala dell'Aurora, die Sala dei Paesaggi und die Cappella Palatina mit sakralen Gemälden von Filippo Caparozzi und Marzio Ganassini.
Zwischen 1588 und 1592 erhielt die prunkvolle Sala Regia eine opulente manieristische Neugestaltung, um die bürgerliche Autorität gebührend in Szene zu setzen. Der Bologneser Maler Baldassarre Croce schuf die großformatigen Wandfresken, während Tarquinio Ligustri die bemalte Kassettendecke entwarf, die Viterbos 33 Vasallenburgen zeigt. Die erzählerischen Wandgemälde schildern legendenhafte Gründungsgeschichten rund um die biblische Gestalt Noah (der hier mit dem Gott Janus verschmolzen wurde) und Herkules. Mit echter antiker Mythologie hat das freilich wenig zu tun: Die Szenen basieren auf geschickten Geschichtsfälschungen, die der Dominikanermönch Annio da Viterbo im späten 15. Jahrhundert in Umlauf gebracht hatte.
Moderne Verwaltung und museale Schätze
Bis heute dient der Palazzo dei Priori als aktives Rathaus von Viterbo. Der Stadtrat tagt in der historischen Sala del Consiglio, während das Büro des Bürgermeisters in der angrenzenden Sala Rossa untergebracht ist. In der Sala dei Paesaggi, ehemals Sala delle Bandiere, finden standesamtliche Trauungen statt.
Das geteilte Fenster der Sala dei Paesaggi birgt ein einzigartiges Konstruktionsdetail: eine herausnehmbare Mittelsäule aus Stein (pilastrino mobile). So konzipiert, dass man sie für bedeutende Anlässe vorübergehend abmontieren kann, bot sie schon 1986 beim Besuch von Papst Johannes Paul II. freie Sicht und garantiert den besten Ausblick, wenn die hoch aufragende Macchina di Santa Rosa bei ihrer jährlichen Prozession auf die Piazza del Plebiscito einzieht.
Neben den historischen Repräsentationsräumen auf dem Piano Nobile steht Besuchern auch das Museo dei Portici offen. Als Außenstelle des Museo Civico Luigi Rossi Danielli präsentiert es bedeutende Altarbilder der Renaissance, darunter Sebastiano del Piombos Pietà und die Geißelung Christi.
FAQ
Welche historische Bedeutung hat der Brunnen im Innenhof?
Der 1624 begonnene Peperino-Brunnen, dessen Entwurf Filippo Caparozzi zugeschrieben wird, zeigt Löwen, die an einer Palme emporklettern. Dieses Bildmotiv erinnert an die Zerstörung des benachbarten Ferento durch Viterbo im Jahr 1172, woraufhin Ferentos Palmemsymbol in das Stadtwappen von Viterbo übernommen wurde.
Worauf beruhen die Gründungsfresken in der Sala Regia?
Die Wandgemälde von Baldassarre Croce, die Viterbos Ursprünge auf Noah (Janus) und Herkules zurückführen, basieren auf literarischen Fälschungen der Renaissance, die der Dominikanermönch Annio da Viterbo im späten 15. Jahrhundert veröffentlicht hatte.
Welche Kunstwerke beherbergt das Museo dei Portici des Palastes?
Das im Komplex untergebrachte Museo dei Portici, eine Außenstelle des Museo Civico Luigi Rossi Danielli, hütet zwei bedeutende Renaissance-Gemälde von Sebastiano del Piombo: die Pietà und die Geißelung Christi.
Warum hat das Fenster in der Sala dei Paesaggi eine herausnehmbare Säule?
Die Mittelsäule (*pilastrino mobile*) wurde so konstruiert, dass sie bei großen bürgerlichen und religiösen Festen herausgenommen werden konnte. Das schuf freie Sicht bei Anlässen wie Papstbesuchen oder dem jährlichen Einzug der Prozession der Macchina di Santa Rosa auf die Piazza del Plebiscito.




