
Bamberger Dom: Architektur und Kaisergräber
Ein Kaisersitz auf dem Domberg
Der Bamberger Dom, offiziell die Kathedralkirche St. Peter und St. Georg, thront weithin sichtbar auf dem Domberg über der Bamberger Altstadt. Seit 1993 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, bildet er das Herz der historischen Bergstadt. Zusammen mit der Alten Hofhaltung und der barocken Neuen Residenz rahmt er den Domplatz ein und setzt ein monumentales architektonisches Zeichen gegenüber der bürgerlich geprägten Inselstadt im Tal.
König Heinrich II., der 1014 zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt wurde, stiftete die Kirche im Jahr 1002. Mit ihrer Weihe am 6. Mai 1012 wurde zugleich das Bistum Bamberg begründet. Nachdem verheerende Brände in den Jahren 1081 und 1185 den Bau heimgesucht hatten, entstand unter der Schirmherrschaft des Hauses Andechs-Meranien und Bischof Ekberts ein grundlegender Neubau. Am 6. Mai 1237 wurde das wiedererrichtete Gotteshaus feierlich geweiht.




Stadtrundgang durch Bamberg mit Audioguide und Quiz: Bischöfe, Bier und Brücken
2 Stunden8 StationenAudioguideStarte an jedem Tag, in deinem TempoTicket auf dem Handy · 30 Tage RückerstattungArchitektonischer Wandel von der Romanik zur Gotik
Die Architektur des Bamberger Doms markiert eine entscheidende Schnittstelle zweier großer mittelalterlicher Bauepochen. Die östlichen Abschnitte bewahren die strenge, monumentale Wucht der deutschen Spätromanik, während die Westtürme und Portale bereits von der französischen Frühgotik kühn nach oben gezogen werden.
Als doppelchörige Pfeilerbasilika errichtet, verfügt der Dom über den Georgenchor im Osten und den Peterschor im Westen. Vier markante Türme mit rund 81 Metern Höhe bestimmen bis heute die Silhouette der Stadt. Das Langhaus misst etwa 94 Meter in der Länge, 28 Meter in der Breite und 26 Meter in der Höhe. Es öffnet sich zu einem eindrucksvollen Innenraum, der von steinernen Kreuzrippengewölben überspannt und von den beiden erhöht liegenden Chören gerahmt wird.
Skulpturenportale und städtische Maße
Die Fassaden des Doms überraschen mit kunstvollen Portalen, allen voran das Fürstenportal an der Nordseite. Sechs vollplastische Figuren flankieren das Gewände, während das Tympanon das Jüngste Gericht drastisch in Szene setzt. Ein hämisch grinsender Teufel zieht angekettete Sünder in den Abgrund, darunter einen gekrönten König, einen Bischof und einen Geizhals.
Zu den weiteren Eingängen gehören die Adamspforte und die Gnadenpforte. Neben der Gnadenpforte sind eiserne Löwenköpfe ins Mauerwerk eingelassen. Sie dienten im mittelalterlichen Handel als amtliche Eichmaße der Stadt: der Bamberger Fuß mit 26,8 Zentimetern und die Bamberger Elle mit 67 Zentimetern.
Kaiser- und Papstgräber
Der Bamberger Dom ist von herausragender historischer Bedeutung als Begräbnisstätte weltlicher wie kirchlicher Herrscher. Er beherbergt das Marmorgrab von Papst Clemens II., dem früheren Bischof von Bamberg, der 1047 verstarb. Es ist das einzige erhaltene Papstgrab nördlich der Alpen und außerhalb Italiens und Frankreichs.
In der Mitte des Kirchenschiffs ruht das kaiserliche Stifterpaar: Heinrich II. und Kunigunde, bis heute das einzige heiliggesprochene Herrscherpaar des Heiligen Römischen Reiches. Das monumentale Hochgrab schuf der Würzburger Bildschnitzer Tilman Riemenschneider zwischen 1499 und 1513 aus Solnhofener Kalkstein. Seine fein gearbeiteten Reliefs erzählen Legenden aus dem Leben des Paares, etwa Heinrichs wundersame Heilung vom Nierensteinleiden oder den betrügerischen Handwerker, dessen Hand in Flammen aufging, als er sich heimlich am Bauhüttenlohn der Kaiserin bereichern wollte.
Der Bamberger Reiter
An einem Pfeiler im Georgenchor wacht der Bamberger Reiter, eine lebensgroße Sandsteinskulptur aus dem frühen 13. Jahrhundert. Die Figur gilt als das erste monumentale Reiterstandbild der abendländischen Kunst seit der Antike. Unter den Vorderhufen des Pferdes kauert der sogenannte Blattmaskenmann, eine geheimnisvolle Gestalt mit Blätterfratze. Ob der Reiter Kaiser Heinrich II., König Stephan von Ungarn, Kaiser Friedrich II. oder einen der apokalyptischen Reiter darstellt, bleibt ebenso ein Rätsel wie der Name des Bildhauers.
Heutige Nutzung und Dombesuch
Heute ist der Dom die lebendige Kathedrale und der Metropolitansitz des Erzbistums Bamberg unter Erzbischof Herwig Gössl. Neben täglichen Gottesdiensten und Kirchenkonzerten steht der Dom außerhalb der liturgischen Zeiten Besuchern zur Besichtigung offen.
FAQ
Warum ist das Papstgrab im Bamberger Dom einzigartig?
Das Marmorgrab von Papst Clemens II., der 1047 starb, ist die einzige erhaltene Papstgrablege außerhalb Italiens und Frankreichs.
Wer schuf das Grabmal von Heinrich II. und Kunigunde?
Das Kaisergrab wurde zwischen 1499 und 1513 vom spätgotischen Meisterbildhauer Tilman Riemenschneider aus Solnhofener Kalkstein gefertigt.
Welchem Baustil gehört der Bamberger Dom an?
Der Bamberger Dom markiert den Übergang von der Spätromanik zur Frühgotik: Der Ostchor ist noch romanisch gehalten, während die Westtürme und Portale bereits von der französischen Frühgotik geprägt sind.
Was ist auf dem Tympanon des Fürstenportals dargestellt?
Das Tympanon des Fürstenportals zeigt das Jüngste Gericht: Ein lachender Teufel zerrt angekettete Sünder, darunter einen König und einen Bischof, in die Verdammnis.


