Haidplatz Regensburg: Geschichte und Architektur - Regensburg
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Ziel

Haidplatz Regensburg: Geschichte und Architektur

Regensburg, Germany

Von der mittelalterlichen Heide zum städtischen Zentrum

Der Haidplatz entstand ursprünglich als unbebaute Heide direkt vor den Toren des römischen Legionslagers Castra Regina. Als Regensburg um 920 n. Chr. nach Westen wuchs, fand das Areal seinen festen Platz im Stadtgefüge: als langgestreckter, dreieckiger Platz an einer strategischen Weggabelung, die zu den westlichen Stadttoren führte.

Eine hartnäckige Legende besagt, der Platz sei nach einem ritterlichen Gottesurteil benannt. Hier soll der Regensburger Ritter Hans Dollinger den heidnischen Riesen Krako (der Heide) bezwungen haben. Sprachforscher sehen das allerdings nüchterner: Der Name geht schlicht auf das einstige Heideland zurück, das sich hier vor der Besiedlung erstreckte.

Das ganze Mittelalter hindurch diente die weite Fläche als wichtigster Fest- und Turnierplatz Regensburgs. Chroniken berichten von spektakulären Ritterspielen, darunter ein Turnier im Jahr 1393 mit über 300 teilnehmenden Rittern. Bis ins 14. Jahrhundert hatte sich das Areal zudem zu einer zentralen Drehscheibe für den Großhandel entwickelt.

Architektonische Wahrzeichen des Platzes

Mehrere historische Bauten säumen den Haidplatz und zeugen von Regensburgs Glanzzeit als wohlhabende Freie Reichsstadt:

  • Haus Zum Goldenen Kreuz: Um 1250 als zinnenbewehrter, festungsartiger Patriziersitz für die Familien Weltenburger und Zeller errichtet, entwickelte sich das Gebäude bis ins 16. Jahrhundert zu einer renommierten kaiserlichen Herberge. Kaiser Karl V. stieg hier während der Reichstage von 1532, 1541 und 1546 ab. Bei seinem Aufenthalt 1546 begann er eine folgenreiche Liaison mit der Regensburgerin Barbara Blomberg: Aus der Affäre ging Don Juan de Austria hervor, der 1571 als Flottenbefehlshaber der Heiligen Liga die Seeschlacht von Lepanto gewann.

  • Neue Waag: An der Ostseite des Platzes liegt dieser vierflügelige Patrizierkomplex mit markantem Wohnturm. 1441 erwarb die Stadt das Anwesen, um die Stadtwaage unterzubringen, an der Handelsgüter gewogen und Zölle berechnet wurden. 1541 wurde der obere Festsaal zum Schauplatz des Regensburger Religionsgesprächs, einer hochrangigen theologischen Debatte zwischen dem Reformator Philipp Melanchthon und dem katholischen Gelehrten Johannes Eck. Zwischen 1663 und 1806 arbeiteten hier die Kanzlisten, die die offiziellen Protokolle des Immerwährenden Reichstags diktierten und transkribierten.

  • Thon-Dittmer-Palais: An der Südflanke des Platzes steht dieses klassizistische Palais, das im 19. Jahrhundert von Architekt Emmanuel Joseph d’Herigoyen für die Kaufmannsfamilie Dittmer umgebaut wurde. Der Komplex birgt einen eleganten Renaissance-Arkadenhof und die gotische Sigismundkapelle aus dem 14. Jahrhundert.

Der Justitiabrunnen und denkwürdige Ereignisse

Mitten auf dem Haidplatz steht der Justitiabrunnen. Der Bildhauer Leoprand Hilmer schuf das barocke Sandsteinmonument im Jahr 1656 als Ersatz für ein hölzernes Becken von 1551. Umgeben von einem kunstvollen schmiedeeisernen Gitter aus dem Jahr 1592, wird der Brunnen von der Figur der Justitia mit Schwert und Waage gekrönt. Zu ihren Füßen wacht ein gemeißelter Kranich, der einen Stein in der erhobenen Kralle hält, das klassische Sinnbild der Wachsamkeit.

Der Platz erlebte auch dramatische Wendungen der Geschichte: 1635 diente er als Richtstätte für den kaiserlichen General Hans Ulrich von Schaffgotsch, dessen Enthauptung schon von Zeitgenossen als politischer Justizmord gewertet wurde. Nicht minder spektakulär endete 1673 der Auftritt des französischen Akrobaten und Wundarztes Charles Bernovin: Er wagte einen Seillauf über den Platz, bestückt mit brennenden Feuerwerkskörpern. Mitten auf dem Seil detonierte die Pyrotechnik vorzeitig und Bernovin stürzte in den Tod.

Heutiges Leben und kultureller Treffpunkt

Nachdem der Haidplatz im 20. Jahrhundert jahrzehntelang als geteerter Autoparkplatz zweckentfremdet wurde, erhielt er zwischen 1982 und 1985 seine historische Würde als Fußgängerzone zurück. Westlich des Alten Rathauses gelegen, präsentiert sich der Platz heute als lebendiger Treffpunkt voller Boutiquen und Außengastronomie, darunter das traditionsreiche Café Goldenes Kreuz.

Auch die historischen Bauten haben sich dem öffentlichen Leben geöffnet: In der Neuen Waag tagt heute das Bayerische Verwaltungsgericht, während das Thon-Dittmer-Palais das städtische Kulturamt, die Stadtbücherei, eine Volkshochschule und das Theater am Haidplatz beherbergt. Das ganze Jahr über füllen sich Platz und Hof mit Leben, ob bei Konzerten des Bayerischen Jazzweekends, beim zweijährlichen Bürgerfest oder auf dem traditionellen Kunsthandwerker-Christkindlmarkt.

FAQ

Welche historische Bedeutung hat das Haus Zum Goldenen Kreuz?

Um 1250 als wehrhafter Patriziersitz errichtet, wurde das Haus Zum Goldenen Kreuz später zu einer kaiserlichen Herberge für Monarchen und Diplomaten. Kaiser Karl V. logierte hier im 16. Jahrhundert mehrfach, und seine Liaison mit Barbara Blomberg brachte Don Juan de Austria hervor.

Welche historischen Funktionen erfüllte die Neue Waag?

Die 1441 von der Stadt erworbene Neue Waag diente als städtische Waag- und Zollstätte. 1541 war sie Schauplatz des Regensburger Religionsgesprächs und beherbergte von 1663 bis 1806 die Diktierschreiber des Immerwährenden Reichstags. Heute hat hier das Bayerische Verwaltungsgericht seinen Sitz.

Wofür steht der Kranich auf dem Justitiabrunnen?

Zu Füßen der Justitia auf dem Brunnen von 1656 hält ein gemeißelter Kranich einen Stein in der erhobenen Kralle, ein traditionelles Sinnbild für Wachsamkeit.

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