Primatialpalais: Geschichte, Wandteppiche und Guide - Bratislava
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Primatialpalais: Geschichte, Wandteppiche und Guide

Bratislava, Slovakia

Klassizistische Architektur am Primatialplatz

Erbaut zwischen 1778 und 1781 nach Plänen des Architekten Melchior Hefele, gilt das Primatialpalais (Primaciálny palác) als herausragendes Meisterwerk des Klassizismus. In Auftrag gegeben hat es Kardinalerzbischof József Batthyány als standesgemäße Winterresidenz für das Erzbistum Gran (Esztergom), zu einer Zeit, als Bratislava noch Krönungsstadt des Königreichs Ungarn war. Direkt hinter dem Alten Rathaus am Primatialplatz gelegen, schlägt das Palais die Brücke zwischen dem bürgerlichen Kern der Stadt und dem historischen Krönungsweg.

Die symmetrische, in elegantem Rosa und Weiß gehaltene Fassade wird von einer Attikabalustrade gekrönt, auf der allegorische Statuen von J. Kögler und F. Prokop sowie Zierurnen aus Stein von J. A. Messerschmidt thronen. Im mächtigen Giebelfeld prangt das erzbischöfliche Wappen, überragt von einem gusseisernen Kardinalshut mit einem Meter Durchmesser und stattlichen 150 Kilogramm Gewicht. Die Putten an den Flanken halten die Buchstaben „I“ und „C“ empor, das persönliche Motto von Kardinal Batthyány: Iustitia et Clementia (Gerechtigkeit und Milde).

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Primatialpalais
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Der Frieden von Pressburg und Europas Geopolitik

Hinter diesen Mauern wurde europäische Geschichte geschrieben. Der wohl bedeutendste Moment ereignete sich am 26. Dezember 1805: Nach der verheerenden Niederlage in der Schlacht bei Austerlitz unterzeichneten Vertreter des napoleonischen Frankreichs und des Kaisertums Österreich im Spiegelsaal (Zrkadlová sieň) den Frieden von Pressburg. Der Vertrag besiegelte das Ende des Dritten Koalitionskriegs und leitete zugleich die Auflösung des Heiligen Römischen Reiches im darauffolgenden Jahr ein.

Jahrzehnte später tagte hier der Ungarische Landtag. Im April 1848 setzte König Ferdinand im Palais seine Unterschrift unter die historischen Aprilgesetze, die weitreichende Reformen brachten, allen voran die formelle Abschaffung der Leibeigenschaft.

Die wiederentdeckten englischen Wandteppiche

Im August 1903 verkaufte die katholische Kirche das Palais an die Stadt Bratislava. Bei den anschließenden Renovierungsarbeiten machten Arbeiter in einem Vorzimmer eine spektakuläre Entdeckung: Hinter einer Wandverkleidung stießen sie auf einen geheimen Hohlraum. Darin verborgen lagen sechs englische Bildteppiche aus dem 17. Jahrhundert, gewebt in den berühmten Mortlake Tapestry Works nahe London.

Die nach Entwürfen von Francis Cleyn gewebten Gobelins erzählen den griechischen Mythos von Hero und Leander. Bis heute ist dieser Zyklus der weltweit einzig bekannte vollständige Satz dieser Serie, der die Jahrhunderte überstanden hat.

Aktuelle Nutzung und Besucherinfos

Heute dient das Primatialpalais als offizieller Amtssitz des Oberbürgermeisters von Bratislava und als Tagungsort des Stadtrats. Die Beletage beherbergt fünf monochrome Salons (in Grün, Braun, Blau, Rot und Gold), ein verglastes Oratorium mit Blick in die St.-Ladislaus-Kapelle sowie den glanzvollen Spiegelsaal, in dem bis heute Staatsempfänge, Kammerkonzerte und Trauungen stattfinden. Im Innenhof plätschert ein Brunnen mit einer Figur des heiligen Georg aus dem 17. Jahrhundert, der den Drachen bezwingt. Der Legende nach dreht sich der Heilige jedes Jahr am Georgstag auf seinem Pferd um und verbeugt sich vor den Bürgern der Stadt.

Die Fassade und der steinerne Innenhof sind von außen frei zugänglich. Wer die Innenräume erkunden möchte, darunter den Spiegelsaal, die monochromen Salons und die kostbaren Wandteppiche, benötigt ein Ticket der Galerie der Stadt Bratislava.

FAQ

Welcher bedeutende historische Vertrag wurde im Primatialpalais unterzeichnet?

Am 26. Dezember 1805 wurde im Spiegelsaal der Frieden von Pressburg zwischen dem napoleonischen Frankreich und dem Kaisertum Österreich unterzeichnet, womit der Dritte Koalitionskrieg endete.

Was macht die Wandteppiche im Primatialpalais so einzigartig?

Die 1903 in einem geheimen Wandhohlraum entdeckten sechs englischen Bildteppiche aus dem 17. Jahrhundert stammen aus den Mortlake Tapestry Works. Sie zeigen die Sage von Hero und Leander und bilden den weltweit einzigen vollständig erhaltenen Zyklus dieser Serie.

Ist der Eintritt in das Primatialpalais kostenlos oder kostenpflichtig?

Der Blick auf die Fassade und der Zugang zum Innenhof sind kostenlos. Für die Besichtigung der Prunkräume, des Spiegelsaals und der Ausstellungen der Galerie der Stadt Bratislava benötigst du eine Eintrittskarte.

Tours featuring Primatialpalais: Wo Napoleons Frieden von Pressburg besiegelt wurde

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