Käfigturm: Geschichte von Berns Gefängnisturm - Bern
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Käfigturm: Geschichte von Berns Gefängnisturm

Bern, Switzerland

Was als mittelalterliches Wehrtor begann, wurde für fast 500 Jahre zum Kerker der Berner Kriminellen. Schau dir die imposante Barockfassade des 1644 erbauten Turms an, der über der Marktgasse aufragt, samt historischer Uhr und Glocke.

Vom Stadttor zum Käfigturm

Erbaut um 1256 während der zweiten Berner Stadterweiterung nach Westen, sicherte der Käfigturm ursprünglich die westliche Grenze. Das Bauwerk lag direkt an der Hauptachse zwischen der Nydeggbrücke und dem Zytglogge. Als Bern um 1345 noch weiter nach Westen Richtung Heiliggeistkirche wuchs, verlor der Turm seine wichtigste Schutzfunktion.

Nach dem großen Berner Stadtbrand von 1405, der das frühere Gefängnis am Zytglogge beschädigt hatte, wurden die Insassen in das alte Torhaus verlegt. Man stattete das Gebäude mit Arrestzellen und Holzkäfigen aus. So kam der Käfigturm zu seinem Namen. Bis zur Schließung des Gefängnisses 1897 saßen hier bis zu 70 Häftlinge ein, darunter Schuldner ebenso wie gewöhnliche Straftäter.

Barocke Architektur und verborgene Details

Der baufällige mittelalterliche Bau wurde zwischen 1641 und 1644 komplett abgerissen und neu errichtet. Begonnen von Joseph Plepp und vollendet von Antoni Graber, präsentiert sich der neue, 49 Meter hohe Turm im Stil des Frühbarocks und der Spätrenaissance. Charakteristisch ist das massive Mauerwerk aus graugrünem Molassesandstein, gekrönt von einem steilen, grünlich patinierten Kupferdach mit Ecktürmchen und Uhrenspitze.

Der Turm birgt so manche historische Kuriosität. Eine 1643 gegossene Glocke trägt eine lateinische Inschrift, die darum bittet, dass ihr Klang böse Geister abschrecken und vertreiben möge. Zudem verrichtet hier ein zwischen 1690 und 1691 installiertes mechanisches Uhrwerk seinen Dienst, ganz traditionell mit 36-Stunden-Handaufzug.

Ein modernes Bürgerforum

Um 1886 führte der zunehmende Verkehr in der moderner werdenden Stadt zu einer Petition, den gesamten Turm abzureißen. Die Kantonsregierung lehnte das Vorhaben glücklicherweise ab und ließ stattdessen angrenzende Nebengebäude abtragen, um Durchgänge zu schaffen. Heute ist das zentrale Rundbogenportal im Erdgeschoss offen, sodass das Klappern von Schritten und das Rumpeln der Trams durch den schweren Steinbogen dringen.

Nachdem der Käfigturm von 1897 bis 1977 als Staatsarchiv des Kantons Bern gedient hatte, fand er eine neue Bestimmung für die Bürgerschaft. Seit 1999 beherbergen die oberen Stockwerke das Polit-Forum Bern. Ein öffentlicher Ort für Veranstaltungen, Debatten und interaktive Ausstellungen rund um Demokratie, Politik und Bürgerrechte.

FAQ

Wozu diente der Käfigturm ursprünglich?

Um 1256 erbaut, diente er ursprünglich als Wehrtorturm zum Schutz der Westgrenze bei Berns zweiter Stadterweiterung. Diese Verteidigungsfunktion verlor er um 1345, als die Stadt noch weiter nach Westen wuchs.

Warum heißt er Käfigturm?

Nachdem der große Stadtbrand von 1405 das bisherige Gefängnis beschädigt hatte, baute man den Turm mit Arrestzellen und Käfigen zur Unterbringung von Häftlingen um. Bis 1897 diente er als Gefängnis für bis zu 70 Insassen.

Was befindet sich heute im Käfigturm?

Seit 1999 beherbergen die oberen Etagen des Turms das Polit-Forum Bern, einen Ort für bürgernahe Veranstaltungen, Debatten und interaktive Ausstellungen zu Demokratie und Politik.

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