Neupfarrplatz: Regensburgs vielschichtige Geschichte - Regensburg
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Neupfarrplatz: Regensburgs vielschichtige Geschichte

Regensburg, Germany

Regensburgs vielschichtiges Herz

Der Neupfarrplatz liegt mitten im Herzen der Regensburger Altstadt, die zum UNESCO-Welterbe gehört. Als lebendige Fußgängerzone verbindet er den Dom St. Peter im Osten mit dem Alten Rathaus im Westen: Einkaufsmeile, Wochenmarkt und alljährlicher Schauplatz des Christkindlmarkts in einem. Doch unter dem geschäftigen Pflaster verbirgt sich eine spektakuläre Zeitkapsel. Fast zwei Jahrtausende Stadtgeschichte sind hier Schicht für Schicht vertikal aufeinandergestapelt.

Vom Römerkastell zur mittelalterlichen Siedlung

Die ältesten baulichen Spuren unter dem Neupfarrplatz reichen bis ins Jahr 179 n. Chr. zurück, als Kaiser Mark Aurel hier das römische Legionslager Castra Regina errichten ließ. Gut sechs Meter unter dem heutigen Straßenpflaster stießen Archäologen auf die Quartiere der Offiziere, komplett mit gemörtelten Wänden und Ziegelplattenböden, die einst die Lagerhauptstraße, die Via Principalis, säumten.

Jahrhunderte später entwickelte sich auf genau diesem Boden das mittelalterliche jüdische Viertel Regensburgs. Die Judengasse, bereits 981 n. Chr. urkundlich erwähnt, wuchs zu einem bedeutenden geistigen und religiösen Zentrum heran: rund 40 Wohnhäuser, Gemeindegebäude und eine steinerne Synagoge. In unruhigen Zeiten brachten die Bewohner ihre Schätze in Sicherheit. In den Kellerüberresten entdeckten Archäologen einen spätmittelalterlichen Schatz aus dem 14. Jahrhundert: 624 Goldmünzen und ein Siegelring der jüdischen Gemeinde, die sechs Jahrhunderte lang unberührt im Verborgenen lagen.

Die Vertreibung von 1519 und die Neupfarrkirche

Als Kaiser Maximilian I. starb, der die Gemeinde über Jahre hinweg geschützt hatte, fackelte der Regensburger Stadtrat nicht lange: Im Februar 1519 ordnete er die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung an. Das gesamte Viertel wurde dem Erdboden gleichgemacht, die Synagoge abgerissen. Während der Abbrucharbeiten stürzte Werkmeister Kern vom Gerüst, blieb jedoch wie durch ein Wunder unverletzt. Die Geistlichkeit erklärte den Sturz prompt zum Marienwunder, eine willkommene Rechtfertigung, um die zerstörte Synagoge in eine Wallfahrtsstätte zur „Schönen Maria“ zu verwandeln.

Auf eine eilig gezimmerte Holzkapelle folgte der ehrgeizige Bau einer monumentalen Wallfahrtskirche aus Stein. Doch 1528 ging der Stadt schlicht das Geld aus, fertiggestellt waren lediglich der Chor und zwei Türme. Als Regensburg 1542 die Reformation übernahm, wandelte man den unvollendeten Rohbau zur ersten evangelischen Pfarrkirche der Stadt um: der Neupfarrkirche, die dem Platz bis heute ihren Namen gibt. Auch heute noch dient sie als evangelisch-lutherische Universitäts- und Pfarrkirche.

Unterirdische Entdeckungen: document Neupfarrplatz

Die weitläufigen Relikte unter dem Platz kamen 1995 ans Licht. Bei ganz gewöhnlichen Tiefbauarbeiten, eigentlich sollten nur Stromkabel für die Buden des Christkindlmarkts verlegt werden, stieß man unverhofft auf historische Schichten. Aus dem Routineeinsatz wurde eine 3.000 Quadratmeter große Ausgrabung, die bis 1998 andauerte.

Heute ist die Fundstelle als Museum „document Neupfarrplatz“ zugänglich, betreut von den Museen der Stadt Regensburg. Im schummrigen Licht riecht es nach uraltem Mörtel und kühlem Kalkstein, während man an freigelegtem römischem Ziegelmauerwerk und mittelalterlichen Kellergewölben vorbeigeht. Auch die Schatten des Zweiten Weltkriegs sind hier präsent: Statt neue Bunker zu graben, baute man die massiven mittelalterlichen Keller kurzerhand mit Betonverstärkungen zu einem Luftschutzstollennetz um.

Das Bodendenkmal Misrach

Auch über Tage ist die Geschichte auf dem Neupfarrplatz zum Greifen nah: mit Dani Karavans weißem Reliefmonument Misrach aus dem Jahr 2005. Direkt in das dunkle Pflaster eingelassen, zeichnet die begehbare Skulptur exakt den Grundriss und die Pfeilerfundamente der zerstörten mittelalterlichen Synagoge nach. An der Ostnische des Denkmals ist das hebräische Wort „Misrach“ (Osten) in den Stein gemeißelt. Es markiert die Blickrichtung gen Jerusalem, genau dort, wo einst der Thoraschrein stand.

FAQ

Wie gelangt man zu den unterirdischen Ausgrabungen im document Neupfarrplatz?

Die unterirdische Ausgrabungsstätte ist ausschließlich im Rahmen von Führungen der Museen der Stadt Regensburg zugänglich. Tickets und Termine gibt es bei der Tourist-Information in der Altstadt.

Welche Bedeutung hat das weiße Steindenkmal auf dem Platz?

Die 2005 vom israelischen Bildhauer Dani Karavan geschaffene Reliefskulptur „Misrach“ zeichnet den Grundriss der mittelalterlichen Synagoge nach, die 1519 bei der Vertreibung der jüdischen Gemeinde zerstört wurde.

Was war der Auslöser für die großen archäologischen Ausgrabungen auf dem Neupfarrplatz?

Die Ausgrabungen von 1995 bis 1998 wurden rein zufällig ausgelöst, bei ganz gewöhnlichen Tiefbauarbeiten, mit denen eigentlich nur Stromkabel für Christkindlmarkt-Buden und die Fußgängerzone verlegt werden sollten.

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