Ziel

Dom St. Johannes in Toruń: Glocken und Kopernikus

Torun, Poland

Ein Denkmal aus Backstein und Glauben

Wie ein gewaltiger Anker ragt die Kathedralbasilika St. Johannes der Täufer und St. Johannes der Evangelist am Ende der Żeglarska-Straße in Toruń auf: eine monumentale gotische Hallenkirche aus rotem Backstein. Der Bau begann Mitte des 13. Jahrhunderts und zog sich über rund 200 Jahre hin. Das Bauwerk trumpft mit einem 52 Meter hohen Westturm auf, während im Inneren kühn geschwungene Sterngewölbe, Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert und dunkle Ziegelpfeiler mit kunstvoll gemeißelten Epitaphen wohlhabender Kaufleute den Ton angeben.

Bürgerzentrum und die Kopernikus-Verbindung

Historisch war die Kathedrale das religiöse und gesellschaftliche Herzstück der wohlhabenden Hansekaufleute von Toruń. Bis ins frühe 16. Jahrhundert wurden die Stadtratswahlen sogar direkt im Kirchenschiff abgehalten.

Die Kathedrale ist eng mit dem Astronomen Nikolaus Kopernikus verknüpft, der 1473 hier getauft wurde. In der Kopernikus-Kapelle steht noch immer das originale steinerne Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert, neben der ältesten bekannten Büste des Gelehrten aus dem Jahr 1766. Gleich hinter dieser Kapelle ruht zudem das Herz des polnischen Königs Johann I. Albrecht, der 1501 verstarb.

Die Glocke Tuba Dei und die Uhr Digitus Dei

Im Turm der Kathedrale hängt die Tuba Dei (Gottesposaune), eine kolossale, 7,2 Tonnen schwere Glocke, die traditionell auf das Jahr 1500 datiert wird. Der Legende nach ließen die Bürger das Riesending gießen, um eine prophezeite biblische Apokalypse abzuwenden. Während der Besatzungen im 18. Jahrhundert zahlten die Toruńer Kaufleute den schwedischen Truppen sogar ein stolzes Lösegeld, nur damit die Glocke nicht geplündert und eingeschmolzen wurde. Wenn sie heute zu seltenen Anlässen erklingt, erzeugt sie ein tiefes, dumpfes Grollen, das den gesamten Holzstuhl und das Mauerwerk spürbar erzittern lässt.

An der Südseite des Turms, mit Blick auf die Weichsel, befindet sich die Uhr Digitus Dei (Gottesfinger). Diese sogenannte Flößeruhr besitzt nur einen einzigen Stundenzeiger in Form eines ausgestreckten Zeigefingers, perfekt gestaltet, damit die Schiffer auf dem Fluss die Zeit selbst aus der Ferne mühelos ablesen konnten.

Die Kathedrale heute besuchen

1935 zur Basilica minor erhoben und 1992 zur Kathedrale ernannt, ist die Kirche bis heute der aktive Bischofssitz der römisch-katholischen Diözese Toruń. Der Innenraum steht Besuchern offen. Wer eine bessere Aussicht sucht, kann sich ein Ticket für den Turmaufstieg holen: Vorbei an der gewaltigen Tuba Dei geht es hinauf zu einer Aussichtsplattform mit weitem Panoramablick über die Altstadt und die Weichsel. Einer lokalen Tradition zufolge geht übrigens ein Wunsch in Erfüllung, wenn du beim Aufstieg den 200 Kilogramm schweren Klöppel der Glocke mit der linken Hand berührst.

FAQ

Kann man den Turm des Doms St. Johannes besteigen?

Ja. Während der Eintritt in den Innenraum kostenlos ist, benötigst du für den 52 Meter hohen Westturm ein separates Ticket. Der Weg führt direkt an der gewaltigen Tuba-Dei-Glocke vorbei hinauf zu einer Aussichtsplattform mit Panoramablick über die Stadt.

Warum hat die Uhr der Kathedrale nur einen Zeiger?

Die Uhr Digitus Dei (Gottesfinger) an der Außenfassade des Turms besitzt nur einen einzigen Stundenzeiger in Form eines ausgestreckten Fingers. Sie wurde so konstruiert, damit Flößer und Schiffer auf der Weichsel die Uhrzeit schon von Weitem problemlos ablesen konnten.

Was ist die Glocke Tuba Dei?

Die Tuba Dei ist eine gewaltige, 7,2 Tonnen schwere Glocke, die um 1500 gegossen wurde. Einer lokalen Überlieferung zufolge gaben die Bürger sie in Auftrag, um die biblische Apokalypse abzuwenden. Wenn sie schlägt, erzeugt sie ein tiefes Grollen, das den gesamten Turm zum Vibrieren bringt.

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