
Martinskirche: Basels älteste Pfarrkirche
Mit Blick auf den Martinskirchplatz prägen die historische Steinfassade und der Glockenturm dieser traditionsreichen Kirche das Stadtbild. Als älteste Pfarrkirche Basels blickt die Martinskirche auf eine bewegte Geschichte zurück, die von den Umbrüchen der Schweizer Reformation bis hin zu lebendigen Stadtbräuchen reicht.
Architektur und frühe Geschichte
Erstmals zwischen 1101 und 1103 urkundlich erwähnt, liegt die Martinskirche an der Martinsgasse hoch über dem Rhein. Baulich wie symbolisch befindet sie sich genau in der Mitte: zwischen dem weltlichen Marktplatz unten und dem erhabenen Münsterhügel oben.
Die unteren Turmfundamente und die Westfassade stammen aus dem Jahr 1287. Nach dem verheerenden Basler Erdbeben von 1356 wurden das Hauptschiff und der polygonale Chor im hochgotischen Stil neu errichtet.
Zentrum der Schweizer Reformation
1529 wurde die Martinskirche zu einem zentralen Schauplatz der Schweizer Reformation. Der Theologe Johannes Oekolampad predigte hier auf Deutsch und machte das Bauwerk zur wichtigsten Keimzelle des reformierten Glaubens in Basel.
Vom Gotteshaus zum Konzertsaal
Im Jahr 1851 endete die Nutzung als traditionelle Pfarrkirche. Nach umfassenden Umbauten im Innenraum, zu denen auch der Einbau einer Bühne gehörte, verwandelte sich das Gebäude in einen der ersten reinen Konzertsäle der Stadt.
Heute ist die Kirche ein bedeutender Kultur- und Veranstaltungsort, der für seine herausragende Akustik geschätzt wird. Regelmäßig treten hier Klassik-Ensembles, Kammerorchester, Jazz-Formationen und Chöre wie der Basler Bach-Chor auf. Im Inneren des umgestalteten hochgotischen Chors treffen historische Grabplatten und Epitaphien auf traditionelle Holzkirchenbänke.
Städtische Traditionen und kuriose Bräuche
Die Martinskirche ist bis heute eng mit dem Basler Brauchtum verknüpft. Punkt 12:00 Uhr mittags wird die Glocke von Hand geläutet, um die Basler Herbstmesse feierlich zu eröffnen, deren Marktrecht bis ins Jahr 1471 zurückreicht. Der Tradition nach erhält der Glöckner als symbolischen Lohn ein Paar Handschuhe: den ersten zur Messeeröffnung, das passende Gegenstück zwei Wochen später zum Ausklang.
Die Glocken verkünden außerdem den Auftakt der Basler Fasnacht mit dem berühmten Morgenstreich. An der Außenwand über dem Südportal zeigt ein Fresko von Hans Rohner aus dem Jahr 1922 den heiligen Martin von Tours, der seinen Mantel mit einem Bettler teilt.
FAQ
Wann wurde die Martinskirche erbaut?
Die Martinskirche wurde erstmals um 1101 bis 1103 urkundlich erwähnt. Die unteren Turmfundamente stammen aus dem Jahr 1287, und das Hauptgebäude wurde nach dem Basler Erdbeben von 1356 im gotischen Stil neu errichtet.
Wie wird die Martinskirche heute genutzt?
Seit dem Ende des regulären Pfarrbetriebs 1851 dient die Martinskirche als Kultur- und Konzertsaal. Dank ihrer hervorragenden Akustik bietet sie die ideale Bühne für Kammerorchester, Jazzfestivals und renommierte Chöre wie den Basler Bach-Chor.
Warum läuten die Glocken der Martinskirche?
Die Glocken im Turm werden von Hand geläutet, um die Basler Herbstmesse (einen Jahrmarkt mit Tradition seit 1471) feierlich zu eröffnen und um den Beginn der Basler Fasnacht, den Morgenstreich, einzuläuten.



