
Plaza de Toros und Museo Taurino von Ronda
Die neoklassizistischen Kolonnaden von Rondas Stierkampfarena
Die Plaza de Toros de la Real Maestranza de Caballería de Ronda steht an der Calle Virgen de la Paz im Viertel El Mercadillo, direkt an den Klippengärten des Paseo de Blas Infante und nur zwei Häuserblocks von der Puente Nuevo entfernt. Im Auftrag der Real Maestranza begannen die Arbeiten an dem neoklassizistischen Ensemble in den Jahren 1779 bis 1780 und fanden 1785 unter Baumeister José Martín de Aldehuela ihren Abschluss. Das fast vollständig aus lokalem Sandstein erbaute Bauwerk wurde 1993 zum Bien de Interés Cultural erklärt.
Architektonisch tanzt die Arena völlig aus der Reihe: Eine zweistöckige Rundgalerie ruht auf 136 glatten toskanischen Säulen, die sich zu 68 Rundbögen fügen. Wo moderne Arenen auf steile, offene Ränge setzen, um möglichst viele Menschen hineinzuquetschen, wählt Ronda den umgekehrten Maßstab. Die überdachten Galerien bieten unter einem Dach aus arabischen Ziegeln Platz für 5.000 bis 6.000 Zuschauer und umschließen einen Sandkreis (ruedo) mit einem Durchmesser von 60 bis 66 Metern. Damit besitzt Ronda eine der weitesten Kampfflächen Spaniens. Das geschlossene Rund aus Quaderstein und hölzernen Dachvorsprüngen erzeugt eine ganz eigene Akustik, die jeden Schritt und jedes gesprochene Wort über den offenen Sand hallen lässt.
Ursprünge der Real Maestranza und der Stierkampf zu Fuß
Die Wurzeln der Arena reichen zurück zur Real Maestranza de Caballería de Ronda, einem adligen Ritterorden, den König Philipp II. in den Jahren 1572 und 1573 zur Ausbildung von Reitern für die Landesverteidigung gründete. Das Kräftemessen mit Stieren diente anfangs als reiterliche Übung, bevor sich daraus der Stierkampf zu Fuß (toreo a pie) entwickelte. Im Mai 1784 fand eine erste inoffizielle Eröffnung statt, doch als ein Teil der Tribüne einstürzte, musste die Arena vorübergehend schließen und instand gesetzt werden. Die glanzvolle offizielle Einweihung folgte im Mai 1785 mit den legendären Matadoren Pedro Romero aus Ronda und Pepe-Hillo aus Sevilla.
Dank der Romero-Dynastie entwickelte sich der Ort zur Wiege des modernen Stierkampfs. Francisco Romero führte die moderne muleta ein (das rote Tuch), während sein Enkel Pedro Romero den bedachten, formvollendeten Stil der escuela rondeña begründete. Der lokalen Überlieferung nach erlegte Pedro Romero im Lauf seiner drei Jahrzehnte währenden Laufbahn über 5.500 Stiere, ohne jemals eine ernsthafte Verletzung davonzutragen. Neben seiner kulturellen Rolle wurde der Komplex während des Spanischen Unabhängigkeitskriegs für militärische Logistik beschlagnahmt und diente um 1939, in der Zeit des Spanischen Bürgerkriegs, militärischen Zwecken sowie als Gefangenenlager.
Das Museo Taurino und die Reitkunstsammlungen
Das Gebäudeensemble dient das ganze Jahr über als Museumszentrum und aktiver Sitz der Escuela de Equitación de la Real Maestranza de Caballería de Ronda, einer der ältesten klassischen Reitschulen Spaniens. Auf dem Gelände befinden sich das 1984 gegründete Museo Taurino, die Königliche Geschirrsammlung (Real Guarnicionería de la Casa de Orleans), historische Waffen sowie die Archive des Reiterordens.
Reguläre Stierkampf-Saisons finden hier längst nicht mehr statt. Lebendige Arena-Atmosphäre herrscht fast nur noch einmal im Jahr: Anfang September zur Feria de Pedro Romero, bei der die traditionsreiche Corrida Goyesca ausgetragen wird. Dieses jährliche Fest rief 1954 der Matador Antonio Ordóñez ins Leben, dessen Familie Rondas Stierkampftradition bis ins 20. Jahrhundert fortführte. Anlass war der 200. Geburtstag von Pedro Romero, und die Teilnehmer treten bis heute in historischen Kostümen auf, die den Radierungen Francisco de Goyas nachempfunden sind.
Literarische und künstlerische Verbindungen
Mitte des 20. Jahrhunderts zog die Arena prominente internationale Gäste an, allen voran den US-Schriftsteller Ernest Hemingway und den Regisseur Orson Welles, die beide durch ihre Freundschaft mit Antonio Ordóñez nach Ronda kamen. Statuen beider Persönlichkeiten stehen heute draußen im Umfeld der Arena. Welles entwickelte eine tiefe Verbundenheit mit der Stadt. Nach seinem Tod wurde seine Asche 1987 auf dem Landgut der Familie Ordóñez beigesetzt, El Recreo de San Cayetano am Stadtrand von Ronda.
FAQ
Wann wurde die Plaza de Toros de Ronda erbaut?
Der Bau begann in den Jahren 1779 bis 1780 und wurde 1785 unter dem Architekten José Martín de Aldehuela vollendet.
Welche Ausstellungen sind im Komplex des Museo Taurino zu sehen?
Der Komplex umfasst das Museo Taurino (eröffnet 1984), die Königliche Geschirrsammlung des Hauses Orléans, historische Waffensammlungen und die Archive der Real Maestranza.
Finden in der Arena regelmäßige Stierkämpfe statt?
Nein, reguläre Stierkampf-Saisons gibt es hier nicht mehr. Kämpfe beschränken sich fast ausschließlich auf die alljährliche Corrida Goyesca, die jeden September während der Feria de Pedro Romero veranstaltet wird.
Was verbindet Orson Welles mit der Stierkampfarena von Ronda?
Orson Welles besuchte die Arena in den 1950er-Jahren regelmäßig, da ihn eine enge Freundschaft mit dem Matador Antonio Ordóñez verband. Auf eigenen Wunsch wurde seine Asche 1987 auf dem Landgut der Familie Ordóñez vor den Toren Rondas beigesetzt.




