
Berner Münster: Der höchste Kirchturm der Schweiz
Das Berner Münster prägt die Silhouette der Berner Altstadt wie kein zweites Bauwerk. Die spätgotische, dreischiffige Basilika am Münsterplatz besitzt den höchsten Kirchturm der Schweiz, dessen neugotische Spitze stolze 100,6 Meter in den Himmel ragt.
Jahrhunderte des Bauens
Der Grundstein für diesen Monumentalbau wurde am 11. März 1421 unter Werkmeister Matthäus Ensinger gelegt. Gedacht als Ersatz für eine Kirche aus dem 12. Jahrhundert, zog sich das Projekt über Jahrhunderte hinweg und beschäftigte Generationen von Baumeistern, darunter Vincenz Ensinger und Erhard Küng. Während der Reformation im Jahr 1528 fegte der Bildersturm durch die Hallen, rund 40 Seitenaltäre, Statuen und traditionelle Kunstwerke wurden dabei ausgeräumt.
Wegen statischer Probleme und leerer Kassen geriet der Turmbau im 16. Jahrhundert ins Stocken. Das Bauwerk blieb lange Zeit unvollendet, bis der achteckige Turmhelm zwischen 1889 und 1893 schließlich fertiggestellt wurde.
Das Jüngste Gericht am Hauptportal
Zu den faszinierendsten Schätzen des Münsters gehört das aufwendig gestaltete Portal des Jüngsten Gerichts, das Erhard Küng zwischen 1460 und 1515 schuf. Wie durch ein Wunder überstand das detailreiche Kunstwerk den Bildersturm von 1528, die Kirchenoberen hielten die drastische Darstellung der göttlichen Gerechtigkeit schlichtweg für eine unverzichtbare moralische Mahnung.
Im Tympanon des Portals versammeln sich 170 kleinere Originalfiguren aus dem 15. Jahrhundert. Bei den 47 größeren, freistehenden Steinfiguren handelt es sich dagegen um Kopien, die Originale werden heute geschützt im Bernischen Historischen Museum aufbewahrt. Jahrzehnte nach der Reformation, im Jahr 1575, musste zudem die zentrale Marienstatue weichen und wurde durch eine markante Justitia ersetzt.
Turmaussichten und verborgene Kuriositäten
Im Glockenstuhl hängt die „Grosse Glocke“, ein gewaltiger Koloss von 10,5 Tonnen, gegossen im Jahr 1611. Ihr tiefer, satter Klang hallt mittags und abends durch die gesamte Stadt.
Der Turm birgt aber noch ganz andere Geschichten. In 46 Metern Höhe liegt eine kleine Dreizimmerwohnung, die bis 2007 tatsächlich von Münster- und Brandwächtern bewohnt war, ein unverzichtbarer Ausguck, um Brände über den Holzdächern Berns frühzeitig zu erspähen. Die Aussichtsplattformen lassen sich das ganze Jahr über erklimmen. Die untere Plattform erreichst du nach 254 Stufen auf 46 Metern Höhe, zur offenen Aussichtsgalerie auf 64 Metern führen sportliche 344 Stufen.
Ein lebendiges Wahrzeichen
Heute ist das Münster die Hauptkirche der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn. Hier finden regelmäßig Sonntagsgottesdienste, Orgelmatineen und Konzerte geistlicher Musik statt. Das Kirchenschiff kannst du täglich kostenlos besichtigen, für den Turmaufstieg wird ein Eintritt fällig.
Gleich neben dem Münster, direkt an der klassischen Route zwischen Zytglogge und Nydeggbrücke, liegt die Münsterplattform. Der einstige Friedhof ist heute ein beliebter Park mit fantastischem Weitblick über die Aare und das historische Mattequartier.
FAQ
Wie hoch ist das Berner Münster?
Der Münsterturm erreicht eine Höhe von 100,6 Metern und ist damit der höchste Kirchturm der Schweiz.
Warum überstand das Portal des Jüngsten Gerichts die Reformation?
Das kunstvolle Portal, geschaffen zwischen 1460 und 1515, überstand den Bildersturm von 1528, weil die Kirchenoberen seine Darstellung der göttlichen Gerechtigkeit als unverzichtbare moralische Mahnung ansahen.
Kann man den Turm des Berner Münsters besteigen?
Ja, der Turm ist ganzjährig gegen Eintritt zugänglich. Nach 254 Stufen erreicht man die Plattform auf 46 Metern Höhe, und 344 Stufen führen zur oberen offenen Aussichtsgalerie auf 64 Metern.



