
Augsburgs Fuggerei: Geschichte, Miete und Besucherinfos
Die älteste Sozialsiedlung der Welt
Mitten in der historischen Augsburger Jakobervorstadt liegt die Fuggerei, die älteste durchgehend bewohnte Sozialsiedlung der Welt. Gegründet von dem einflussreichen Kaufmann und Bankier Jakob Fugger „dem Reichen“ und seinen Brüdern, begannen die Bauarbeiten um 1516 und wurden am 23. August 1521 per Stiftungsbrief besiegelt. Gedacht als Akt bürgerlichen Mäzenatentums in Augsburgs goldenem Zeitalter, schuf das Viertel eigenständigen, würdevollen Wohnraum für verarmte Tagelöhner und Handwerker.
Als autonome Stadt in der Stadt konzipiert, wurde die ummauerte Anlage von Baumeister Thomas Krebs entworfen. Sie umfasst 67 Häuser, rund 140 bis 147 Wohnungen, acht Gassen, sieben Tore, ein Verwaltungsgebäude und die Markuskirche, die 1582 von Baumeister Hans Holl ergänzt wurde. Historisch verfügte das abgeschottete Refugium über eine eigene Nachtwache und eine unabhängige Wasserversorgung, geschützt hinter wehrhaften Außenmauern.




Augsburger Stadtrundgang mit Audio und Quiz: Stadt der Fugger
2 Stunden8 StationenAudioguideStarte an jedem Tag, in deinem TempoTicket auf dem Handy · 30 Tage RückerstattungAufnahmebedingungen, Zapfenstreich und feste Miete
Seit mehr als fünf Jahrhunderten haben sich die Grundregeln für das Wohnen in der Fuggerei nicht verändert. Wer hier einziehen will, muss seit mindestens zwei Jahren in Augsburg gemeldet sein, dem römisch-katholischen Glauben angehören, unverschuldet in Not geraten und absolut schuldenfrei sein. Heute leben rund 150 bedürftige Menschen in der Siedlung.
Die jährliche Kaltmiete ist bis heute auf den Gegenwert eines rheinischen Guldens festgelegt. Das entspricht exakt 0,88 Euro im Jahr, Nebenkosten und Heizung nicht eingerechnet. Neben diesem symbolischen Obolus verpflichten sich die Mieter zu einer vertraglichen geistlichen Pflicht: täglich drei Gebete, das Vaterunser, das Ave Maria und das Glaubensbekenntnis, für das Seelenheil der Familie Fugger zu sprechen.
Das Leben hinter den Toren folgt historischer Ordnung. Jeden Abend um Punkt 22:00 Uhr werden die Außentore verriegelt. Wer nach dem Zapfenstreich nach Hause kommt, muss sich vom Nachtwächter einlassen lassen und eine kleine Gebühr entrichten: 50 Cent vor Mitternacht, danach wird ein ganzer Euro fällig.
Architektur und bemerkenswerte Details
Das Stadtbild der Fuggerei ist geprägt von einheitlichen, zweistöckigen Reihenhäusern entlang schnurgerader, kopfsteingepflasterter Gassen. Berühmt sind die Gebäude für ihre efeubewachsenen, ockergelben Putzfassaden, die identischen dunkelgrünen Türen und die steilen roten Ziegeldächer.
Ein ganz charakteristisches Detail sind die eisernen Klingelzüge neben jeder Haustür. Bevor es Straßenlaternen gab, wurden diese Griffe in unverwechselbaren Formen geschmiedet. So konnten die Bewohner ihre eigene Haustür selbst in stockdunkler Nacht allein durch Ertasten wiederfinden.
Auch kulturgeschichtlich hat das Viertel einiges zu bieten: Wolfgang Amadeus Mozarts Urgroßvater, der Maurermeister Franz Mozart, lebte von 1681 bis zu seinem Tod 1694 in der Fuggerei in der Mittleren Gasse 14. Eine Gedenktafel an der Fassade erinnert an ihn.
Im Zweiten Weltkrieg zerstörten alliierte Luftangriffe 1944 rund zwei Drittel der Siedlung. Nach Kriegsende baute die Fuggersche Stiftung das gesamte Areal originalgetreu im historischen Stil und nach dem ursprünglichen Straßenplan wieder auf.
Die Fuggerei besuchen: Eintritt und Infos
Die Fuggerei kommt ganz ohne städtische oder staatliche Zuschüsse aus. Sie finanziert sich bis heute vollständig aus dem historischen Stiftungsvermögen und dem ausgedehnten Waldbesitz der Fürstlich und Gräflich Fuggerschen Stiftungen.
Für den Besuch der Wohnanlage und ihrer Einrichtungen benötigst du ein Ticket. Die Außenmauern und historischen Eingangstore kannst du kostenfrei von der Straße aus bewundern, doch wer durch die Tore treten will, zahlt Eintritt. Das Ticket öffnet dir den Zugang zu den historischen Gassen und vier musealen Stationen: dem Museum der Geschichte und des Wohnens, dem Museum der Bewohner, dem Museum des Alltags und einer Dauerausstellung in einem originalen Weltkriegs-Luftschutzbunker.
FAQ
Ist der Eintritt in die Fuggerei kostenlos?
Nein, für den Einlass in die Fuggerei ist ein kostenpflichtiges Ticket erforderlich. Es beinhaltet den Zugang zum Wohnbereich und den vier Museen vor Ort. Die Außenmauern und Haupttore kannst du allerdings kostenfrei von der Straße aus sehen.
Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um in der Fuggerei zu wohnen?
Bewerber müssen praktizierende Katholiken sein, seit mindestens zwei Jahren mit Wohnsitz in Augsburg gemeldet sein und unverschuldet in Not geraten sein, ohne Schulden zu haben. Zudem verpflichten sich die Bewohner vertraglich, täglich drei festgelegte Gebete für die Stifterfamilie zu sprechen.
Wie hoch ist die Miete in der Fuggerei?
Die jährliche Kaltmiete entspricht dem historischen Gegenwert eines rheinischen Guldens und beträgt exakt 0,88 Euro im Jahr, zuzüglich Betriebs- und Heizkosten.
Warum haben die Haustüren unterschiedlich geformte Klingelzüge?
Jeder eiserne Klingelzug wurde individuell geschmiedet, damit die Bewohner vor der Einführung von Straßenlaternen ihre eigene Haustür im Dunkeln allein durch Tasten erkennen konnten.
