
Martinsdom: Krönungsstätte von Bratislava
Der Martinsdom (Katedrála svätého Martina) am Rudnayovo námestie, direkt am Fuße des Burgbergs, ist die Bischofskirche des römisch-katholischen Erzbistums Bratislava. Entstanden über einer romanischen Erlöserkirche aus dem 13. Jahrhundert samt Pfarrfriedhof, begannen die Arbeiten an der gotischen Kathedrale Anfang des 14. Jahrhunderts. Geweiht wurde sie schließlich 1452. Weil man sie geschickt in die mittelalterliche Stadtbefestigung einbettete, diente ihr wehrhafter Westturm einst als waschechte Bastion.
Die Zeit der königlichen Krönungen
Nachdem die Osmanen Zentralungarn erobert hatten und die historische Krönungsstadt Székesfehérvár 1526 fiel, stieg Bratislava zum administrativen Zentrum und Zufluchtsort Ungarns auf. Zwischen 1563 und 1830 diente der Martinsdom als offizielle Krönungskirche des Königreichs Ungarn. In dieser Epoche empfingen hier zehn Könige, sieben Königsgemahlinnen und eine regierende Königin ihre Weihen: Maria Theresia, gekrönt am 25. Juni 1741.
Den Auftakt machte 1563 Maximilian II., den Schlusspunkt setzte 1830 Ferdinand V. An die historischen Krönungsumzüge durch die Gassen erinnern noch heute kleine Messingkronen im Pflaster der Altstadt. Sie weisen den Weg vom Dom über den Hauptplatz bis zur Franziskanerkirche.




Bratislava-Rundgang mit Audio und Quizfragen: Ungarns Krönungsstadt
2 Stunden8 StationenAudioguideStarte an jedem Tag, in deinem TempoTicket auf dem Handy · 30 Tage RückerstattungGotische Baukunst und die Krone auf der Spitze
Die dreischiffige Kathedrale misst 69,37 Meter in der Länge, 22,85 Meter in der Breite und 16,02 Meter in der Höhe, überragt von einem markanten, 85 Meter hohen Turm. Statt eines schlichten christlichen Kreuzes thront auf der Turmspitze eine 300 Kilogramm schwere, vergoldete Nachbildung der ungarischen Stephanskrone, gebettet auf einem Kissen. Eine lokale Legende behauptet gern, dieses Kissen sei groß genug für eine ganze Pferdekutsche. In Wirklichkeit misst die Unterlage allerdings nur etwa 1,20 mal 1,35 Meter.
Der Turm blickt auf eine bewegte Geschichte baulicher Verwandlungen zurück. 1760 schlug der Blitz in die ursprüngliche gotische Spitze ein, ihr barocker Nachfolger fiel 1835 den Flammen zum Opfer. 1847 baute man den Turm im neugotischen Stil wieder auf, um die vergoldete Kronenreplik zu tragen. Zwischen 1869 und 1877 unterzog man schließlich auch das Innere einer gründlichen Regotisierung.
Bleistatuen und unterirdische Krypten
Im Kircheninneren zieht eine barocke Skulptur des heiligen Martin aus dem 18. Jahrhundert die Blicke auf sich: Sie zeigt den Heiligen, wie er seinen Mantel mit einem Bettler teilt. Geschaffen hat sie der österreichische Bildhauer Georg Raphael Donner zwischen 1734 und 1744 für den damaligen Hochaltar. Gegossen wurde das Werk nicht aus herkömmlicher Bronze oder Stein, sondern aus Blei. Es gilt damit als Mitteleuropas erste monumentale, säkularisierte Sakralskulptur aus diesem Metall.
Unter dem Kirchenboden führen schmale, steile Steinstufen bis zu sechs Meter tief in Grabgewölbe hinab. Hier unten kühlt die Luft merklich ab, während man an stillen Reihen steinerner Grabplatten vorbeischreitet.
Stadtumbau und heutiges Leben
Geografisch markiert der Martinsdom den Übergang von den Fußgängerzonen des mittelalterlichen Kerns rund um die Straßen Kapitulská und Panská hinauf zur Burg. In den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren machten sozialistische Stadtplaner jedoch kurzen Prozess: Sie rissen das historische jüdische Viertel, den Fischplatz und die maurische neologe Synagoge von 1893 kurzerhand ab, um einer vierspurigen Zubringerstraße zur Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes (SNP) Platz zu machen. Seither rauscht der Verkehr in hoher Geschwindigkeit direkt an den Dommauern vorbei. An das verlorene Erbe erinnern auf der freigeräumten Fläche heute ein Holocaust-Mahnmal und die Umrisse der Synagoge.
Heute erfüllt der Dom nach wie vor seine liturgische Aufgabe: Werktags finden römisch-katholische Messen auf Slowakisch statt, sonntags auf Latein. Außerhalb der Gottesdienste stehen das Hauptschiff, die Schatzkammer und die Krypten für Entdeckungstouren offen. Zudem bildet das Gotteshaus die Kulisse für die jährlichen Krönungsfeierlichkeiten der Stadt, bei denen historische Zeremonien in prachtvollen Originalgewändern wieder aufleben.
FAQ
Warum thront eine Krone auf der Spitze des Martinsdoms?
Eine 300 Kilogramm schwere, vergoldete Replik der Stephanskrone ziert die 85 Meter hohe Turmspitze. Sie erinnert an die historische Rolle des Doms als offizielle Krönungskirche des Königreichs Ungarn zwischen 1563 und 1830.
Welche Monarchen wurden im Martinsdom gekrönt?
Im Dom wurden zehn Könige, sieben Königsgemahlinnen und eine regierende Königin gekrönt: Maria Theresia. Den Auftakt machte 1563 Maximilian II., die letzte Krönung fand 1830 für Ferdinand V. statt.
Was macht die Statue des heiligen Martin im Dom so besonders?
Die barocke Skulptur des heiligen Martin, wie er seinen Mantel teilt, stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde von Georg Raphael Donner geschaffen. Da sie aus Blei statt aus Bronze oder Stein gegossen wurde, gilt sie als Mitteleuropas erste monumentale, säkularisierte Sakralskulptur aus diesem Metall.
