
Zitadellentor: Ulcinjs historischer Festungseingang
Architektonische Schichten des Zitadellentors
Das Zitadellentor, historisch als Oberes Tor (Gornja kapija) bekannt, thront auf einem felsigen Kap über der südlichen Adria und dient als wichtigster landseitiger Zugang zur befestigten Altstadt (Kalaja) von Ulcinj. Das Tor ist Teil eines spätantiken Doppeltorsystems und liegt genau gegenüber dem meerseitigen Unteren Tor (Donja kapija).
Der steinerne Torbogen ist in gewaltige Wehrmauern eingefasst, an denen sich Jahrhunderte militärischer Baukunst ablesen lassen. Sein Fundament ruht auf mächtigen Zyklopenblöcken aus dem 5. und 4. Jahrhundert v. Chr., behauen von illyrischen Baumeistern und griechischen Steinmetzen aus Epirus. Über die Jahrhunderte erneuerten römische und byzantinische Ingenieure dieses antike Mauerwerk, die Republik Venedig verstärkte es mit Bastionen und einer Ravelin-Rampe, und die Osmanen bauten es abermals um. Unter dem schattigen Gewölbe glänzt das abschüssige Kopfsteinpflaster (kaldrma) bis heute uneben und spiegelglatt, blankpoliert von den Sohlen zahlloser Wachsoldaten und Bürger.
Jahrhunderte strategischer Verteidigung
Ulcinjs Festungsanlagen wuchsen mit dem ständigen Wechsel der Herrscher. Nach einem verheerenden Erdbeben im 5. Jahrhundert n. Chr. zog die byzantinische Verwaltung die Stadtmauer im 6. Jahrhundert neu und legte den landseitigen Eingang endgültig an dieser Stelle fest.
Zwischen 1405 und 1571 hielt die Republik Venedig die Festung. Die Venezianer zogen neue Kurtinen hoch, errichteten wehrhafte Bastionen und vorgelagerte Wehranlagen, um moderner Belagerungsartillerie standzuhalten. 1571 übernahmen schließlich die Osmanen die Zitadelle. Unter ihrer Herrschaft sicherte das Tor einen befestigten Stützpunkt, der bald im gesamten Mittelmeerraum berüchtigt war: als sicherer Hafen für Kaperfahrer und Piratenflotten, die von hier aus die Adria unsicher machten.
Denkmäler und Legenden an der Schwelle
Direkt vor dem äußeren Zugang versammeln sich weltliche wie sakrale Zeugnisse der Vergangenheit. Ein steinerner Trinkbrunnen (česma) aus dem Jahr 1749 versorgte schon damals Reisende vor dem Ravelin mit frischem Wasser, bevor sie das Innere der Festung betraten.
Gleich vor dem Torbogen steht eine kleine osmanische Kuppelgrabstätte (turbe). Einer lokalen Legende nach ruhen hier zwei Brüder oder Waffenbrüder, die sich aus Liebe zu derselben Frau ein tödliches Duell lieferten. Bis heute schieben Vorbeigehende kleine Münzen durch das Fenstergitter des Grabs, um das Glück auf ihre Seite zu ziehen. Bei Ausgrabungen am Tor trat außerdem ein Steinsockel aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. zutage, versehen mit einer altgriechischen Widmung: Die örtliche Steinmetzgilde hatte ihn einst Artemis Elafavoli gestiftet, der Göttin der Jagd.
Eingang zur oberen Zitadelle
Heute ist das Zitadellentor nach wie vor das wichtigste Nadelöhr für Fußgänger, das das obere Parkplatzplateau mit dem historischen Kern verbindet. Wer den Bogen durchschreitet, steht direkt in der Oberstadt (Gornji Grad), jenem geschichtsträchtigen Zitadellenviertel, in dem sich der Balšić-Turm, der Sklavenplatz (Trg robova) und die ehemalige Kirche-Moschee befinden, die heute das Archäologische Museum beherbergt.
Weil das Tor auf dem höchsten Punkt der Siedlung liegt, markiert es den Auftakt für den klassischen Festungsrundgang: Von hier aus schlenderst du durch das uralte Gassengewirr stetig bergab bis zum Unteren Tor an der Mala Plaža.
FAQ
Wie lautet der historische Name des Zitadellentors in Ulcinj?
Das Tor ist historisch als Oberes Tor (Gornja kapija) bekannt und bildet das landseitige Gegenstück zum meerseitigen Unteren Tor (Donja kapija).
Welche Epochen spiegeln sich in der Architektur des Tores wider?
Die Wehranlage vereint zyklopische Grundmauern der Illyrer und Griechen aus dem 5. und 4. Jahrhundert v. Chr., byzantinische Umbauten aus dem 6. Jahrhundert, venezianische Bastionen und Ravelin-Mauern aus dem 15. und 16. Jahrhundert sowie spätere osmanische Verstärkungen.
Welche Bauten befinden sich unmittelbar vor dem Zitadellentor?
Vor dem äußeren Zugang zum Tor befinden sich ein steinerner osmanischer Trinkbrunnen (česma) von 1749 und eine kleine osmanische Grabstätte (turbe), um die sich eine lokale Legende über ein tödliches Duell zweier Brüder rankt.
Ist das Zitadellentor öffentlich zugänglich?
Das Tor dient als öffentlicher Fußgängereingang zur Altstadt von Ulcinj und ist rund um die Uhr frei zugänglich.




