Porta Praetoria: Regensburgs antikes Römertor - Regensburg
© Burkhard Mücke | CC BY-SA 4.0
Ziel

Porta Praetoria: Regensburgs antikes Römertor

Regensburg, Germany

Das römische Legionslager Castra Regina

Erbaut um 179 n. Chr. unter Kaiser Mark Aurel, diente die Porta Praetoria ursprünglich als Nordtor (porta praetoria) des römischen Legionslagers Castra Regina. Nach den Markomannenkriegen für die Dritte Italische Legion (Legio III Italica) errichtet, fungierte das Tor als befestigtes Ausfalltor, ausgerichtet nach Norden über die Donaugrenze hinweg auf das unbesiegte Germanien.

Zusammen mit der Porta Nigra in Trier ist dieses Monument eines der wenigen erhaltenen römischen Stadttore aus Stein nördlich der Alpen. Ursprünglich handelte es sich um eine symmetrische Doppeltoranlage, flankiert von halbrunden, schätzungsweise 20 Meter hohen Türmen. Archäologische Grabungen im Jahr 1971 bestätigten diesen Doppelbogen und lieferten Hinweise darauf, dass die westliche Hälfte vermutlich um 280 n. Chr. bei Einfällen der Alemannen zerstört wurde.

Bauweise und Architektur

Der erhaltene Torkomplex ragt rund elf Meter in die Höhe und ist damit das höchste noch aufrecht stehende römische Bauwerk Bayerns. Er besteht aus dem Ostturm, der über Erd- und Obergeschoss hinweg erhalten blieb, und einem wuchtigen Rundbogen. Die römischen Baumeister errichteten das Tor aus gewaltigen, trocken gefügten Kalksteinquadern, ganz ohne Mörtel.

Jahrhunderte städtischer Entwicklung haben das Bodenniveau sichtbar ansteigen lassen. Heute liegt der ursprüngliche römische Sockel rund einen Meter unter dem Straßenpflaster der Straße Unter den Schwibbögen. Ein steinerner Querschnitt durch zweitausend Jahre Regensburger Siedlungsgeschichte.

Mittelalterliche Nutzung und das Brauereiversteck

Im Mittelalter wandelte sich die militärische Anlage zur zivilen Infrastruktur. Urkunden aus dem Jahr 932 erwähnen das Bauwerk als Porta Aquarum (Wassertor), da es nun als Durchgang zur Donau diente. Doch mit dem Bau der Steinernen Brücke und den neuen Stadtmauern im 12. Jahrhundert verlor das alte römische Portal seine Bedeutung als wichtigster Zugang zur Stadt.

Zwischen 1649 und 1650 schluckte die wachsende Stadt das historische Monument: Die Brauerei des Bischofshofs wurde unmittelbar an und um das antike Mauerwerk herum errichtet. Das römische Portal verschwand komplett hinter neuen Mauern und geriet für Jahrhunderte aus dem Blick der Öffentlichkeit. In dieser Zeit des Verbergens dienten die vergessenen Räume im Inneren des römischen Turms ganz profanen Zwecken: als Lager der Brauerei, Bierkeller und Kartoffellager.

Wiederentdeckung und heutiges Erbe

1885 legten Abbrucharbeiten an Teilen der Brauerei die antiken Kalksteinquader wieder frei. Eine denkmalpflegerische Rettungsaktion zwischen 1885 und 1887 sicherte das Bauwerk genau an der Nahtstelle zum bischöflichen Palais aus dem 17. Jahrhundert. So entstand ein bemerkenswerter Kontrast: Die kolossalen, verwitterten, grauweißen römischen Quader gehen direkt in glatten Außenputz und bemalte barocke Fensterrahmen über.

Heute ist das Tor ein unverzichtbarer Anker des Regensburger UNESCO-Welterbes und markiert den Ursprung der Stadt als römisches Legionslager. Sogar die monumentale römische Bauinschrift, die einst über dem Portal prangte, hat überdauert. Sie wird heute im Historischen Museum der Stadt aufbewahrt und gilt als offizielle „Geburtsurkunde“ Regensburgs aus dem Jahr 179 n. Chr.

Lage und Besichtigung

Die Porta Praetoria steht in der Straße Unter den Schwibbögen, zwischen dem Dom St. Peter und dem Donauufer. Das Denkmal ist zu Fuß frei zugänglich: Du kannst direkt unter dem erhaltenen römischen Bogen hindurch in den Biergarten im Innenhof des Hotels und Restaurants Bischofshof am Dom spazieren. Als Teil des archäologischen Rundwegs „document Porta Praetoria“ werden Führungen in das Innere des Turms über das Besucherzentrum am Domplatz 5 koordiniert.

FAQ

Wann wurde die Porta Praetoria erbaut?

Das Tor entstand um 179 n. Chr. unter dem römischen Kaiser Mark Aurel als nördlicher Eingang zum Legionslager Castra Regina.

Warum war das Tor über zwei Jahrhunderte lang verborgen?

Um 1649 bis 1650 wurde die Brauerei des Bischofshofs direkt um das Tor herum errichtet und mauerte es vollständig ein, bis Abbrucharbeiten es 1885 wieder freilegten.

Was geschah mit der ursprünglichen römischen Inschrift des Tors?

Die steinerne Weiheinschrift hat überlebt und ist heute im Historischen Museum Regensburg ausgestellt. Sie gilt als offizielle Gründungsurkunde der Stadt aus dem Jahr 179 n. Chr.

Kann man die Porta Praetoria heute besichtigen?

Ja. Das Tor ist in der Straße Unter den Schwibbögen frei zu sehen und führt in einen Innenhof. Führungen in das Turminnere werden über das Besucherzentrum am Domplatz 5 organisiert.

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