Pfarrkirche St. Martin in Bled, Slowenien - Bled
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Pfarrkirche St. Martin in Bled, Slowenien

Bled, Slovenia

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Martin (Župnijska cerkev sv. Martina) liegt direkt am Fuß des steilen Burgfelsens im slowenischen Bled. Sie befindet sich in Grad, dem ältesten mittelalterlichen Dorf unter jenen Siedlungen, aus denen das moderne Bled hervorging. Damit schlägt die Kirche eine architektonische Brücke zwischen der Seepromenade und den Pfaden hinauf zur Burg Bled. Ihre schlanke neugotische Spitze ragt vor der dunklen Kalksteinwand empor, während das Geläut ihrer Glocken über die Hänge widerhallt.

Ein Jahrtausend Geschichte

Schon vor dem Jahr 1000 versammelten sich hier Gläubige in einer Kapelle aus Holz und Stein samt Krypta. Im 14. und 15. Jahrhundert wich diese Urkapelle einem gotischen Bauwerk, dessen Chor um 1440 ein kunstvolles Sterngewölbe erhielt. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts zogen die Bewohner eine wehrhafte Ringmauer aus Stein um den Friedhof, einen sogenannten Tabor, der Schutz vor osmanischen Raubzügen bot. Teile dieser Verteidigungsanlage sind bis heute auf dem Gelände erhalten.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die gotische Kirche in einem bedenklichen Zustand. Der Kirchenboden hatte sich so weit unter das Niveau des umgebenden Friedhofs abgesenkt, dass Gemeindemitglieder den Gang ins Schiff eher mit dem Abstieg in einen Keller verglichen. 1903 riss die Gemeinde den baufälligen gotischen Bau schließlich ab, um Platz für das heutige Gotteshaus zu schaffen.

Neugotische Architektur und Ausstattung

Den Entwurf für die heutige neugotische Kirche lieferte der österreichische Architekt Friedrich von Schmidt, bekannt durch das Wiener Rathaus. Architekt Josip Vancaš passte die Raumaufteilung im Inneren an, ehe das Laibacher Bauunternehmen Gustav Tönnies das Gebäude zwischen 1903 und 1905 errichtete. Am 27. August 1905 weihte Fürstbischof Anton Bonaventura Jeglič die Kirche feierlich ein.

Im Inneren treffen leuchtende Wandmalereien auf hellen Werkstein. Der Bildhauer Ivan Vurnik aus Radovljica fertigte die Altäre und das Mobiliar aus Carrara-Marmor. Auf der Chorempore beherbergt die Kirche eine Orgel mit 32 Registern, die 1910 vom Laibacher Orgelbauer Ivan Milavec geschaffen wurde.

Fresken von Slavko Pengov und politische Kritik

Zwischen 1932 und 1937 stattete der akademische Maler Slavko Pengov das Langhaus und den Altarraum mit umfangreichen Freskenzyklen aus. Dabei brachte Pengov eine unerwartete politische Botschaft in die biblische Bildwelt ein: In seiner Szene des Letzten Abendmahls trägt die Figur des Judas Iskariot unverkennbar die Gesichtszüge des Bolschewikenführers Wladimir Lenin, ein unübersehbarer Ausdruck der antibolschewistischen Haltung des Künstlers.

Die Mariensäule von Jože Plečnik

Draußen im Kirchhof steht eine steinerne Mariensäule mit einer Statue der Muttergottes und des Jesuskinds. Der berühmte slowenische Architekt Jože Plečnik entwarf das Monument 1934, Bildhauer Božidar Pengov schuf die Skulptur. Ursprünglich stand die Säule bei der Villa Epos, ehe sie nach 1965 an ihren heutigen Platz im Kirchhof versetzt wurde. Auf der Rückseite von Marias Mantel verbirgt sich ein historischer Vorläufer des slowenischen Staatswappens: die dreigezackte Silhouette des Berges Triglav unter dem sechszackigen Stern der Grafen von Cilli.

Heutige Rolle der Pfarrei und Pilgerwege

Bis heute ist St. Martin die lebendige Mutterkirche der Pfarrei Bled. Neben regelmäßigen Messen, Hochzeiten und geistlichen Konzerten öffnet sie tagsüber ihre Türen für Kulturinteressierte. Der Kirchplatz bildet zudem die Kreuzung dreier Pilgerrouten: des Jakobswegs (Pot sv. Jakoba), des europäischen Kulturwegs des heiligen Martin (Via Sancti Martini) und des Hemmapilgerwegs (Emina romarska pot).

FAQ

Wer hat die Kirche St. Martin in Bled entworfen?

Die Kirche wurde vom österreichischen Architekten Friedrich von Schmidt entworfen. Die Raumaufteilung im Inneren passte Josip Vancaš an.

Warum ist Wladimir Lenin in den Kirchenfresken zu sehen?

Der Maler Slavko Pengov verlieh Judas Iskariot in seinem Abendmahl-Fresko aus den 1930er-Jahren die Gesichtszüge von Wladimir Lenin, um damit seine antibolschewistische Haltung auszudrücken.

Welche historischen Bauten umgeben die Kirche St. Martin?

Auf dem Kirchengelände finden sich erhaltene Abschnitte einer Wehrmauer aus dem späten 15. Jahrhundert, die einst Schutz vor osmanischen Raubzügen bot, sowie eine 1934 von Architekt Jože Plečnik entworfene Mariensäule.

Welche Pilgerwege führen an der Kirche St. Martin vorbei?

Auf dem Vorplatz kreuzen sich drei Pilgerrouten: der Jakobsweg, die Via Sancti Martini und der Hemmapilgerweg.

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