Heimatmuseum Ulcinj: Die Kirchenmoschee - Ulcinj
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Ziel

Heimatmuseum Ulcinj: Die Kirchenmoschee

Ulcinj, Montenegro

Auf dem oberen Plateau innerhalb der befestigten Altstadt (Kalaja) von Ulcinj liegt das Heimatmuseum, direkt neben dem Nordtor und dem historischen Sklavenplatz (Trg Robova). Eingerahmt von 2.500 Jahre alten Festungsmauern ist das Bauwerk selbst ein architektonischer Hybrid, bekannt als die Kirchenmoschee (Crkva-Džamija oder Kishë-Xhamia). Seit 1975 beherbergt es die archäologische Sammlung des Kulturzentrums von Ulcinj und erzählt von der illyrischen, römischen, venezianischen, slawischen und osmanischen Epoche der Stadt.

Architektur und wechselnde Nutzung

Der Bau entstand ursprünglich 1510 unter venezianischer Herrschaft als katholische Marienkirche, errichtet aus Kalkstein im Renaissance-Stil über den Fundamenten einer noch älteren Kirche. Nach der osmanischen Eroberung der Stadt im Jahr 1571 wandelte man das Gotteshaus in eine Moschee um, bekannt als Kaisermoschee (Xhamia Mbretërore), gewidmet Sultan Selim II. Im Jahr 1693 stiftete Hajji Halil Skura den Anbau eines Minaretts an der Außenseite, dessen quadratischer Sockel sich nach oben hin elegant verjüngt.

Entgegen der beliebten Legende einer gleichzeitigen interreligiösen Nutzung belegen historische Quellen, dass das Gebäude schlicht nacheinander von den jeweiligen Herrschern umgewidmet wurde. Ende 1880 verstummten die öffentlichen Gebete im Inneren endgültig, nachdem Ulcinj infolge des Berliner Vertrages an Montenegro abgetreten worden war.

Die Korsarenversammlung und der Sklavenplatz

Während der osmanischen Seeherrschaft erfüllte das Ensemble neben seiner religiösen Funktion auch wichtige weltliche und militärische Aufgaben. Die Moschee und die angeschlossene Schule (Maktab) dienten als Versammlungssaal, in dem Ulcinjs Kapitäne und Korsaren (Reis) zusammenkamen, um Kaperfahrten zu planen und die Geschicke der Stadt zu lenken.

Das Museumsgelände öffnet sich direkt zum Sklavenplatz. Im 17. und 18. Jahrhundert nutzten die Korsaren diesen Ort, um Lösegelder für Gefangene direkt mit deren Familien auszuhandeln, anstatt sie einfach als Sklaven zu verkaufen. Im Laufe der Zeit ließen sich viele Freigelassene im Festungsviertel nieder und begründeten eine afro-ulcinjische Gemeinschaft.

Archäologische Sammlungen

Im Inneren der einstigen Kirchenmoschee zeichnen Exponate die antike und mittelalterliche Geschichte der Region nach. Zu den bemerkenswertesten prähistorischen Funden gehören zwei Steinäxte aus der Bronzezeit sowie Sammlungen illyrischer Keramik. Die Antike wird durch einen hellenistischen Sockel mit griechischer Weihung an die Göttin Artemis und eine gravierte antike Kamee lebendig.

Mittelalterliche und spätere Epochen dokumentieren Fragmente eines Kirchenziboriums aus dem 9. Jahrhundert sowie lateinische und osmanisch-arabische Steininschriften. Zur Sammlung gehören auch lokale mittelalterliche Bronzemünzen (Folari) mit der Prägung CIVITAS DUCIGNI, die auf der Vorderseite eine dreitürmige Festung und auf der Rückseite wahlweise das Lamm Gottes oder die Jungfrau Maria zeigen.

Museumskomplex und Denkmalpflege

Der archäologische Bereich ist Teil eines größeren städtischen Museumskomplexes, der vom Kulturzentrum Ulcinj betreut wird. Dazu gehören auch der Balšić-Turm, der heute als Kunstgalerie dient, ein Gebäude mit ethnologischen Ausstellungen sowie ein Lapidarium unter freiem Himmel auf dem angrenzenden Platz.

Im Jahr 2025 stellten die montenegrinischen Behörden Denkmalschutzmittel bereit, um das Dach und die historische Bausubstanz zu sichern. Die regulären Öffnungszeiten und der Zugang zum Innenraum hängen derzeit von diesen laufenden Erhaltungsmaßnahmen ab.

FAQ

Warum wird das Gebäude Kirchenmoschee genannt?

Es wurde 1510 als venezianische katholische Marienkirche erbaut und 1571 in die Kaisermoschee von Sultan Selim II. umgewandelt. Das Gebäude wurde von den jeweiligen Herrschern nacheinander umgewidmet und nicht etwa von beiden Religionen gleichzeitig genutzt.

Welche historische Rolle spielte das Gebäude für die örtlichen Korsaren?

Während der osmanischen Seeherrschaft nutzten Schiffskapitäne und Korsaren die Moschee und ihre Schule als Versammlungsort, um Kaperfahrten zu planen und die Stadt zu verwalten. Zudem grenzt sie direkt an den Sklavenplatz, auf dem Korsaren Lösegelder für Gefangene verhandelten.

Welche Fundstücke sind im Museum zu sehen?

Die archäologische Sammlung umfasst zwei Steinäxte aus der Bronzezeit, illyrische Keramik, einen hellenistischen Sockel mit einer Weihung an Artemis, Fragmente eines Kirchenziboriums aus dem 9. Jahrhundert sowie mittelalterliche Bronzemünzen mit der Prägung CIVITAS DUCIGNI.

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