
Maximilianstraße: Augsburgs kaiserlicher Prachtboulevard
Von der Römerstraße zum kaiserlichen Boulevard
Die Maximilianstraße, von den Augsburgern einfach Maxstraße genannt, zieht sich über gut 500 Meter mitten durch das historische Herz der Stadt. Sie reicht vom Rathausplatz im Norden bis zum Ulrichsplatz und der Basilika St. Ulrich und Afra im Süden und folgt dabei der uralten Trasse der Via Claudia Augusta. Angelegt um 15 vor Christus, verband diese römische Militär- und Handelsstraße einst Norditalien mit der Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum.
Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit war dieser Straßenzug noch längst keine offene Flaniermeile. Stattdessen reihte sich hier ein Marktplatz an den nächsten. Der bedeutendste war der Weinmarkt, Dreh- und Angelpunkt für den Weinhandel, Kulisse für Reichstage, städtische Prunkfeste und ritterliche Turniere.
Bis ins frühe 19. Jahrhundert standen mitten auf der Straße freistehende Gebäude, die das Verkehrsgeschehen spalteten. Darunter das mittelalterliche Tanzhaus, das Anfang des 17. Jahrhunderts weichen musste, und das von Elias Holl entworfene Siegelhaus, in dem Wein besteuert und verkostet wurde, flankiert von Salz- und Weinstadeln. Erst 1809 machten die bayerischen Verwalter Tabula rasa: Sie rissen das Siegelhaus und die Lagerhallen ab und schufen so einen weitläufigen Prachtboulevard mit freiem Blick nach Süden auf die Basilika St. Ulrich und Afra.




Augsburger Stadtrundgang mit Audio und Quiz: Stadt der Fugger
2 Stunden8 StationenAudioguideStarte an jedem Tag, in deinem TempoTicket auf dem Handy · 30 Tage RückerstattungDie Paläste der Augsburger Kaufmannsdynastien
Architektonisch spannt die Maximilianstraße einen weiten Bogen, von der Gotik über Renaissance, Rokoko und Klassizismus bis hin zum Wiederaufbau der Nachkriegszeit. In Augsburgs goldenem Zeitalter als europäische Finanzmetropole bauten sich hier wohlhabende Patrizier ihre standesgemäßen Residenzen.
Ein echtes Glanzstück sind die Fuggerhäuser in der Maximilianstraße 36, die Stadtpaläste des legendären Bankgeschlechts. Hinter der Fassade verbirgt sich der Damenhof, ein Renaissance-Innenhof nach italienischem Vorbild, dessen zarte Arkaden eine Oase der Ruhe bieten, weit weg vom Kopfsteinpflaster draußen. Ein Stück weiter flaniert man am Schaezlerpalais im reinsten Rokoko vorbei, einem weiteren Zeugnis patrizischen Reichtums. Und Traditionshäuser wie das Café Dichtl an der Hausnummer 18 halten die alte Gastfreundschaft der Straße lebendig.
Renaissance-Brunnen mit UNESCO-Welterbestatus
Das Markenzeichen der Maximilianstraße sind ihre monumentalen Bronzebrunnen aus der Spätrenaissance. Der Merkurbrunnen von 1599 und der 1602 vollendete Herkulesbrunnen sorgen mit ihren weitläufigen Becken für eine ununterbrochene, plätschernde Geräuschkulisse.
Zusammen mit dem nahegelegenen Augustusbrunnen auf dem Rathausplatz bilden sie die berühmte Augsburger Brunnentrias. Seit 2019 zählen sie als Herzstück des Augsburger Wassermanagement-Systems zum UNESCO-Welterbe. Die Bronzefiguren, die du heute draußen auf der Straße siehst, sind allerdings meisterhafte Kopien, die die Kunstwerke vor Wind, Wetter und Abgasen schützen sollen. Die Originale der Bildhauer Hubert Gerhard und Adriaen de Vries stehen gut behütet im überdachten Innenhof des nahen Maximilianmuseums.
Die diplomatische Namensgebung
Als Augsburg 1806 seinen Status als Freie Reichsstadt verlor und an Bayern fiel, wurde der frisch freigeräumte Boulevard zu Ehren von König Maximilian I. Joseph von Bayern getauft. Ein Name, der den stolzen Augsburgern, die ihrer kaiserlichen Vergangenheit nachtrauerten, jahrzehntelang im Magen lag.
Erst 1957 löste der Augsburger Stadtrat den Groll mit einem diplomatischen Schachzug: Er widmete die Straße kurzerhand Kaiser Maximilian I. aus dem Heiligen Römischen Reich um. Da dieser Habsburgerkaiser ein großer Förderer Augsburgs war und engste Bande zu den hiesigen Kaufleuten pflegte, konnte die Stadt ihren Lieblingsherrscher feiern, ganz ohne dafür auch nur ein einziges Straßenschild auswechseln zu müssen.
Lebendige Flaniermeile und Kultur
Heute ist die Maxstraße die zentrale Flaniermeile der Stadt. Boutiquen, Bars, Restaurants und voll besetzte Café-Terrassen füllen die Altstadt mit Leben. Und wenn bei Festen wie den sommerlichen Weintagen gefeiert wird, knüpft die Straße ganz unbeschwert an jene Genuss- und Handelstradition an, die hier schon vor Jahrhunderten auf dem mittelalterlichen Weinmarkt ihren Anfang nahm.
FAQ
Warum sind die Brunnenfiguren auf der Maximilianstraße Kopien?
Die Bronzefiguren auf dem Merkur- und dem Herkulesbrunnen sind moderne Repliken, die aufgestellt wurden, um die Skulpturen vor Abgasen und Verwitterung zu schützen. Die Spätrenaissance-Originale von Hubert Gerhard und Adriaen de Vries stehen im überdachten Innenhof des nahegelegenen Maximilianmuseums.
Wie wurde die Maximilianstraße zu einer so breiten Straße?
Bis ins frühe 19. Jahrhundert standen Gebäude wie das mittelalterliche Tanzhaus und das von Elias Holl entworfene Siegelhaus mitten auf der Straße. 1809 ließen die bayerischen Behörden diese Bauten abreißen. Aus den geteilten Marktplätzen entstand so ein breiter Boulevard mit freier Sicht auf die Basilika St. Ulrich und Afra.
Nach welchem Herrscher ist die Maximilianstraße benannt?
Nach der bayerischen Annexion 1806 wurde der Boulevard zunächst nach König Maximilian I. Joseph von Bayern benannt. 1957 widmete der Stadtrat die Straße jedoch offiziell Kaiser Maximilian I. aus dem Heiligen Römischen Reich um, einem historischen Förderer der Stadt.

