Gerechtigkeitsgasse: Berns historische Straße der Gerechtigkeit - Bern
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Gerechtigkeitsgasse: Berns historische Straße der Gerechtigkeit

Bern, Switzerland

Die Gerechtigkeitsgasse ist ein 260 Meter langer Straßenzug, der das älteste östliche Teilstück der Berner Altstadtachse bildet. Berühmt für ihre durchgehenden Laubengänge aus Stein und die markante Sandsteinarchitektur, markiert diese Ader das östliche Ende des Berner Stadtkerns. Sie führt die Hauptroute vom Zytglogge hinab zur Nydeggbrücke und an die Aare fort.

Ein mittelalterlicher Marktplatz

Gleich nach der Gründung Berns im Jahr 1191 angelegt, bildete die Gasse das Herz der ursprünglichen Zähringerstadt. Ursprünglich hieß sie Märitgasse (Marktgasse) und war der wichtigste Handelsplatz des mittelalterlichen Berns. Mit anfangs etwa 26 Metern Breite war die Straße bemerkenswert geräumig, verengte sich mit der Zeit jedoch auf rund 18 Meter, als man den Gebäuden nach und nach die charakteristischen Lauben vorbaute.

Nach der Reformation wanderten die Marktstände weiter nach Westen. Schließlich erhielt die Gasse ihren heutigen Namen, benannt nach dem berühmten Brunnen in ihrer Mitte.

Der Gerechtigkeitsbrunnen

Der Gerechtigkeitsbrunnen ist einer von elf erhaltenen Renaissancebrunnen aus dem 16. Jahrhundert. Sie wurden entlang der Berner Hauptachsen aufgestellt, um den Wohlstand und die moralische Haltung der protestantischen Republik zur Schau zu stellen. Seine farbenprächtige Skulptur aus dem Jahr 1543 wird dem Bildhauer Hans Gieng zugeschrieben.

Die Figur zeigt Justitia mit Augenbinde, Schwert und Waage. Sie thront über den Büsten von vier Herrschern des 16. Jahrhunderts: einem Papst, einem Kaiser, einem Sultan und einem Schultheißen. Die Figuren stehen für Theokratie, Kaiserreich, Autokratie und Republik, ein klares Statement dafür, dass sich jede irdische Macht dem universellen Recht beugen muss. Giengs Brunnenfigur entfaltete enorme Strahlkraft und diente Schweizer Stadtstaaten bis weit ins 17. Jahrhundert als Vorbild.

Vandalismus und Denkmalpflege

Im Lauf der Jahrhunderte geriet das Kunstwerk immer wieder ins Visier. Beim Einmarsch der Franzosen 1798 verschwanden Bronzeschwert und Waage, erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurden sie vollständig ersetzt.

Im Oktober 1986 riss ein politischer Aktivist aus den Reihen der Jura-Separatisten die originale Figur von 1543 vom Sockel, woraufhin sie in Stücke brach. Restauratoren fügten die Bruchstücke mit Kunstharz minutiös wieder zusammen. Heute steht das gerettete Original geschützt im Bernischen Historischen Museum. Auf dem achteckigen Kalksteinbecken draußen in der Gasse thront seit 1988 eine Replik, die 2018 restauriert wurde.

Lebendige Gasse und Berner Baukunst

Heute ist die Gerechtigkeitsgasse eine verkehrsberuhigte Flaniermeile. Für den privaten Autoverkehr gesperrt, ist hier vor allem die Bernmobil-Buslinie 12 unterwegs. Gesäumt wird die Straße von Bürgerhäusern aus Molassesandstein mit den berühmten Berner Lauben. Unter diesen gedeckten Bogengängen reihen sich Boutiquen, Kunstgalerien, Cafés und Restaurants aneinander. Zu den geschichtsträchtigen Häusern zählt die Nummer 7, der Goldene Adler, der seit 1489 als älteste dokumentierte Herberge und Schenke Berns geführt wird.

Auch unter dem Pflaster wartet Geschichte: Mitten im Kopfsteinpflaster geben Metallgitter den Blick auf den mittelalterlichen Stadtbach frei, der unterirdisch weiterfließt. Und oben erfüllt der Brunnen bis heute seinen Zweck: Er spendet rund um die Uhr frisches Trinkwasser, überwacht und geprüft von Energie Wasser Bern.

FAQ

Wofür steht der Gerechtigkeitsbrunnen in der Gerechtigkeitsgasse?

Die Skulptur aus dem Jahr 1543 zeigt Justitia über den Büsten von Papst, Kaiser, Sultan und Schultheiß. Diese Herrscherfiguren stehen für Theokratie, Monarchie, Autokratie und Republik und verdeutlichen, dass sich jede irdische Macht dem übergeordneten Recht unterordnen muss.

Ist die Justitia-Statue auf der Straße das Original von 1543?

Nein, die Brunnenfigur vor Ort ist eine Replik aus dem Jahr 1988. Das Original von 1543 wurde 1986 von einem politischen Aktivisten zerstört. Später wurde es mit Kunstharz wieder zusammengesetzt und steht heute geschützt im Bernischen Historischen Museum.

Darf man mit dem Auto durch die Gerechtigkeitsgasse fahren?

Die Gerechtigkeitsgasse ist für den normalen privaten Autoverkehr gesperrt. Sie dient hauptsächlich als Fußgängerbereich und Fahrstrecke für die öffentliche Buslinie 12.

Was fließt unter der Gerechtigkeitsgasse?

Unter dem Kopfsteinpflaster fließt der mittelalterliche Stadtbach. Durch Metallgitter in der Straßenmitte kann man ihn bis heute plätschern sehen.

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