
Augsburger Dom: Architektur und Prophetenfenster
Baugestalt und frühe Geschichte
Der Augsburger Dom, offiziell Hohe Domkirche Mariä Heimsuchung, erhebt sich über römischen Fundamenten der antiken Provinzhauptstadt Augusta Vindelicorum. Archäologische Funde belegen, dass hier bereits um das Jahr 822 eine karolingische Kirche stand. Nachdem das Bauwerk bei Ungarneinfällen im 10. Jahrhundert beschädigt worden war, ließ Bischof Ulrich es wieder instand setzen. Im Jahr 994 stürzte der westliche Teil des Langhauses infolge statischer Mängel ein. Bischof Liutold leitete daraufhin den Wiederaufbau ein, gefördert mit Mitteln von Kaiserin Adelheid.
Bischof Heinrich III. übernahm ab 1043 die Leitung beim Bau der romanischen Basilika, die 1065 geweiht wurde. Über die Jahrhunderte wuchs die Anlage zu einer fünfschiffigen Doppelchorbasilika heran, rund 113 Meter lang und 40 Meter breit, flankiert von zwei 62 Meter hohen romanischen Glockentürmen. Zwischen 1356 und 1431 fügte man der älteren romanischen Struktur einen hochgotischen Ostchor mit Chorumgang und Kapellenkranz an, der dem Gebäude seine markante Doppelanlage verlieh.




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2 Stunden8 StationenAudioguideStarte an jedem Tag, in deinem TempoTicket auf dem Handy · 30 Tage RückerstattungDie romanischen Prophetenfenster
Hoch oben im Obergaden der südlichen Langhauswand liegt der berühmteste Kunstschatz des Doms: die Prophetenfenster. Die fünf Scheiben stammen aus dem späten 11. oder frühen 12. Jahrhundert und zeigen die alttestamentlichen Gestalten David, Jona, Daniel, Mose und Hosea. Sie gelten weltweit als ältester erhaltener Zyklus figürlicher Glasmalerei an seinem ursprünglichen architektonischen Standort (in situ).
Durch die schmalen romanischen Öffnungen fallen vertikale Bahnen aus ockerfarbenem, rotem und grünem Licht auf das weiß gekalkte Mauerwerk des Schiffs. Die Scheiben überstanden die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs unbeschadet, weil man sie rechtzeitig aus ihren steinernen Fassungen löste und unter Tage in Sicherheit brachte, bevor die Zerstörung über die Stadt hereinbrach.
Historische Kunstschätze und Ausstattung
Unter dem Westchor liegt eine gewölbte romanische Krypta aus dem 10. Jahrhundert. Oben im Kirchenraum ruht ein steinerner Bischofsthron aus dem frühen 12. Jahrhundert auf Armlehnen und einem Sockel in Gestalt kauernder Löwen. Vier Tafelbilder an den Langhauspfeilern zeigen Szenen aus dem Marienleben. Sie entstanden 1493 aus der Hand des Augsburger Meisters Hans Holbein des Älteren, Vater des Tudor-Hofmalers Hans Holbein des Jüngeren.
Die ursprünglichen romanischen Portalflügel des Doms, gegossen um 1065, zeigen auf 35 bronzenen Relieftafeln biblische Szenen neben mittelalterlichen Tier- und Fabelgestalten. Um ihren Erhalt langfristig zu sichern, wurden die historischen Bronzetüren in das benachbarte Diözesanmuseum St. Afra überführt. Am Domportal selbst hängen seit dem Jahr 2000 moderne Flügel des Bildhauers Max Faller.
Historische Ereignisse und Gegenwart
Immer wieder stand der Dom im Zentrum weltlicher und geistlicher Macht. Am 26. Januar 1690 krönte der Mainzer Erzbischof hier Erzherzog Joseph zum römisch-deutschen König. In der Reformationszeit verlor der Innenraum etliche Werke durch den Bildersturm, im 17. und 18. Jahrhundert hielt barocke Pracht Einzug, bevor Restaurierungskampagnen des 19. Jahrhunderts diese Verzierungen wieder abtrugen, um das mittelalterliche Mauerwerk freizulegen.
Der Augsburger Dom markiert den nördlichen Ankerpunkt der historischen Hauptachse der Stadt, die über den Hohen Weg, die Karolinenstraße und die Maximilianstraße bis zur Basilika St. Ulrich und Afra im Süden führt. Heute dient der Dom als Kathedrale des Bistums Augsburg und als lebendige Pfarrkirche der Domgemeinde. Neben täglichen Gottesdiensten finden hier Konzerte geistlicher Musik statt, und außerhalb der Liturgien steht das Gotteshaus Besuchern offen.
FAQ
Was macht die Prophetenfenster im Augsburger Dom so einzigartig?
Die fünf Scheiben im Obergaden stammen aus dem späten 11. oder frühen 12. Jahrhundert. Mit Darstellungen von David, Jona, Daniel, Mose und Hosea bilden sie den weltweit ältesten figürlichen Glasmalereizyklus, der noch an seinem ursprünglichen architektonischen Standort erhalten ist.
Wo befinden sich die originalen Bronzetüren des Doms aus dem 11. Jahrhundert?
Die originalen, um 1065 gegossenen Bronzetüren werden aus konservatorischen Gründen im benachbarten Diözesanmuseum St. Afra verwahrt, während am Portal des Doms seit dem Jahr 2000 neue Türflügel des Bildhauers Max Faller angebracht sind.
Welche Baustile prägen den Augsburger Dom?
Der Dom ist eine fünfschiffige Doppelchorbasilika, die einen ottonisch-romanischen Kern aus den Jahren 995 bis 1065 mit einem gotischen Ostchor aus der Zeit zwischen 1356 und 1431 verbindet.

