
Rathausplatz Augsburg: Elias Holls Rathaus
Augsburgs bürgerliches Herz
Der Rathausplatz erstreckt sich über rund 80 mal 80 Meter als unregelmäßiger Viertelkreis mitten im Zentrum von Augsburg. Angelegt an der historischen Nord-Süd-Achse entlang der römischen Via Claudia Augusta, bildete er über Jahrhunderte das bürgerliche, geschäftige und politische Gegengewicht zum bischöflichen Domviertel im Norden. Heute verbindet die Fußgängerzone wichtige Achsen wie die Maximilianstraße im Osten und die Philippine-Welser-Straße im Westen mit geschichtsträchtigen Gassen wie dem Eisenberg, dem Fischmarkt, der Steingasse und Unter dem Bogen.




Augsburger Stadtrundgang mit Audio und Quiz: Stadt der Fugger
2 Stunden8 StationenAudioguideStarte an jedem Tag, in deinem TempoTicket auf dem Handy · 30 Tage RückerstattungElias Holls architektonische Meisterwerke
Die Ostseite des Platzes wird vom Augsburger Rathaus und dem angrenzenden Perlachturm beherrscht. Zwischen 1614 und 1620 von Stadtwerkmeister Elias Holl entworfen, erbaut oder umgestaltet, prägen die beiden Bauwerke bis heute die unverwechselbare Silhouette der einstigen Freien Reichsstadt.
Das Rathaus beeindruckt mit einer 57 Meter hohen Fassade, flankiert von zwei Zwiebeltürmen. Direkt daneben ragt der Perlachturm auf, in dem das Turamichele haust, eine mechanische Figur aus dem 16. Jahrhundert, die scheinbar unentwegt gegen den Teufel kämpft. Die Südseite des Platzes schließt das ehemalige Polizeigebäude ab, in dem heute städtische Behörden untergebracht sind.
Ein Panorama durch Zufall
Dass sich das Rathaus heute in voller Pracht frontal präsentiert, ist dem Bürgersinn der Nachkriegszeit zu verdanken. Im Mittelalter lag im nördlichen Teil nur der bescheidene Eiermarkt, auf dem Butter, Geflügel und Eier feilgeboten wurden. Gegenüber dem Rathaus standen Kaufmanns- und Patrizierstuben, die 1828 der klassizistischen Börse von Johann Nepomuk Pertsch weichen mussten. Durch diese dichte Bebauung hatte Elias Holl die Fassade ursprünglich so entworfen, dass man sie vor allem schräg aus engen Gassenzugängen erblickte.
Im Februar 1944 legten britische Luftangriffe das Stadtzentrum in Trümmer, beschädigten das Rathaus schwer und brannten die Börse aus. Nach dem Krieg planten die Stadtväter zunächst, auf den Grundmauern der Börsenruine einen modernen Verwaltungsbau hochzuziehen. Doch plötzlich tat sich ein nie dagewesener Blick auf Holls Fassade auf. Ein Bürgerentscheid von 55.000 Bürgern stoppte die Neubaupläne, sodass die Trümmer geräumt wurden und bis 1963 der weite Rathausplatz entstehen konnte. Der Platz erhielt ein ornamentales schwarz-weißes Pflaster, eingefasst von Granitplatten.
Der Augustusbrunnen
Am nordöstlichen Rand des Rathausplatzes erhebt sich der monumentale Augustusbrunnen, ein spätmanieristischer Bronzebrunnen, der zwischen 1588 und 1594 vom Bildhauer Hubert Gerhard und dem Erzgießer Peter Wagner geschaffen wurde. Eingefasst von einem kunstvollen schmiedeeisernen Renaissancegitter zeigt der Brunnen den römischen Kaiser Augustus sowie Personifikationen von vier Augsburger Gewässern: Lech, Wertach, Singold und den Brunnenbach. Die Figuren auf dem Platz sind Repliken, aufgestellt zum Schutz der Originale, die heute im Maximilianmuseum zu sehen sind.
Traditionen und modernes Stadtleben
Der Rathausplatz ist Fußgängerzone, Kundgebungsort und Freiluft-Treffpunkt für die Außengastronomie in einem. Zudem dient er als wichtigste Bühne für traditionsreiche Augsburger Feste. Ende September verwandelt sich der Platz für das Turamichele-Fest, bei dem sich alles um den historischen mechanischen Schaukampf zwischen dem Erzengel Michael und dem Teufel dreht.
In der Adventszeit schlägt der Augsburger Christkindlesmarkt hier seine Buden auf, dessen Wurzeln bis zu einem Lebzeltermarkt im Jahr 1498 zurückreichen und der 1963 auf den Rathausplatz umzog. An den Wochenendabenden wird die Rathausfassade zur Kulisse für das Engelesspiel: 1977 ins Leben gerufen und von einem Gemälde von Hans Holbein inspiriert, treten dabei 23 kostümierte Augsburgerinnen in den Fenstern und auf dem Balkon auf, um als musizierende Engel die Menge zu verzaubern.
FAQ
Warum gilt der freie Blick auf das Augsburger Rathaus als Zufall?
Baumeister Elias Holl entwarf die Rathausfassade für eine enge Straßenflucht, gedacht für den schrägen Blickwinkel. Das offene Panorama gibt es nur, weil britische Luftangriffe 1944 die davorstehende klassizistische Börse zerstörten und ein Bürgerentscheid von 55.000 Bürgern nach dem Krieg verhinderte, dass an ihrer Stelle ein Neubau entstand.
Welche Figuren zieren den Augustusbrunnen auf dem Rathausplatz?
Der zwischen 1588 und 1594 von Hubert Gerhard und Peter Wagner geschaffene Brunnen zeigt den römischen Kaiser Augustus sowie die Personifikationen von vier regionalen Gewässern: Lech, Wertach, Singold und den Brunnenbach. Die Figuren auf dem Platz sind Repliken, während die Originalbronzen geschützt im Maximilianmuseum stehen.
Was ist das Engelesspiel auf dem Rathausplatz?
Das Engelesspiel ist eine 1977 eingeführte Advents-Tradition, inspiriert von einem Gemälde von Hans Holbein. An den Wochenendabenden während des Augsburger Christkindlesmarkts treten 23 kostümierte Mitwirkende in den Fenstern und auf dem Balkon von Elias Holls Rathaus auf, um als Engel zu musizieren.


