
Heilige Kunigunde: Beschützerin der Unteren Brücke in Bamberg
Die Kaiserin, die Bamberg gründete
Die heilige Kunigunde (ca. 975/980–1033/1040) war als Gemahlin von Kaiser Heinrich II. Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches. Dabei war sie alles andere als bloßes Beiwerk: Sie mischte in der Reichspolitik kräftig mit, nahm regelmäßig an Reichstagen teil und führte die Regierungsgeschäfte, wenn Heinrich unterwegs war. Nach dem Tod des Kaisers im Jahr 1024 übernahm Kunigunde im Interregnum sogar die Regentschaft und verwahrte die Reichsinsignien bis zur Wahl von König Konrad II.
Kunigundes historisches Vermächtnis ist untrennbar mit Bamberg verbunden. Im Jahr 1007 gründete sie gemeinsam mit Heinrich II. das Bistum Bamberg, wofür sie ihr eigenes Heiratsgut einbrachte, um die Diözese aufzubauen und den Bau des Bamberger Doms zu finanzieren. 1025 kehrte sie dem Hofleben den Rücken und trat in das von ihr gegründete Benediktinerinnenkloster Kaufungen ein, wo sie bis zu ihrem Tod an einem 3. März als einfache Nonne lebte. Im Jahr 1200 sprach Papst Innozenz III. Kunigunde heilig. Zusammen mit Heinrich II. bildet sie das einzige heiliggesprochene Kaiserpaar der katholischen Kirche.




Stadtrundgang durch Bamberg mit Audioguide und Quiz: Bischöfe, Bier und Brücken
2 Stunden8 StationenAudioguideStarte an jedem Tag, in deinem TempoTicket auf dem Handy · 30 Tage RückerstattungDie Wächterin der Unteren Brücke
Im Bamberger Selbstverständnis gilt Kunigunde als mütterliche Beschützerin der Stadt, in den lokalen Legenden stellt sie ihren Gatten dabei oft glatt in den Schatten. Ihre Präsenz schlägt die Brücke zwischen der bürgerlichen Inselstadt und dem geistlichen Domberg. Eines ihrer markantesten Denkmäler steht auf der Brüstung der Unteren Brücke.
Die Skulptur zeigt die gekrönte Kaiserin mit Zepter, den Blick über die rauschende Regnitz hinüber zur Fachwerkfassade des Alten Rathauses und zur Fischersiedlung Klein Venedig gerichtet. Bei der Figur auf der Brücke handelt es sich um einen Abguss aus dem Jahr 1992; das barocke Original von 1750, geschaffen von Johann Peter Benkert, wird geschützt im Inneren der Kirche St. Jakob aufbewahrt. Jedes Jahr an ihrem Gedenktag, dem 3. März, lebt eine lokale Tradition auf: Dann legt man der Brückenstatue einen frischen Strauß Rosen in den Arm.
Die Rettung beim Eishochwasser von 1784
Legendären Status erlangte das Denkmal nach einer verheerenden Naturkatastrophe im Februar 1784. Extremes Hochwasser und gewaltiger Eisgang wüteten damals in Bamberg und zerstörten die Untere Brücke vollständig. Sechs barocke Statuen zierten die Brücke zu dieser Zeit. Die Fluten rissen fünf von ihnen in die Tiefe, nur Benkerts Statue der Kunigunde hielt den Naturgewalten stand und überstand die Zerstörung völlig unbeschadet.
Das Kaisergrab im Bamberger Dom
Nach ihrer Heiligsprechung wurden Kunigundes Gebeine im Jahr 1201 in den Bamberger Dom überführt, um an der Seite Heinrichs II. zu ruhen. Heute zählt ihr gemeinsames Hochgrab (Tumba) zu den bedeutendsten Kunstschätzen des Doms. Der berühmte spätgotische Bildhauer Tilman Riemenschneider schuf das Monument zwischen 1499 und 1513 aus fränkischem Jurakalkstein und Solnhofener Marmor.
Passend zum Grabmal zeigt das benachbarte Diözesanmuseum den Großen Mantel der heiligen Kunigunde (Kunigundenmantel). Dieses Prachtgewand aus dem 11. Jahrhundert gilt als Meisterwerk mittelalterlicher liturgischer Seidenstickerei.
Die Legenden von den Pflugscharen und der Pfennigschale
In ganz Bamberg begegnet man Kunigunde in Bildnissen oft mit einer eisernen Pflugschar oder einem Modell des Doms, ganz im Sinne der lebendigen mittelalterlichen Heiligenlegenden.
Der Überlieferung nach bezichtigten politische Rivalen Kunigunde einst der Untreue. Um ihre Reinheit zu beweisen, unterzog sie sich einem Gottesurteil: Sie schritt barfuß und unversehrt über glühende Pflugscharen. Tilman Riemenschneider verewigte diese Feuerprobe in einem der detailreichen Reliefs an den Seiten des Kaisergrabs im Dom.
Eine weitere beliebte Bamberger Sage rankt sich um den Bau des Doms: Kunigunde soll den Lohn der Bauleute in eine offene Schale gelegt haben, damit sich jeder nehmen konnte, was ihm zustand. Ehrliche Arbeiter nahmen sich gefahrlos ihren gerechten Sold. Doch als ein unredlicher Handwerker mehr Pfennige an sich reißen wollte, als er verdient hatte, brannten sich die Münzen wie glühende Kohlen in seine Hand.
FAQ
Warum ist die heilige Kunigunde für Bamberg so bedeutend?
Die heilige Kunigunde gründete 1007 das Bistum Bamberg mit, indem sie ihr persönliches Heiratsgut stiftete, um die Diözese aufzubauen und den Dom zu finanzieren. Bis heute gilt sie als mütterliche Beschützerin der Stadt.
Ist die Statue der heiligen Kunigunde auf der Unteren Brücke ein Original?
Die Statue auf der Unteren Brücke ist ein Abguss von 1992. Die barocke Originalstatue aus dem Jahr 1750, geschaffen von Johann Peter Benkert, wird geschützt in der Kirche St. Jakob aufbewahrt.
Was geschah mit den Statuen der Unteren Brücke beim Hochwasser von 1784?
Im Februar 1784 zerstörten extremes Hochwasser und Eisgang die Untere Brücke und rissen fünf der sechs Barockstatuen mit sich. Einzig die Figur der heiligen Kunigunde überstand das Unglück unbeschadet.
Wer schuf das Grabmal der heiligen Kunigunde im Bamberger Dom?
Das gemeinsame Grabmal der heiligen Kunigunde und Kaiser Heinrichs II. wurde zwischen 1499 und 1513 von Tilman Riemenschneider aus fränkischem Jurakalkstein und Solnhofener Marmor gemeißelt.
