
Einsteinhaus in Bern: Geschichte und Ausstellungen
Tritt ein in die bescheidene Wohnung im zweiten Stock, in der ein 26-jähriger Patentprüfer die Gesetze des Universums mal eben komplett auf den Kopf stellte. An der Kramgasse 49 in der Berner Altstadt gelegen, ist das Einsteinhaus das Zeugnis einer der bedeutendsten Epochen der Wissenschaftsgeschichte. Eingebettet unter dem sechs Kilometer langen Netz der historischen Berner Lauben, liegt es direkt an der Lebensader, die den Zytglogge mit der Nydeggbrücke verbindet.
Die Wiege der Relativitätstheorie
Nachdem es in Zürich mit einer akademischen Laufbahn nicht klappen wollte, zog Albert Einstein 1902 nach Bern, um beim Eidgenössischen Amt für geistiges Eigentum als technischer Experte anzuheuern. Nach der Heirat mit der Physikerin Mileva Marić Anfang 1903 bezog das Paar die Wohnung an der Kramgasse, wo wenig später Sohn Hans Albert zur Welt kam.
Hier brachte Einstein seinen Büroalltag als einfacher technischer Experte dritter Klasse mit weltbewegender Forschung unter einen Hut. 1905, im Alter von 26 Jahren, reichte er fünf Aufsätze bei der Fachzeitschrift Annalen der Physik ein. Diese Arbeiten, bekannt als die Schriften des Annus mirabilis (des Wunderjahres), begründeten die spezielle Relativitätstheorie, die Masse-Energie-Äquivalenz, die Lichtquantenhypothese und die Brownsche Bewegung.
Rundgang durch das Museum
Heute wird das Einsteinhaus von der Albert Einstein-Gesellschaft als Museum geführt. In die Wohnung gelangst du über eine schmale, originale Holzwendeltreppe, der man die Jahrzehnte des täglichen Gebrauchs deutlich ansieht. Die Wände des Treppenaufgangs ziert ein gemaltes Panorama der Milchstraße.
Der zweite Stock wurde mit zeitgenössischen Möbeln, Fotografien und Alltagsgegenständen sorgfältig restauriert und gibt einen intimen Einblick in die Lebensverhältnisse der Familie um 1900. Aus den Fenstern blickst du direkt auf die Sandsteinfassaden, Brunnenfiguren und das Kopfsteinpflaster der Kramgasse. Das dritte Stockwerk dient als Ausstellungsraum, der Einsteins Werdegang und wissenschaftliche Meilensteine dokumentiert, ergänzt durch einen biografischen Dokumentarfilm.
Leben in der Schweizer Bundesstadt
Trotz der bescheidenen Verhältnisse war die Wohnung an der Kramgasse ein echter Umschlagplatz für revolutionäre Gedanken. Hier traf sich die informelle Diskussionsrunde der „Akademie Olympia“, in der Einstein und seine Freunde bis tief in die Nacht debattierten. Einstein dachte zeit seines Lebens gern an diese Zeit zurück und beschrieb sie in Briefen an Marić als die „glücklichen Berner Tage“.
In Anerkennung seiner immensen historischen Bedeutung erklärten die Europäische und die Amerikanische Physikalische Gesellschaft das Gebäude 2015 gemeinsam zu einer historischen Stätte der Physik. Im Erdgeschoss unter der Wohnung lädt noch heute das Einstein Café und bel étage zum Verweilen ein. Nicht verwechseln: Dieses geschichtsträchtige Wohnhaus ist unabhängig vom größeren Einstein Museum, das auf der anderen Aareseite im Bernischen Historischen Museum untergebracht ist.
FAQ
Wo hat Albert Einstein in Bern gewohnt?
Albert Einstein lebte von 1903 bis 1905 in einer Mietwohnung im zweiten Stock an der Kramgasse 49 in der Berner Altstadt.
Was hat Albert Einstein während seiner Zeit in Bern entdeckt?
Während er 1905 an der Kramgasse 49 lebte, verfasste Einstein seine berühmten Annus-mirabilis-Schriften, mit denen er die spezielle Relativitätstheorie, die Masse-Energie-Äquivalenz (E=mc²), die Lichtquantenhypothese und die Brownsche Bewegung begründete.
Ist das Einsteinhaus dasselbe wie das Einstein Museum?
Nein, das Einsteinhaus an der Kramgasse ist die historische Wohnung, in der er lebte. Das größere Einstein Museum befindet sich auf der anderen Seite der Aare im Bernischen Historischen Museum.



