Goliathhaus Regensburg: Geschichte, Fresko und Architektur - Regensburg
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Ziel

Goliathhaus Regensburg: Geschichte, Fresko und Architektur

Regensburg, Germany

Ein mittelalterlicher Patrizierturm auf römischen Fundamenten

Direkt an der Kreuzung von Goliathstraße und Brückstraße markiert das Goliathhaus den Eingang zur Regensburger Altstadt, wenn man von der Steinernen Brücke aus dem 12. Jahrhundert kommt. Erbaut zwischen 1220 und 1260, wurde diese frühgotische Hausburg (ein sogenannter Geschlechterturm) unmittelbar auf die nördliche Wehrmauer des alten römischen Legionslagers Castra Regina gesetzt. Gekrönt von einem wehrhaften Zinnenkranz, bildete der wuchtige Steinbau über Jahrhunderte eine strategische Schnittstelle zwischen Donauübergang, Dom St. Peter und Altem Rathaus.

Um 1290 übernahm die einflussreiche Kaufmannsfamilie Thundorfer den Wehrturm. Im mittelalterlichen Regensburg bauten wohlhabende Patrizierdynastien derlei mächtige Türme vor allem aus einem Grund: um ihren wirtschaftlichen Einfluss, das familiäre Prestige und ihre städtische Autonomie in der Freien Reichsstadt unübersehbar zur Schau zu stellen.

Der Name und ein visuelles Wortspiel von 1573

Viele vermuten beim ersten Anblick, das Gebäude sei nach seinem kolossalen Fassadengemälde benannt. Doch der Name Goliathhaus ist tatsächlich Jahrhunderte älter als das Fresko. Er geht auf einen Vorgängerbau aus dem 12. Jahrhundert zurück, der als Herberge für Goliarden diente. Diese fahrenden Kleriker, Studenten und satirischen Dichter beriefen sich auf einen mythischen Schutzpatron: den „Bischof Golias“.

1573 griff der Salzburger Künstler Melchior Bocksberger diesen alten Namen auf und verewigte das biblische Duell zwischen David und Goliath als monumentales, mehrstöckiges Fresko an der Nordfassade. Das war weit mehr als ein architektonischer Bildwitz, das Kunstwerk besaß für die Bürgerschaft eine tiefere Bedeutung. Der Triumph des Außenseiters David über den Riesen Goliath wurde zum Symbol für den Willen der Freien Reichsstadt Regensburg, ihre politischen Privilegien und religiösen Freiheiten gegen übergriffige Fürsten und kaiserliche Machtansprüche zu verteidigen.

Kuriositäten des Freskos: Aufgestützte Arme und Karikatur-Frösche

Wind und Wetter machten Bocksbergers Meisterwerk über die Jahrhunderte immer wieder zu schaffen, was zu einigen bemerkenswerten künstlerischen Ergänzungen führte. Als der Maler Hans Kranzberger das Fresko in den 1840er-Jahren restaurierte, versteckte er ein amüsantes Detail in der rechten unteren Ecke: Zwischen den gemalten Grashalmen hockt ein kleiner grüner Frosch. Kranzbergers heimliche Karikatur auf Anton von Quentel, einen herrischen städtischen Beamten, der damals regelmäßig im leuchtend grünen Rock am Gerüst vorbeiritt.

Vor ganz andere gestalterische Probleme sah sich Franz Rinner bei der Restaurierung im Jahr 1900 gestellt. Die Riesenfigur passte schlichtweg schwer um die realen Fensteröffnungen der Fassade herum. Rinners pragmatische Lösung: Er ließ Goliath den linken Arm lässig auf einer echten steinernen Fensterbank aufstützen, was dem biblischen Krieger mitten im Kampfgetümmel eine unerwartet entspannte Haltung verleiht.

Zufluchtsort der Nachkriegszeit und heutige Nutzung

Neben seinem mittelalterlichen und Renaissance-Erbe birgt das Goliathhaus auch ein bewegendes Kapitel jüngerer Geschichte. Zwischen 1945 und 1950 lebte Oskar Schindler, der während des Zweiten Weltkriegs über 1.200 jüdische Menschen gerettet hatte, als mittelloser Flüchtling im angrenzenden Trakt am Watmarkt. Eine Gedenktafel an der Außenfassade erinnert heute an diese Zeit.

Bis heute pulsiert das Leben im Goliathhaus. Im historischen Turm hat das Turmtheater Regensburg eine Heimat gefunden, ein intimer Spielort für Lesungen und Theaterstücke. Darüber hinaus beherbergt das Gebäude Büros, Wohnungen, Geschäfte im Erdgeschoss und ganz oben das Restaurant Storstad über den Dächern der Stadt.

FAQ

Warum heißt das Gebäude Goliathhaus?

Der Name ist älter als das Fresko. Er stammt von einem Vorgängerbau aus dem 12. Jahrhundert, der als Herberge für Goliarden diente: fahrende Kleriker und satirische Dichter, die sich nach dem mythischen Bischof Golias benannten. Das Fresko von 1573 entstand später als humorvolles visuelles Wortspiel auf diesen bereits bestehenden Namen.

Wer hat das David-und-Goliath-Fresko an der Fassade gemalt?

Das monumentale Wandbild wurde um 1573 vom Salzburger Künstler Melchior Bocksberger geschaffen. Umfassende spätere Restaurierungen übernahmen Hans Kranzberger in den 1840er-Jahren und Franz Rinner im Jahr 1900.

Was hat es mit dem kleinen gemalten Frosch an der Wand auf sich?

Bei der Restaurierung in den 1840er-Jahren schmuggelte der Maler Hans Kranzberger unten rechts einen kleinen grünen Frosch ins gemalte Gras. Es war eine Karikatur auf Anton von Quentel, einen städtischen Beamten, der oft in einem auffallend grünen Gehrock an der Baustelle vorbeiritt.

Welche Verbindung hatte Oskar Schindler zum Goliathhaus?

Oskar Schindler lebte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von 1945 bis 1950 als Flüchtling im angrenzenden Gebäudeteil am Watmarkt. Eine Gedenktafel an der Fassade erinnert an seine Jahre dort.

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