
Dom St. Peter: Regensburgs gotisches Meisterwerk
Der Dom St. Peter thront auf dem Domplatz im historischen Herzen Regensburgs. Als Kathedrale des katholischen Bistums bildet er den architektonischen und geistlichen Mittelpunkt des UNESCO-Welterbes „Altstadt von Regensburg mit Stadtamhof“. Gefeiert als Bayerns bedeutendstes Zeugnis französisch geprägter Gotik, prägen die beiden neugotischen, durchbrochenen Turmspitzen mit ihren rund 105 Metern Höhe das Gesicht der Stadt.
Sechs Jahrhunderte Baugeschichte
Mindestens seit dem Jahr 788 stand hier oder in unmittelbarer Nachbarschaft eine dem heiligen Petrus geweihte Kirche, der schließlich eine ottonisch-romanische Basilika folgte. Als 1273 ein verheerender Stadtbrand die Vorgängerbauten zerstörte, begannen um 1275/1276 die Arbeiten am heutigen gotischen Dom. Um 1320 standen bereits die drei Chöre, und im Lauf des 14. und 15. Jahrhunderts wuchsen Langhaus, Querhaus und das eindrucksvolle Westportal empor.
Wirtschaftliche Krisen und die Reformation brachten die Baustelle um 1520 zum Erliegen. Mehr als drei Jahrhunderte lang blieben die Westtürme unvollendete Stümpfe. Im 17. Jahrhundert setzte man der Vierung noch eine barocke Kuppel auf und passte das Innere dem barocken Zeitgeist an. Doch zwischen 1828 und 1841 verordnete König Ludwig I. von Bayern dem Bauwerk eine radikale Regotisierung: Die barocke Kuppel und spätere Einbauten mussten weichen, um die reine mittelalterliche Ästhetik wiederherzustellen. Beflügelt von Ludwig I. und König Maximilian II. wurden zwischen 1859 und 1869 schließlich die charakteristischen Turmhelme mit ihrem filigranen Maßwerk vollendet. Mit den Querhausgiebeln fand das Mammutprojekt 1872 nach fast sechs Jahrhunderten sein bauliches Finale.
Mittelalterliche Glasmalereien und Kunstschätze
Das Innere von St. Peter hütet eine außergewöhnliche Sammlung mittelalterlicher Kunst. Sattes Rubinrot, Saphirblau und warme Bernsteintöne brechen das Licht durch 39 originale Farbglasfenster mit über 1.100 Feldern, die größtenteils zwischen 1310 und 1450 entstanden. Das Farbspiel taucht die hellen Kalksteinpfeiler und das steil aufragende Kreuzrippengewölbe in eine fast mystische Atmosphäre.
Zu den Höhepunkten der Steinmetzkunst zählt die Verkündigungsgruppe, die um 1280 von der Werkstatt des sogenannten Erminoldmeisters geschaffen wurde. Während die Romanik noch auf strenge Ehrfurcht setzte, überrascht der steinerne Erzengel Gabriel hier mit einem unverwechselbaren, heiteren Lächeln, das er Maria zuwirft. Im Chorraum glänzt zudem der monumentale silberne Hochaltar, den Augsburger Silberschmiede in mehreren Etappen zwischen etwa 1675/1695 und 1785 schufen.
Architektonische Wunder und Kuriositäten
Anders als traditionelle Kirchenorgeln, die brav auf einer Empore thronen, sprengt die Hauptorgel des Doms jede Konvention. Das 2009 von der Manufaktur Rieger Orgelbau gefertigte Instrument wiegt stolze 37 Tonnen und hängt an vier massiven Stahlseilen frei vor der nördlichen Obergadenwand. Zum Spieltisch dieser Schwalbennestorgel geht es nicht über eine Treppe, sondern ganz modern mit einem freistehenden gläsernen Aufzug.
Auch rund um den Dom verstecken sich Relikte alter Zeiten und skurrile Volkssagen. An der Nordseite ragt der romanische Eselsturm auf, ein Überbleibsel der früheren Basilika. Statt Grautieren beherbergte er einst einen sogenannten „Esel“, ein mittelalterliches Hebezeug, mit dem tonnenschwere Steine nach oben gehievt wurden. An einem der Portale wiederum trotzen zwei verwitterte Fratzen dem Zahn der Zeit: Der Volksmund erkennt in ihnen den Teufel und seine Großmutter, die prompt zu Stein erstarrten, als sie bis zum Morgengrauen verweilten, um die Dombaumeister zu bespitzeln. Eine weitere Legende dichtet den Erbauern des Doms und jenen der Steinernen Brücke eine erbitterte Wette an. Historisch hübsch geflunkert, denn die Brücke stand schon im 12. Jahrhundert fix und fertig, mehr als hundert Jahre bevor am gotischen Dom überhaupt der erste Stein gesetzt wurde.
Chortradition und stetige Pflege
St. Peter ist bis heute ein lebendiger Ort des Glaubens mit täglichen Messen, Mittagsgebeten und regelmäßigen Orgelkonzerten. Zugleich ist der Dom die feste Heimat der Regensburger Domspatzen, eines weltberühmten Knaben- und Männerchors, dessen Wurzeln auf Bischof Wolfgang im Jahr 975 zurückgehen. An den Sonntagen während des Schuljahres gestaltet der Chor regelmäßig das Hochamt.
Außerhalb der Gottesdienste steht der Dom täglich für Besichtigungen in völliger Freiheit offen, während geführte Rundgänge über das benachbarte Besucherzentrum DOMPLATZ 5 koordiniert werden. Dass die historische Bausubstanz bewahrt bleibt, darum kümmert sich die Staatliche Dombauhütte Regensburg: Die traditionsreiche Werkstatt direkt vor Ort wurde 1923 offiziell wiederbegründet und sorgt unermüdlich dafür, das empfindliche Mauerwerk für die Zukunft zu sichern.
FAQ
Warum dauerte der Bau des Regensburger Doms fast 600 Jahre?
Nach Baubeginn um 1275/1276 brachten wirtschaftliche Krisen und die Reformation die Arbeiten um 1520 zum Erliegen, sodass die Türme über 300 Jahre lang unvollendet blieben. Die Könige Ludwig I. und Maximilian II. finanzierten schließlich die Vollendung der Turmspitzen und Giebel zwischen 1859 und 1872.
Was macht die Rieger-Orgel im Regensburger Dom so außergewöhnlich?
Mit einem Gewicht von 37 Tonnen steht die Orgel auf keiner Empore. Stattdessen hängt sie an vier Stahlseilen frei vor der nördlichen Langhauswand und ist ausschließlich über einen freistehenden Glasaufzug erreichbar.
Welche historische Bedeutung haben die Regensburger Domspatzen?
Die Regensburger Domspatzen sind ein weltberühmter Knaben- und Männerchor, dessen Wurzeln bis ins Jahr 975 zurückreichen. Während der Schulzeit begleiten sie regelmäßig die sonntäglichen Gottesdienste im Dom musikalisch.
Wie kam der Eselsturm des Doms zu seinem Namen?
Der Name geht auf ein historisches Hebezeug zurück, das umgangssprachlich als „Esel“ bezeichnet wurde und im Turm untergebracht war, um schwere Steinquader während der Bauarbeiten nach oben zu befördern.




