Ziel

Altstädtisches Rathaus Toruń: Mittelalterliche Architektur und Museum

Torun, Poland

Das Altstädtische Rathaus von Toruń war ein echtes Multitalent: Es bündelte das gesamte bürgerliche und geschäftliche Leben der Stadt unter einem einzigen, monumentalen Dach. Mitten auf dem Altstädtischen Markt gelegen, misst der vierflügelige gotische Backsteinbau 44 mal 52 Meter und gehört seit 1997 zum UNESCO-Welterbe.

Ein gotisches Meisterwerk bürgerlicher Baukunst

Die Ursprünge des Komplexes liegen in verschiedenen Nutzbauten des 13. Jahrhunderts, darunter eine Tuchhalle und diverse Marktstände. Zwischen 1391 und 1399 verschmolz Baumeister Andreas diese verstreuten Gebäude zu einem monumentalen, geschlossenen gotischen Viereck. Die Architektur orientierte sich stark an flämischen Vorbildern. In den Jahren 1602 und 1603 stockte der flämische Architekt Antoni van Obbergen das Gebäude um ein drittes Geschoss auf und fügte markante manieristische Ecktürmchen hinzu, ohne den gotischen Grundcharakter anzutasten.

Im Großen Nordischen Krieg entfachte schwedischer Artilleriebeschuss 1703 ein verheerendes Feuer, das die hohen Dächer, die Ziergiebel und den schlanken gotischen Turmhelm zerstörte. Beim Wiederaufbau erhielt das Rathaus seine heutige, etwas gedrungenere Silhouette. Die schweren, roten Backsteinmauern heben sich bis heute effektvoll von den hellen Sandsteintürmchen und den verzierten Fenstergewänden ab.

Die Legende vom gebauten Kalender

Der Volksmund will wissen, dass das Altstädtische Rathaus als riesiger Kalender aus Stein konzipiert wurde. Der Legende nach steht der einzelne Turm für das Jahr. Die vier breiten Tore, die in den gepflasterten Innenhof führen, symbolisieren die vier Jahreszeiten. Im Inneren entsprechen zwölf große Säle den Monaten, während 365 Fenster für die Tage stehen.

Die Sammlungen des Bezirksmuseums

Heute dient das Gebäude als Hauptsitz des Bezirksmuseums Toruń. In den Ausstellungsräumen begegnet dir gotische Kunst, darunter Glasmalereien aus dem 14. Jahrhundert, neben archäologischen Funden der Region und Zeugnissen alten Zunfthandwerks. Im Königssaal hängen historische Porträts polnischer Monarchen sowie ein berühmtes anonymes Bildnis von Nikolaus Kopernikus.

Die Räume atmen auch ein Stück tragische Königsgeschichte: 1501 starb hier der polnische König Johann I. Albrecht. Während sein Leichnam in die Wawel-Kathedrale nach Krakau überführt wurde, fand sein Herz die letzte Ruhe vor Ort, in der Toruńer Kathedrale St. Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist.

Der Rathausturm und der Marktplatz

Der 40 Meter hohe, quadratische Turm ist als Aussichtsplattform für Besucher geöffnet. Von oben überblickst du das rechtwinklige Schachbrettmuster der mittelalterlichen Gassen, ein Meer aus roten Ziegeldächern, die Weichsel und das Treiben auf dem Altstädtischen Markt. Der Platz wurde Mitte des 13. Jahrhunderts abgesteckt und bildet das Herzstück der Stadt, umrahmt von historischen Wahrzeichen wie dem Haus unter dem Stern, dem Artushof und dem bronzenen Kopernikus-Denkmal von 1853.

FAQ

Was befindet sich im Altstädtischen Rathaus in Toruń?

Das Gebäude beherbergt das Bezirksmuseum Toruń. Zu den Sammlungen gehören eine Galerie gotischer Kunst, lokales Zunfthandwerk, ein berühmtes anonymes Porträt von Nikolaus Kopernikus und der Königssaal mit historischen Bildnissen polnischer Herrscher.

Kann man den Turm des Altstädtischen Rathauses besteigen?

Ja, der 40 Meter hohe Turm ist als Aussichtsplattform öffentlich zugänglich und bietet einen Panoramablick auf die mittelalterlichen Straßen von Toruń, die Weichsel und den Altstädtischen Markt.

Was hat es mit der Kalenderlegende des Altstädtischen Rathauses auf sich?

Einer lokalen Legende nach wurde das Rathaus als architektonischer Kalender konzipiert: Der einzelne Turm steht für das Jahr, die vier Tore für die Jahreszeiten, die zwölf Säle für die Monate und die 365 Fenster für die Tage.

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