Vogeltor: Augsburgs Stadttor aus dem 15. Jahrhundert - Augsburg
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Vogeltor: Augsburgs Stadttor aus dem 15. Jahrhundert

Augsburg, Germany

Geschichte und Ursprünge des Vogeltors

Das Vogeltor ist ein spätgotischer Wehrtorturm am Oberen Graben in Augsburg. Errichtet wurde er um 1445 unter Bürgermeister Konrad Vögelin als Ersatz für ein älteres Tor samt Zugbrücke aus den Jahren 1374–1375, das den Stadtgraben überspannte. Historische Quellen legen nahe, dass der Turm entweder zu Ehren von Bürgermeister Vögelin benannt wurde oder nach einem aktenkundigen Vogelfänger, der den Vorgängerturm zwischen 1403 und 1409 bewohnte.

Heute gilt das Bauwerk als einer von fünf erhaltenen historischen Tortürmen, die einst die Wehranlagen der Freien Reichsstadt Augsburg markierten, Seite an Seite mit dem Roten Tor, dem Wertachbrucker Tor, dem Jakobertor und dem Fischertor.

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Architektur und Wehrbau

Aus rotem Backstein gemauert, ragt das Vogeltor als quadratischer, viergeschossiger Turm empor, gegliedert durch Ecklisenen und dekorative Spitzbogenfriese. Die Tordurchfahrt selbst bildet einen Spitzbogen. Darin spannt sich über dir ein dreijochiges Sternrippengewölbe auf, in dessen Mitte ein hängender, als Rosette gearbeiteter Schlussstein sitzt.

An der Westflanke schließt das Tor über einen erhöhten, überdachten Wehrgang, der die Straße überspannt, direkt an ein erhaltenes Stück der Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert an. Über dem südlichen Torbogen siehst du in einer gerahmten Nische ein Wandfresko der Kreuzigungsszene.

Zerstörung im Krieg, Wiederaufbau und das Hintern-Relief

In der Bombennacht vom 25. auf den 26. Februar 1944 fing das Vogeltor bei einem alliierten Luftangriff Feuer und brannte vollständig aus. Nur der gemauerte Torbogen im Erdgeschoss und das kunstvolle Gewölbe hielten stand. 1954 setzte die Stadt dem Turm wieder ein steiles Walmdach auf. Doch der Schein trügt: Auch wenn von außen Fensteröffnungen vier Stockwerke vortäuschen, ist das Innere seit dem Wiederaufbau vollkommen hohl, Zwischendecken suchst du hier vergebens.

Hoch oben an der südlichen Außenwand, direkt unter der Dachtraufe, zeigt ein Steinrelief einen Mann mit entblößtem Hintern. Die Augsburger Legende erzählt dazu folgendes: Der Stadtrat bezweifelte einst, dass der frisch errichtete Turm im Lot stand, und verweigerte dem Baumeister kurzerhand den Lohn. Um ganz ohne Messwerkzeuge zu beweisen, dass die Mauern kerzengerade waren, ließ der Meister aus einem der oberen Fenster seine Notdurft fallen. Als der Haufen unten auf dem Pflaster aufschlug, ohne auch nur einmal die Fassade zu berühren, war die perfekte Senkrechte bewiesen, und das Geld wechselte endlich den Besitzer.

Wasserbau und moderner Stadtverkehr

Doch das Tor diente nicht nur der Verteidigung, es war auch Teil der Augsburger Wasserwirtschaft. 1538 entstand direkt neben dem Turm ein städtisches Pumpwerk, das Wasserwerk am Vogeltor. Über eine gemauerte Bogenbrücke leitete es Kanalwasser in die Stadt, um die umliegenden Viertel zu versorgen, bis die Anlage 1879 durch modernere Technik abgelöst wurde. An dieser erhaltenen Bogenmauer kannst du das Wasser noch heute rauschen hören.

Die Modernisierungswelle um 1880 machte schließlich kurzen Prozess mit den alten Festungswerken: Die vorgelagerte Schanze wurde eingeebnet, der Stadtgraben zugeschüttet und die hölzerne Zugbrücke abgerissen. Heute steht das denkmalgeschützte Vogeltor direkt neben dem Dominikanerinnenkloster St. Ursula. Es ist keine verstaubte Kulisse, sondern eine lebendige Verkehrsader am Oberen Graben, durch die Autos rollen, während Fußgänger und Radfahrer hindurchflitzen.

FAQ

Warum ist das Innere des Vogeltors hohl?

Obwohl die Fensteröffnungen an der Fassade vier Stockwerke vortäuschen, ist das Innere seit dem Wiederaufbau 1954 vollkommen hohl. Nach den schweren Brandschäden von 1944 verzichtete man beim Wiederaufbau auf den Einzug von Zwischendecken.

Welche Legende rankt sich um das Relief mit dem nackten Hintern?

Der Überlieferung nach verewigte der Baumeister die Figur, weil der Stadtrat seinen Lohn einbehielt und behauptete, der Turm sei schief. Um zu beweisen, dass die Mauern absolut im Lot standen, verrichtete der Baumeister aus einem oberen Fenster seine Notdurft. Da alles senkrecht zu Boden fiel, ohne das Mauerwerk zu berühren, war die einwandfreie Flucht bewiesen, und er bekam endlich sein Geld.

Wie kam das Vogeltor zu seinem Namen?

Historiker führen den Namen entweder auf den Augsburger Bürgermeister Konrad Vögelin zurück, der um 1445 beim Bau des Turms im Amt war, oder auf einen Vogelfänger, der nachweislich zwischen 1403 und 1409 im Vorgängerturm wohnte.

Tours featuring Vogeltor: ein Stadttor aus dem 15. Jahrhundert

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